Uniklinik-Patienten

Eine Ausstellung, die berührt

In einer Pop-up-Ausstellung erzählen Patienten auf 33 lebensgroßen Fotoaufstellern ihre großen und kleinen Geschichten –im LMU-Klinikum am Campus Großhadern zu sehen.

Patienten-Geschichten

Sonja Wagner, Patientin am Brustzentrum, neben ihrem Fotoaufsteller | Klinikum der Universität München

Die lebensgroße Ausstellung, die der Verband der Universitätsklinika Deutschlands initiiert hat, tourt nun durch die deutschen Uniklinika. Das Klinikum der Universität München macht mit dem Universitätsklinikum in Freiburg den Anfang und eröffnete die Ausstellung, die noch bis zum 4. April am Campus Großhadern in der Galerie im oberen Eingangsbereich besichtigt werden kann.

Mutig, persönlich, ergreifend: So zeigt sich Sonja Wagner in der Pop-up-Ausstellung zusammen mit 32 anderen Uniklinik-Patienten. Im Alter von 36 Jahren bekam Sonja Wagner die Diagnose Brustkrebs. Bei den folgenden Untersuchungen stellte sich heraus, dass der Krebs in die Leber gestreut hatte. Aufgrund der Aggressivität ihres Tumors, der bereits acht Zentimeter groß war, entschieden sich die Experten um Prof. Dr. Nadia Harbeck, Leiterin des Brustzentrums am Klinikum der Universität München, für eine Chemotherapie vor der Operation.

18 Chemotherapien im Wochenrhythmus

Die Mutter eines damals zweijährigen Sohnes bekam 18 Chemotherapien im Wochenrhythmus. Bereits nach der 12. Gabe der Medikamente war der Tumor in der Brust nicht mehr diagnostizierbar. Auch die Metastasen in der Leber waren inaktiv geworden. Trotzdem blieb das Risiko, dass der Krebs zurückkommt und sogenannte Rezidive bildet. "Nach einem Kontroll-CT vor drei Jahren wurde festgestellt, dass einer der Lymphknoten in meiner rechten Achsel vergrößert war", so Sonja Wagner.

Wieder nahm die Unsicherheit zu. "Wir haben uns dann dazu entschieden, Frau Wagner in eine Medikamentenstudie einzuschließen, um ihr eine innovative und zum damaligen Zeitpunkt die bestmögliche Therapie bereits lange vor der Zulassung zukommen zu lassen", erzählt Harbeck. "Die Fortschritte in der Diagnostik und Therapie des Mammakarzinoms verdanken wir zum größten Teil den im Rahmen solcher Studien gewonnenen Forschungsergebnissen. Die Patienten wiederum profitieren von neuen Medikamenten und einer engmaschigen Untersuchung." Sonja Wagner kommt weiterhin dreiwöchentlich zur Therapie ins Brustzentrum – ihr Sohn ist mittlerweile eingeschult worden.

Einsatz von Genexpressionstests

Bei Patientinnen mit Brustkrebs-Ersterkrankung ohne Fernmetastasen setzt das Brustzentrum seit 2011 sogenannte Genexpressionstests wie den 'Oncotype DX' für eine individuelle und optimierte Brustkrebstherapie ein. Dieser Test hilft bei der Therapieentscheidung und trägt dazu bei, Über- und Untertherapien in der Versorgung von Frauen mit Brustkrebs-Ersterkrankung zu vermeiden.

"Der mit dem Oncotype DX-Test ermittelte Score-Wert liefert zuverlässige Informationen, ob eine Chemotherapie nötig ist, und zwar unabhängig von anderen klinisch-pathologischen Prognosefaktoren", erklärt Harbeck. Die Ärztin geht davon aus, dass sich bei regelhafter Anwendung des Tests 20 bis 50 Prozent der Chemotherapien erübrigen. Ein weiterer Vorteil: Ohne Chemotherapie könnten Patientinnen schneller wieder in den Alltag eingegliedert werden. An der Validierung des Testes für den klinischen Alltag war das Brustzentrum der Universität München durch eigene Studienprogramme maßgeblich beteiligt.


Zum Nachlesen: Patienten-Geschichten auf Deutschland-Tour

 

Quelle: LMU, 27.03.2017