Gelingende Kommunikation

„Eierlegendes Wollmilchschwein“ oder „weißer Elefant“?

So manch einer fühlt sich im Berufsleben doch so, als wäre er gefangen in einem Zoo. Glaubt, beim Blick in den Kollegenkreis oder den Leitender und Führender, die ganze Bandbreite der Tierwelt wiederzuerkennen.

Gelingende Kommunikation

Kommunikation | © Andrey Popov/Fotolia

Die Zuschreibungen scheinen leichtzufallen, und die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Denken wird Sprache. Entsprechende Bilder folgen und vergiften das Miteinander. Am Schluss, nach seinem inneren Rundgang durch den Tierpark, führt jedoch der Weg stets zum Gehege des „Weißen Elefanten“. Den jeder kennt, er auch! Den keiner mag, der geduldet wird und dem Betriebsklima schadet.

Als „Weiße Elefanten“ werden synonym entweder teure Projekte ohne Nutzen oder bekannte und nicht offen ausgesprochene Probleme mit zum Beispiel minderleistenden Kollegen bezeichnet. Doch auch bekannte Defizite in Leitung und Führung werden so benannt. Nicht wertschätzende Kommunikation der Führungsebene mit den Mitarbeitern/-innen und der Mitarbeiter/-innen untereinander gehören dazu. Gelingende Kommunikation ist im Arbeitsalltag jedoch enorm wichtig. Kommunikative Prozesse tragen dazu bei, Individuen in Teams und Organisationen sichtbar werden zu lassen. Sie hilft dabei, Potenziale zu erkennen, zu entwickeln und ermöglicht, persönliche Leistungen von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen anzuerkennen und zu fördern. Fehlt sie, bleibt am Ende oft nur Enttäuschung bei allen an diesem Prozess des Misslingens Beteiligten. Und das, obwohl landauf, landab beständig in Kommunikationsseminaren Szenarien kreiert werden, die Chefs und Untergebenen gleichermaßen zu mehr Klarheit und Transparenz verhelfen sollen.

Doch wie soll der Einzelne all die Erwartungen an Rolle und Funktion erfüllen, die in den unterschiedlichen Alltagserforderlichkeiten permanent an ihn gestellt werden? Gehen wir zurück in den Zoo. Denn da gäbe es eine neue Weltattraktion. Das „eierlegende Wollmilchschwein“. Die Haltung dieses Tieres hat nämlich nur Vorteile, es genügt scheinbar den Ansprüchen aller, wie man es gerade braucht. So wäre doch jedem geholfen, und viele Probleme kämen erst gar nicht auf, denkt man. Ohne Zutun über Nacht plötzlich zum Kommunikationsstar werden, ohne eigene Leistungen und Kraftanstrengungen.

Doch ist es das, was man will? Was Führungskräfte, was Mitarbeiter/-innen wollen? Weit gefehlt. Über sich hinauszuwachsen, sich beständig zu optimieren, kann Fluch und Segen zugleich sein, wenn es an Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme, an Reflexion des Selbst und der Prozesse fehlt. Wenn es an Fehlerkultur mangelt. Daran scheitern dann nicht nur Beziehungen im Privaten, sondern ganze Unternehmungen. „Dienst nach Vorschrift“, hohe Fluktuationen in Teams, Burn-out beziehungsweise Bore-out können deren Folge sein.

Diese Tatsache und der immer größere Druck auf Mitarbeiter und Führungskräfte schaffen Bedarfe für Schulungen und Trainings. Coaches, Berater, Trainer, Therapeuten und Analytiker bekommen beständig eine Klientel zugetrieben, die es gar nicht geben würde, würde mit der Ressource Mensch achtsamer umgegangen werden. Sie alle sollen das Fehlen kommunikativer Kulturen im Umgang miteinander ausgleichen helfen, wenn es mal wieder an eigenen Haltungen dazu mangelt beziehungsweise kompetent Know-how zur beständigen Verbesserung in die Unternehmensprozesse tragen. Jedoch, auch wenn es schmerzt, die Lösung fürs Gelingen liegt in jedem von uns. Jeder kann in seinem Bereich dazu seinen Beitrag leisten. Achtsam sein. Reflektieren – sich selbst, den Prozess und alle daran Beteiligten. Kann Fragen stellen. Über den Tellerrand schauen. Und so zu seinem und dem Erkenntniszugewinn anderer beitragen. So ganz nebenbei werden so allmählich dann Sehen und Gesehenwerden aller an der Kommunikation Beteiligten verändert. Prozesse verbessern sich und mit ihnen Zufriedenheit und Ergebnisse.

Aber die Muster in den Köpfen, „Ich Chef, du nix“, verschwinden nicht so einfach. Das Umdenken beginnt nur langsam, jedoch beginnt es immerhin. Der „humanen Ressource“ wird mehr Aufmerksamkeit geschenkt, nicht nur in medizinisch-technischen Mangelberufen. Plötzlich wird in Kommunikation investiert. Führungskräften und Mitarbeiter/-innen werden Trainings und Schulungen zur Verbesserung ihrer kommunikativen Selbstkompetenzen angeboten. In den Unternehmen und extern, jedoch nicht altruistisch begründet. Geld und Fachkräfte werden knapp. Zudem kostet das Einarbeiten neuer Mitarbeiter/-innen viel Geld. Das Fehlen von Fachkräften lässt die Erlöse sinken. Fehlende Qualität in wiederkehrenden Prozessen bindet Kapital. Hinzu kommt, dass Mitarbeiter/-innen zunehmend ihren Wert erkennen, sich weiterbilden und nach Anerkennung verlangen. Führungskräfte wollen diesen Wert für den Unternehmenserfolg erhalten. Unternehmensverantwortliche ihren Mitarbeiter/-innenstamm binden, motivieren und entwickeln.

Das jedoch ist eine Aufgabe, die nur gemeinsam zufriedenstellend von allen am Prozess Beteiligten gelöst werden kann. Wertschöpfendes Verhalten braucht Kultur, Haltungen und Zeit, die jedoch nur scheinbar nicht in ausreichender Menge verfügbar sind. Wir sollten aufhören, jeder für sich selbst, sich hinter diesen Ausreden zu verstecken. Jeder von uns muss die Muster in seinem Kopf hinterfragen und aktiv verändern. Jedem sollten seine „Komfortzonen“ bekannt sein, wie auch die Bereitschaft, sie unter Umständen auch zu verlassen. Eine Herkulesaufgabe, jedoch keine, die nicht lösbar wäre. Das Kursangebot beim DIW-MTA e.V. Berlin bietet Führungskräften und auch Mitarbeitern/-innen gleichermaßen an, sich im Umgang mit angemesseneren Kommunikationsformen weiterzubilden.

Jeder kann lernen, den Dialog aufzunehmen, aktiv zuhören lernen und sich einem Gegenüber wertschätzend und verstehend zuzuwenden. Sich dabei selbst und andere von den dabei gewonnenen Erkenntnissen überraschen lassen. Ein erster wichtiger Schritt wäre getan, wenn wir alle damit beginnen würden, künftig mehr Fragen als Antworten zu haben – denn wer fragt, führt. Auch sich selbst.

Vielleicht wollen Sie ja gleich nach der Lektüre des Artikels mit der Beantwortung nachstehender Fragen1 schon mal damit anfangen?

  • Erleben Sie den Job als Kampf, im Job die Kampfsprache?
  • Setzen Sie stets ein „gemeinsames Verständnis“ voraus?
  • Suchen Sie die „wahre Ursache“ und finden Sie den Schuldigen?
  • Denken Sie für Ihre Mitarbeiter/-innen, und erwarten Sie dann noch Dank dafür?
  • Managen Sie Bereiche, für die Sie nicht verantwortlich sind?
  • Machen Sie Einzelne im Team für Misserfolge verantwortlich?
  • Stopfen Sie Löcher, anstatt ein neues Boot zu bauen?
  • Warten Sie (stets) auf Anweisungen von oben?

Denn wie wir wissen, beginnt der Weg durch den Zoo stets zunächst bei jedem von uns selbst.

Kontakt:
DIW-MTA e.V.
Welserstraße 5–7
10777 Berlin
Tel.: 030 33844064
E-Mail: info@diw-mta.de
www.diw-mta.de

1    Radatz Sonja, Bartels Oliver (2007): Leidensweg Beruf „…   denn Sie müssen nicht, was Sie tun!“, 1. Auflage, Wien, Verlag Systemisches Management.

 

Entnommen aus MTA Dialog 5/2017