Konsumentenbefragung

Einkaufs- und Ernährungsverhalten in Zeiten der Corona-Krise

Die Angst vor steigenden Lebensmittelpreisen war zu Beginn der Pandemie hoch. Bevorzugte Produkteigenschaften sind verstärkt längere Haltbarkeit, Regionalität der Produkte und Gesundheit.

Ernährungsverhalten in der Corona-Krise

Lebensmittelknappheit befürchten die Befragten in erster Linie bei Grundnahrungsmitteln, aber auch für saisonales Gemüse und exotisches Obst. | boggy22 - iStock

Forscherinnen und Forscher der Universität Göttingen erheben seit Mitte April in einer deutschlandweiten Konsumentenbefragung, wie sich die Corona-Pandemie auf das Einkaufs-, Ernährungs- und Kochverhalten auswirkt und wie Bürgerinnen und Bürger die Krisenfestigkeit des Ernährungssystems wahrnehmen. Die wesentlichen Ergebnisse der ersten Befragungswelle zeigen: Die Angst vor steigenden Lebensmittelpreisen war zu Beginn der Pandemie hoch. Die Menschen kauften zudem seltener ein und legten bei der Auswahl der Produkte verstärkt Wert auf Haltbarkeit, allerdings auch auf Tier-, Klima- sowie Umweltschutz.

Der gegenwärtige Ausbruch der Coronavirus-assoziierten akuten Atemwegserkrankung namens Coronavirus-Krankheit 19 (COVID-19) beziehungsweise SARS-CoV-2 ist der dritte dokumentierte Ausbruch eines tierischen Coronavirus auf den Menschen in nur 2 Jahrzehnten. Die Infektion mit dem neuen Coronavirus stellt eine Bedrohung für die Weltgesundheit der Bevölkerung dar.

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Ein Kernergebnis der Studie ist, dass die Ängste der Bürgerinnen und Bürger zum Befragungszeitpunkt im hohen Maß auf negative wirtschaftliche Folgen ausgerichtet sind. „Besonders auffällig ist, dass die Bevölkerung bereits Mitte April steigende Lebensmittelpreise befürchtet, ein Thema, das zu diesem Zeitpunkt in der öffentlichen Diskussion noch gar nicht so präsent war“, erklärt Dr. Gesa Busch, Erstautorin der Studie. Die Sorge vor steigenden Preisen ist größer als die Sorge vor Lebensmittelknappheit.

Es wird seltener eingekauft

Beim Einkaufsverhalten zeigt sich: Es wird seltener eingekauft. Bevorzugte Produkteigenschaften sind nun verstärkt längere Haltbarkeit, Regionalität der Produkte und Gesundheit. Allerdings werden auch Tier-, Klima- und Umweltschutz für rund ein Viertel der Menschen wichtiger. Das Ernährungsverhalten ist hingegen bei einem Großteil der Befragten unverändert. Allerdings kochen nun mehr Personen als vor der Corona-Pandemie täglich ein warmes Gericht. Dies trifft verstärkt auf Personen zu, die aufgrund von Homeoffice oder Quarantäne mehr Zeit zu Hause verbringen.

Lebensmittelknappheit befürchten die Befragten in erster Linie bei Grundnahrungsmitteln, aber auch für saisonales Gemüse und exotisches Obst. Insbesondere für tierische Produkte und Backwaren sehen die Verbraucherinnen und Verbraucher eine Verknappung als unwahrscheinlich an. „Die Ergebnisse bezüglich der Krisenfestigkeit des Ernährungssystems deuten auf eine beachtliche Unterstützung der Bevölkerung für einen hohen nationalen Selbstversorgungsgrad bei Nahrungsmitteln hin“, so Prof. Dr. Achim Spiller.

Das Diskussionspapier ist unter hier zu finden.

Quelle: idw/Universität Göttingen, 15.05.2020