Interview mit Karen Czipull

Eindrücke der Schulschließung beim Lette Verein Berlin

Karen Czipull ist Leiterin der MTA Schule Labor, Schule des Gesundheitswesens für Medizinisch-technische Assistenten beim Lette Verein in Berlin. Sie schildert ihre Erfahrungen während der aktuellen Schulschließung.

Lette Verein

Wie gehen Sie aktuell mit der Corona-Krise um? Findet bei Ihnen noch Unterricht in irgendeiner Form statt, beziehungsweise wie sieht die Alternative aus?

Seit dem 16.03.2020 sind in Berlin auf Grundlage der SARS-CoV-2-Eindämmungsmaßnahmenverordnung von Berlin die Schulen für den Unterricht geschlossen.

Dieser wird seitdem in der MTA Labor- und Radiologie-Schule des Lette Verein online weitergeführt. Wir arbeiten schon seit langem mit den Lernenden über eine Schulkommunikationsplattform. Mit dieser konnte ohne Unterbrechung der Unterricht weitergeführt werden. Die Lernenden bekommen Aufgaben, Projekte, zu bearbeitende Fallbeispiele..., die sie zu vereinbarten Abgabeterminen fertigstellen müssen. Der theoretische Unterricht wird größtenteils durch Videokonferenzen simultan mit allen Schülern/-innen abgehalten.

Wie sehen die Planungen für die anstehenden Examina aus?

Die anstehenden Examina werden, wie durch das LAGeSo (Landesamt für Gesundheit und Soziales) festgelegt, durchgeführt, da aufgrund der Systemrelevanz qualifizierte Fachkräfte im Gesundheitswesen dringend benötigt werden. Für die Durchführung sind zusätzlich vorgegebene Regularien und Bestimmungen, wie z.B. die Gewährleistung eines Mindestabstands zwischen den Teilnehmern, einzuhalten.

Was bedeutet die aktuelle Situation für das laufende Schuljahr, muss es eventuell wiederholt werden, wenn die Krise länger andauert? Könnte sich die Ausbildung eventuell verlängern?

Dazu kann ich derzeit keine verbindliche Aussage treffen. Es sind bis dahin keine Ausfallzeiten von Unterricht oder praktischer Ausbildung entstanden, da diese (wie schon erwähnt) weiterhin durchgeführt werden. Somit besteht aus meiner Sicht keine Notwendigkeit für eine Verlängerung der Ausbildung.

Wie kommen die Auszubildenden an die Lehrinhalte?

Die Lernenden der MTA-Labor-Ausbildung des Lette Vereins sind mit den Lehrkräften über eine Kommunikationsplattform verbunden. Unsere Lernenden wie auch die Lehrenden verfügen über hauseigene Mailadressen und können das komplette Office 365 nutzen. Über „Teams“ findet z.B. der theoretische Unterricht statt. Über diese Medien halten die Lehrkräfte mit den Lernenden Kontakt und beantworten individuell alle Fragen, die durch die Lernenden aufkommen. Die Klassenleitungen haben ebenfalls über diese Medien mit ihren Schülern/-innen Kontakt und können so schnell auf alle aufkommenden Fragestellungen reagieren.

Helfen die Auszubildenden jetzt auch im Krankenhaus aus?

Es gab durch unseren Kooperationspartner Labor Berlin eine direkte Anfrage nach Unterstützung. Es haben sich sehr viele unserer MTA Labor Schüler/-innen gemeldet und ihre Hilfe angeboten. Labor Berlin ist für diese Unterstützung sehr dankbar.

Bestand an Laborhandschuhen zur Verfügung gestellt.
Bestand an Laborhandschuhen wurde zur Verfügung gestellt. | Lette Verein

Was bedeutet das für Sie als Schulleitung, wie gehen Sie aktuell mit der Krise um?

In erster Linie bedeutet es für mich als Schulleiterin flexibel zu bleiben. Es müssen jeden Tag aufgrund immer neuer Anfragen und Regelungen neue Entscheidungen getroffen werden. Für nicht zu antizipierende Probleme werden Lösungen gefunden.

Die Gewährleistung der Aufrechterhaltung des Unterrichts sehe ich als meine primäre Aufgabe. Durch das zuverlässige und flexible Kollegium und die vorhandenen technischen Voraussetzungen konnten wir dies schnell und unkompliziert realisieren.

Ein weiterer wichtiger Teil meiner Arbeit in dieser Zeit ist es, den Kontakt zu unseren Kooperationspartnern aufrecht zu erhalten, um Anfragen nach personeller oder auch sachlicher Unterstützung schnell zu bearbeiten. So unterstützen unsere Lernenden nicht nur die Labore, auch hat der Lette Verein Berlin nach einer offiziellen Anfrage des EvB Klinikums in Potsdam unseren Bestand an Laborhandschuhen zur Verfügung gestellt.

Eine Herausforderung ist es, die Kommunikation mit jedem, ob Lehrende/r oder Lernende/r, so zu gestalten, dass alle teilhaben.

Gibt es bei den Lehrkräften bereits Kurzarbeit?

Es gibt keine Kurzarbeit. Wie schon ausgeführt, führen wir den Unterricht weiter. Das bedeutet auch, dass die Lehrkräfte weiterhin vollumfänglich mit ihrer Tätigkeit ausgelastet sind.

Wie gehen die Auszubildenden mit der aktuellen Situation um?

Dazu kann ich nur sagen: Großartig! Es ist für die Lernenden und die Lehrkräfte gleichermaßen eine neue Situation und erfordert viel Um- und Neudenken auf beiden Seiten. Die Lernenden müssen sich anders strukturieren und disziplinieren. Schwer ist es vor allem für junge Familien.

Welches Fazit ziehen Sie aus der bisherigen Zeit der Schulschließung?

Durch unser hochmotiviertes Kollegium und durch großartige Schüler/-innen, die die Notwendigkeiten in diesen besonderen Zeiten berufsbedingt auch von der fachlichen Seite einschätzen können, ist es möglich, innerhalb von kurzer Zeit neue Dinge umzusetzen und andere Wege zu gehen. Die Hilfsbereitschaft untereinander nimmt zu.

Vielen Dank für das Interview.