DIW-MTA

Effizienter Umgang mit Ressourcen durch ein Integriertes Managementsystem

Wir sehen uns im Gesundheitswesen mit enormen Herausforderungen konfrontiert, welche dazu führen, dass wir fast vollständig vom Tagesgeschäft eingenommen werden. Was liegt da näher, als erforderliche organisatorische Aufwendungen – wo immer möglich – auf das Notwendigste zu reduzieren. Im Management der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität innerhalb einer Einrichtung des Gesundheitswesens findet sich hierfür ein idealer Ansatz.

Effizienter Umgang mit Ressourcen durch ein Integriertes Managementsystem

© Gerhard Seybert – Fotolia

Durch die Integration von klassischen Disziplinen des Unternehmensmanagements wie beispielsweise Qualitäts- und Risikomanagement sowie Arbeits- und Gesundheitsschutz, aber auch nicht zu vergessen Umweltschutz oder Informationssicherheit in ein Managementsystem lassen sich doppelte oder gar mehrfache Arbeiten vermeiden und Synergien hin zu einem ganzheitlichen System bündeln. Die von der Internationalen Organisation für Normung (ISO) entwickelte High-Level-Structure (HLS) innerhalb der neu er- beziehungsweise überarbeiteten Managementsystemnormen zielt auf eine Vereinheitlichung der Struktur und der Anforderungen ab [1]. Durch die erfolgte Standardisierung im Bereich der einzelnen Kapitel, Kernaussagen und Begriffe wird die Integration von Anforderungen aus unterschiedlichen Normen deutlich erleichtert. Ein Ansatz, aus dem sich klar abzeichnet, dass Insellösungen nicht mehr zeitgemäß sind.

Auch der Gesetzgeber weist auf die Bündelung von Systemen zur Steigerung der Effektivität hin. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) als höchstes Gremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen beispielsweise rät den Leistungserbringern im Gesundheitssektor in der betreffenden Qualitätsmanagement-Richtlinie (QM-RL) dazu, die aufbau- und ablauforganisatorischen Rahmenbedingungen an den speziellen Verhältnissen vor Ort auszurichten und dabei Doppelstrukturen von Qualitäts- und Risikomanagement zu vermeiden [2]. Durch die einheitliche Gliederung der Normen, die Verwendung einheitlicher Begriffe sowie Definitionen und einer einheitlichen Terminologie wird dafür die Basis geschaffen. Die in der Praxis mit der Umsetzung von Anforderungen aus den Regelwerken geforderten Anwender benötigen aber ein grundsätzliches Verständnis bei deren Anwendung.

Das DIW-MTA greift diese Thematik mit seinem Schwerpunktbereich „Arbeitsschutz- und Risikomanagement“ auf. Im Seminarmodul „Risiko- und Arbeitsschutzmanagement – Grundlagen“, das vom 8. Dezember 2021 bis 11. Dezember 2021 online stattfindet, wird dieses Grundverstehen in Form von Inhalten und Zielen der spezifischen Normen vermittelt, und es werden die damit in Verbindung stehenden nationalen Regelwerke erörtert. Hierzu gehört auch das Verstehen der gesellschaftlichen Bedeutung und der Hierarchien des Rechtssystems sowie dessen Umsetzung. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden die Basiswerkzeuge des Risikomanagements und des Arbeits- und Gesundheitsschutzes im Gesundheitswesen kennenlernen und mit der Ausrichtung der betrieblichen Praxis auf die normativen und regulatorischen Anforderungen vertraut gemacht.

Sind die Grundlagen geschaffen und die Werkzeuge bereitgestellt, erfolgt der nutzenstiftende Effekt des Seminars in Form der Erkenntnis des Ineinandergreifens von Erlerntem und dessen praktischer Anwendung innerhalb der Einrichtung. Hier findet das zur intensiven Anwenderschulung angebotene Seminarmodul „Risiko- und Arbeitsschutzmanagement – Vertiefung“ (21./22. Januar 2022 und 18./19. Februar 2022) seinen Schwerpunkt. Das Wissen, dass im Rahmen des Arbeitsschutzes erkannte Veränderungen beziehungsweise Verbesserungen durchaus zu einer Risikobewältigung führen und letztendlich zur Prozessstabilisierung und damit zum Erhalt des Qualitätsstandards beitragen können, wird einen deutlichen Benefit für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, aber insbesondere für deren entsendende Einrichtung darstellen. Grundlegend hierfür ist die von den Normen präferierte Prozessorientierung, die es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ermöglicht, komplexe Zusammenhänge zu verstehen. Dabei kann jede Teildisziplin zur Erkenntnis von Veränderungs- beziehungsweise Verbesserungspotenzial beitragen und somit Ausgangspunkt des allen Managementsystemen innewohnenden Strebens nach ständiger Verbesserung sein.

Das Fundament für ein solches Integriertes Managementsystem bildet folglich ein systematisches Prozessmanagement. Unter Zuhilfenahme des bewährten PDCA-Zyklus (Plan-Do-Check-Act) bieten der Prozess und seine im Qualitätsmanagementsystem beinhaltete Prozessbeschreibung die Grundlage zur Planung von Veränderungs- beziehungsweise Verbesserungsmaßnahmen, denn genau hier müssen sich die Anforderungen aus den unterschiedlichen Normen bündeln, um ihre jeweiligen Beiträge zur Optimierung leisten zu können. In der Planungsphase werden die künftigen Erwartungen an den zu optimierenden Prozess formuliert und in Form von Kennzahlen definiert. Nach Durchführung dieses innerhalb eines Integrierten Managementsystem zunächst vorbehaltlich festgelegten Prozessablaufs erfolgt in der Check-Phase ein Soll-Ist-Vergleich anhand der definierten Kennzahlen. Besteht hier eine Übereinstimmung beziehungsweise ein dem im Vorfeld festgelegten Toleranzbereich entsprechendes Ergebnis, wird dieser neue Prozessablauf zum Standard. Hier sprechen wir dann auch im Gesundheitswesen gerne einmal vom „ökonomischen Prinzip“, in der Art und Weise, dass sich durch die Integration von neuen Anforderungen in bereits Etabliertes Redundanzen vermeiden und knappe Ressourcen schonen lassen. Ein weiterer Nutzen ergibt sich für die Unternehmensführung durch die Möglichkeit einer zentralen Managementbewertung und gemeinsame, zeitgleiche Audits – sowohl intern als auch extern.

Um auch im Bereich des Arbeitsschutzes die Potenziale aus der Integration heben zu können, werden sich die Seminarmodule selbstverständlich an der neuen, weltweit gültigen Norm ISO 45001 „Managementsysteme für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit“ orientieren [3]. Sie ist „State of the Art“ bei den Anforderungen an Arbeits- und Gesundheitsschutzmanagementsystemen, enthält eine Anleitung zur Umsetzung in die Praxis und ist entsprechend dem ISO Draft Guide 83 nach der High-Level-Structure konzipiert.

Mit der Veröffentlichung ersetzt die ISO 45001 den bisher angewendeten Standard, BS OHSAS 18001 aus dem Jahr 2007, mit dem Ziel, die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz wirksam in die Unternehmenspraxis zu integrieren. Unternehmen, welche die international anerkannte ISO 45001 anwenden, zeigen, dass sie ihrer sozialen Verantwortung dadurch gerecht werden, dass sie alles daransetzen, das Risiko von Verletzungen, Unfällen und arbeitsbedingten Erkrankungen der Beschäftigten im Rahmen eines Managementsystems nachweislich zu reduzieren. Durch die Implementierung in ein vorhandenes Managementsystem werden dank der beschriebenen High-Level-Struktur der ISO 45001 die Parallelen zu den anderen Standards, wie beispielsweise ISO 9001 und ISO 31000, deutlich, und es werden auch Aspekte, die über die reine Beseitigung oder Minimierung von Arbeitsschutzrisiken und Risiken oder Belastungen für die Gesundheit hinausgehen, in Form von „Chancen“ in Betracht gezogen. Da ab März 2021 nur noch die ISO 45001 als Standard für Arbeitsschutz und betriebliches Gesundheitsmanagement gilt, liegt das DIW-MTA mit den angebotenen und neu angepassten Seminarmodulen absolut im Trend.

Die Anmeldung zu den Kursen erfolgt wie immer über unsere Kommunikationsplattform Stud.IP (studip.diw-mta.de/), auf der Sie sich kostenfrei registrieren können. Weitere Informationen erhalten Sie des Weiteren unter info@diw-mta.de.

Literatur

  1. Internationale Standard Organisation ISO: High level structure an identical text for management system standards and common core management system terms an definitions. Berlin: Beuth Verlag GmbH 2020.
  2. Gemeinsamer Bundesausschuss G-BA (2020): Qualitätsmanagement-Richtlinie/QM-RL 12/2020. https://www.g-ba.de/downloads/62–492–2309/QM-RL_2020–09–17_iK-2020–12–09.pdf (last accessed on 5 February 2021).
  3. Deutsches Institut für Normung e.V.: Managementsysteme für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit – Anforderungen mit Anleitung zur Anwendung (ISO 45001:2018). Berlin: Beuth Verlag GmbH 2018.

 

Entnommen aus MTA Dialog 5/2021