Interview mit Elke Muhl

DIVI-Kongress: „Qualität und Patientensicherheit“

Die wichtigste Veranstaltung für die Intensiv- und Notfallmedizin in Deutschland steht vor der Tür: Vom 5. bis 7. Dezember 2018 werden rund 4.000 Teilnehmer aus allen medizinischen Fachbereichen in Leipzig beim 18. Jahreskongress der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) erwartet.

DIVI-Kongress

Prof. Dr. Elke Muhl | DIVI

Das Kongressmotto dieses Jahr lautet „Qualität und Patientensicherheit“. Im Interview erklärt Kongresspräsidentin Prof. Dr. Elke Muhl, wie diese komplexe Thematik beim DIVI-Kongress in spannende Formate umgesetzt wird, auf welche Veranstaltungen Sie sich persönlich freut, wie erstmals die Öffentlichkeit mit einbezogen wird und warum sich die Reise nach Leipzig auch kurzfristig lohnt.

Welchen Beitrag leisten schnelle Labortests?

Schwere Infektionen sind einer der häufigsten Aufnahmegründe auf Intensivstationen. Aber auch Patienten, die aufgrund anderer Indikationen, zum Beispiel nach einer größeren Operation, intensivmedizinisch betreut werden, entwickeln nicht selten sekundäre nosokomiale Infektionen.

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Frau Prof. Muhl, diese Woche startet der 18. DIVI-Kongress. Wie unterscheidet sich die Großveranstaltung dieses Mal von den Kongressen in den Jahren zuvor?
Zum einen haben wir schon vor Kongressbeginn deutlich mehr Anmeldungen als im vergangenen Jahr. Deswegen haben wir zum Beispiel die Kongresssäle noch etwas vergrößert, damit die Teilnehmenden genügend Platz bei den Symposien haben. Dann hat sich inhaltlich auch einiges geändert: Zum ersten Mal wird es eine Veranstaltung für die breite Öffentlichkeit geben. Zudem haben wir eine Podiumsdiskussion ins Programm aufgenommen, bei der es um die neue Personaluntergrenzen-Verordnung geht, die am 1. Januar in Kraft tritt. Hier erwarte ich mir eine spannende Diskussion mit renommierten Podiumsteilnehmern. Und wir haben noch mehr Workshops als in den Jahren zuvor.

Warum lohnt sich die Reise zum DIVI-Kongress auch für Kurzentschlossene?
Wir werden beim Kongress wieder sehr viele aktuelle Themen aufgreifen. Berufspolitische, wie die angesprochene Veranstaltung zu der Personaluntergrenzen-Verordnung, ebenso wie wissenschaftlich spannende Formate. Wie immer gibt der DIVI-Kongress einen Überblick über alle wichtigen Themen der Notfall- und Intensivmedizin, sodass jeder die für sich relevanten Themen herauspicken kann, die er persönlich braucht.

Herzultraschall und dessen Befundbewertung

Neben den 303 Vorträgen gibt es 76 praktische Workshops. Was versprechen Sie sich davon?
Mit den Workshop-Angeboten wollen wir eine Brücke von der Theorie zur Praxis schlagen und zusätzliche praxisorientierte Fortbildungsmöglichkeiten schaffen. Da werden dann nicht nur wissenschaftliche Publikationen präsentiert. Die Teilnehmer der Workshops können direkt am Modell üben und zudem von spezialisierten, erfahrenen Fachärzten neues Know-how mit nach Hause nehmen. Das lässt sich dann auch direkt auf der eigenen Station anwenden.

Welche Formate sind aus Ihrer Sicht besonders interessant?
Das sind schon die praktischen Workshops, weil die Teilnehmenden hier selbst aktiv werden können. Zum Beispiel gibt es eine Veranstaltung, bei der Interessierte etwas über den Herzultraschall und dessen Befundbewertung lernen können. In einer anderen Veranstaltung lernt man beispielsweise den Luftröhrenschnitt am Modell. Und das eben von Experten, die einem Tipps und Tricks mit an die Hand geben.

Ihnen persönlich liegt ja der Brückenschlag zwischen Intensiv- und Palliativmedizin am Herzen. Warum ist das so wichtig?
In der Intensivmedizin sind schwerstkranke Patienten zu behandeln – dabei kommen wir oft auch an die Grenzen des Machbaren. Bei manchen Patienten kann man ein Gesundwerden leider nicht mehr erreichen. Dann muss sich jeder Betroffene genau überlegen, was man nun als Mediziner in diesen Situationen für den Patienten tut. Hier kann die Palliativmedizin die Intensivmedizin sinnvoll unterstützen.

Viele Veranstaltungen zu ethischen Themen

Zu diesem Thema gibt es in der Leipziger Stadtbibliothek eine öffentliche Diskussionsveranstaltung. Was versprechen Sie sich davon?
Wir alle können von solch einer schwierigen Situation betroffen sein – oder einer unserer Angehörigen. Darüber einmal nachzudenken ist also sehr wichtig. Ich erhoffe mir, dass sich die Gäste der Veranstaltung anschließend näher mit den Themen Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht auseinandersetzen. Sicher können wir auch neue Erkenntnisse darüber vermitteln, wie menschlich und zugewandt es auf einer Intensivstation zugeht. Das ist vielleicht nicht das Bild, das die meisten Bürger haben.