Neues Prognosetool

DIVI plädiert für Lockdown bis Ende März

Was bringen die nächsten Wochen? Können wir uns in Deutschland Lockerungen erlauben? Wie wird eine dritte Welle ausfallen? Darauf gab die DIVI auf einer Pressekonferenz Antworten.

DIVI

DIVI warnt vor frühzeitigen Lockerungen | Romolo Tavani, stock.adobe.com

Die Ausganslage ist klar. Wieder steigende Inzidenzwerte. Der Anteil der Neuinfektionen mit der britischen Mutation liegt bereits bei 20 Prozent. Dem gegenüber sind aktuell aber weniger Patienten mit schweren COVID-19-Verläufen auf den Intensivstationen zu verzeichnen. Und täglich werden mehr Menschen geimpft.

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) erlaubt sich auf der Basis wissenschaftlich valider Daten einen Blick in die Zukunft. Am Donnerstag wurde deshalb das DIVI-Prognosetool vorgestellt, mit dessen Hilfe die Belegung der Intensivstationen in Deutschland mit hoher Wahrscheinlichkeit vorausgesagt werden kann. Das Rechenmodell von Prof. Dr. Andreas Schuppert (RWTH Aachen) berücksichtigt sowohl die schnellere Verbreitung von SARS-CoV-2 durch Mutationen, als auch die fortschreitende Zahl Geimpfter.

Insgesamt zeigen die Simulationen, dass Lockerungsszenarien im März, die zu einem R-Wert von 1 für den Wildtyp (=1,35 für B.1.1.7) führen, in Kombination mit einer langsamen Impfstrategie zu einer erneuten Spitzenbelastung von etwa 4.000 COVID-19- Patienten auf Intensivstationen führen könnten. Eine spätere Öffnung im April gehe allenfalls mit einem nur geringen Anstieg der COVID-19-Patienten auf der Intensivstation einher. Steigt die Infektionsdynamik in Deutschland an auf einen R-Wert von 1,2 für den wt (=1,55 für B.1.1.7), komme es zu einer unkontrollierten Spitzenbelastung der Intensivstationen mit COVID-19 Patienten bei einer Lockerung im März. Eine Lockerung im April hingegen sei selbst unter diesen Bedingungen mit einer Spitzenbelastung maximal in der Höhe des bisherigen Spitzenwertes des Januars 2021 verbunden.

Worst Case
Worst Case-Szenario

Das Worst Case-Szenario im Modell liegt denn auch bei bis zu 25.000 Patienten auf der Intensivstation. Dies wäre die Prognose bei einer Lockerung bereits im März und einer langsamen Impfstrategie der Ü35-Gruppe bis 31.8.21, bei einem angenommenen R-Wert für den Wildtyp von 1,2 und 1,55 für B.1.1.7.

Eine Beschleunigung der Impfungen mit einer Impfung aller Über-35-jährigen sei mit einer deutlich geringeren Belastung der Intensivstationen verbunden.

Die Simulationen basieren auf den folgenden Annahmen:

  • Der aktuelle Lockdown wird fortgesetzt bis zu einem Exit-Zeitpunkt. Im Modell wird zu Grunde gelegt, dass ab einem dieser Zeitpunkte ein konstanter R-Wert für den Wildtyp erreicht wird.
  • Die neue Mutante B.1.1.7 trat in der letzten Januarwoche deutschlandweit in 22% aller Infektionen auf, aktuell weiter steigend. Sie verbreiten sich 35% schneller als der Wildtyp, die Virulenz ist nicht erhöht.
  • Die Impfmaßnahmen werden pro Altersgruppe im jeweiligen Impfzeitslot mit nahezu konstanter Impfrate pro Tag kontinuierlich durchgeführt.
  • Es wird angenommen, dass die Impfung zu 100% vor einem schweren, intensivpflichtigen Krankheitsverlauf schützt.
  • Es wird angenommen, dass durch die Impfung ein Infektionsschutz von 70% gegenüber Nichtgeimpften besteht.
  • Daten zum saisonalen Ausbreitungsverhalten der Mutante B.1.1.7 liegen noch nicht vor und sind daher im Modell bisher nicht berücksichtigt. Sobald Daten vorliegen, wird diesbezüglich ein Update durchgeführt werden.

Quelle: DIVI