Die Geschichte des Keuchhustens

Eine vergessene Bedrohung - Der Kampf gegen Pertussis

Vor Einführung der Impfung zählte Pertussis zu den häufigsten Kinderkrankheiten mit etwa 150–200 Fällen pro 100.000 Einwohner im Jahr. 2005 erkrankten laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) 48,5 Millionen Menschen weltweit an Pertussis, 295.000 davon starben.

Bordetella pertussis

Gram-Färbung von Bordetella pertussis | CDC Public Health Image Library, public domain

Allerdings sank die weltweite Inzidenz der Erkrankungsfälle, als Pertussis in nationale Impfprogramme aufgenommen wurde. Somit wird die jährliche Inzidenz im Wesentlichen von der regionalen Durchimpfungsrate der Bevölkerung bestimmt. Das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlichte jedoch Zahlen, die zeigten, dass 2016 in Deutschland mehr als 22.000 Fälle der Krankheit auftraten. Das sind mit Abstand die meisten seit Beginn der bundesweiten Meldepflicht im Jahr 2013. Damals waren es rund 12.600 Patienten pro Jahr, 2015 rund 14.000. Das könnte mit dem Erreger-Zyklus zusammenhängen.

Daten zu Pertussis
Daten zu Pertussis | ecdc

Krankheitsbild

Pertussis ist hoch kontagiös und weist bei engem Kontakt einen Kontagionsindex von etwa 90 % auf, deswegen erkranken fast alle nicht geimpften Kinder und Patienten mit fehlender Auffrischungsimpfung nach Exposition. Die Patienten werden mit Ende der Inkubationszeit infektiös und bleiben es bis circa drei Wochen nach Hustenbeginn. Dabei erstrecken sich saisonale Erkrankungsgipfel meist auf das Ende des Winters und den Spätsommer.

Das klassische Krankheitsbild beginnt nach einer mittleren Inkubationszeit von 9 – 10 Tagen und lässt sich typischerweise in drei Stadien unterteilen:

  • 1-2 Wochen leichte grippeähnliche Symptome wie Schnupfen, Husten und Schwächegefühl, aber nur selten Fieber.
  • Danach beginnt die „Husten-Phase“, welche typischerweise langwierig ist (circa 4-6 Wochen) und einen trockenen Husten aufweist. Es kommt zu krampfartigen Hustenstößen mit keuchendem Einziehen von Luft. Dabei führen die Hustenanfälle oft zu Auswurf oder sogar Erbrechen. Bei Säuglingen kann es in diesem Stadium zu Atemstillständen kommen.  
  • In der 6- bis 10-wöchigen Erholungsphase klingen die Hustenattacken allmählich ab. Noch monatelang kann es zu Reizhustenanfällen kommen.

Geschichte

Keuchhusten wurde bereits im 1. Jahrtausend n. Chr. in China unter dem Namen 100-Tage-Husten bekannt. Doch erst im 16. Jahrhundert beschäftigte sich ein französischer Arzt namens Guillaume de Baillou eingehend mit der Kinderkrankheit und grenzte diese Art von Husten vom sogenannten Krupphusten ab. Guillaume de Baillou, geboren 1538 in Paris und 1616 auch dort verstorben, war ein französischer Arzt und Begründer der modernen Epidemiologie. Baillou hat 1570 promoviert und bis 1616 lehrte er in Paris an der Universität, wo er 1580 auch Dekan der Medizinischen Fakultät war.

Etwa ein Jahrhundert später wurde der Husten erneut zum Thema, diesmal jedoch in England. Hier setzte sich der populäre Mediziner Thomas Sydenham mit dem Husten auseinander und gab ihm die Bezeichnung Pertussis, was im Lateinischen so viel wie starker Husten bedeutet. Doch auch er konnte bezüglich des Erregers nicht viel Erkenntnis erlangen und ließ von der Krankheit ab. Schließlich kam es im 18. Jahrhundert zu großen Epidemien, wodurch die Ärzte sich erneut mit Pertussis beschäftigten. Erst 1906 schaffte es der belgische Bakteriologe Jules Bordet gemeinsam mit seinem Kollegen Octave Gengou, den Krankheitserreger des Keuchhustens zu isolieren. Allein durch diesen Schritt konnte eine Entdeckung des Impfstoffs ermöglicht werden, welcher schließlich 1933 eingeführt wurde.

Schwere Verläufe sind daher heute eher selten, denn durch eine Teilimmunität, nach stattgefundenen Impfungen, verläuft die Krankheit im Allgemeinen weniger schwer. Das führt aber auch dazu, dass die Infektion nicht immer erkannt wird und unbemerkt auf Säuglinge übertragen werden kann, die besonders schwer erkranken können, da sie weder eigene, spezifische Abwehrstoffe gegen Keuchhusten haben noch einen sogenannten Nestschutz. (red)


Literatur:

https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Pertussis.html

https://www.aerzteblatt.de/archiv/61447/Pertussis-nicht-nur-eine-Kinderkrankheit

https://www.infektionsschutz.de/erregersteckbriefe/keuchhusten/

https://ecdc.europa.eu/en/pertussis/surveillance-and-disease-data/atlas

https://de.wikipedia.org/wiki/Guillaume_de_Baillou

papalapapi.de/leben/gesundheiten/geschichte-von-keuchhusten-masern-und-co/

www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/keuchhusten-welle-erfasst-deutschland-a-1133631.html