Fachberufe im Gesundheitswesen

Digitalisierung bedeutet Wandel

Wie wirkt sich die Digitalisierung im Gesundheitswesen auf die Arbeitsbedingungen der Gesundheitsberufe aus? Mit dieser und weiteren Fragen befasste sich die Konferenz der Fachberufe im Gesundheitswesen.

Fachberufekonferenz

War das Berufsbild der MTLA früher vom mechanischen Abarbeiten der Laboraufträge geprägt, geht es heute um die Steuerung und Überwachung komplexer vollautomatisch ablaufender Prozesse. | Fotolia/contrastwerkstatt

Wie wirkt sich die Digitalisierung im Gesundheitswesen auf die Arbeitsbedingungen der Gesundheitsberufe aus, und welche Kompetenzen benötigen sie künftig für die Patientenversorgung? Mit diesen Fragen befasste sich die 29. Konferenz der Fachberufe im Gesundheitswesen bei ihrer Jahrestagung am 8. März im Haus der Bundesärztekammer (BÄK) in Berlin.

Der demografische Wandel mit der Zunahme chronischer Erkrankungen einerseits sowie die fehlenden personellen Ressourcen in allen Gesundheitsberufen andererseits „zwingen uns zu engerer Kooperation“, betonte Dr. med. Max Kaplan, Vize-Präsident der BÄK und Vorsitzender der Fachberufekonferenz. „Die Digitalisierung wird zu einer stärkeren Vernetzung der Patientenversorgung beitragen. Arztpraxen, Krankenhäuser, Apotheken und Gesundheitsfachberufe werden leichter und effizienter Informationen austauschen können“, erklärte Kaplan. Dadurch ergäben sich neue Formen der Zusammenarbeit zum Wohle des Patienten – mit entsprechend höheren Anforderungen an Interdisziplinarität und Teamorientierung.

Medica

Mehr als 5.000 Aussteller aus gut 70 Nationen präsentieren sich auf der Medica 2016 in Düsseldorf.

weiterlesen

Voraussetzung für den Nutzen der Digitalisierung sei aber, dass sich die neuen technischen Möglichkeiten ohne Reibungsverluste in die Arbeitsabläufe einfügen. Klar sei aber auch: „Unsere Berufsbilder werden sich ändern, und wir müssen uns darauf einstellen und dem auch gerecht werden“, so Kaplan. „Wir müssen uns einbringen und technische Lösungen mit dem notwendigen Fachwissen unterfüttern.“
Welche Möglichkeiten digitale Technologien im Versorgungsalltag für Patienten und Behandler bieten, verdeutlichte Prof. Dr. Sascha Sommer von der Hochschule für Gesundheit, Bochum, anhand der logopädischen Behandlung von Sprech- und Sprachstörungen. Die Anwendungen reichen ihm zufolge von einfachen Youtube-Videos etwa zur Visualisierung sprechmotorischer Abläufe bei Störungen der Aussprache bei Kindern bis zu ausgefeilten, evidenzbasierten Technologien wie der Kasseler Stottertherapie, die logopädische und verhaltenstherapeutische Aspekte verbindet und inzwischen auch als Internettherapie absolviert werden kann.

Ein weiteres Beispiel ist die Teletherapie bei Aphasiepatienten nach Schlaganfall über eine speziell entwickelte und evaluierte App, die ergänzend zur Präsenztherapie eingesetzt wird. Zu klären sei bei der Nutzung stets, welche Technologie wann für wen und in welchem Setting geeignet sei, sagte Sommer.

Patienten fordern Beratung zu Apps und Co. ein

Der Einsatz dieser innovativen Technologien verändert dabei die Beziehungen und Interaktionen zwischen Patienten und Behandelnden erheblich. Patienten erwarten inzwischen eine sachkundige Beratung durch Ärzte und Angehörige der Gesundheitsberufe zu medizinischen Apps und anderen E-Health-Angeboten, wie etwa den Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte.

So spielen Apps zum Beispiel in der Diabetes-Beratung und beim -Krankheitsmanagement zunehmend eine wichtige Rolle. Die Initiative dazu geht vor allem von den jüngeren Typ-1-Diabetes-Patienten aus, die Smartphones und Apps nutzen wollen, um den Alltag mit ihrer Erkrankung besser zu meistern. Derzeit ist der Markt der Gesundheits-Apps jedoch intransparent. Maßnahmen zur besseren Verbraucherorientierung sind aus Sicht der Fachberufekonferenz daher dringend vonnötenDie Transparenz bei der Datenverarbeitung und die Kontrolle der Nutzer über ihre eigenen Daten müssten gewährleistet sein.

Erste Ansätze zur Umsetzung dieser Forderung gibt es bereits: Im von der nordrhein-westfälischen Landesregierung geförderten Projekt „DiaDigital“ haben sich Verbände, Fachgesellschaften und Patientenvertretungen zusammengeschlossen, um Qualitätskriterien für vertrauenswürdige, fachlich hochwertige und nutzerfreundliche Diabetes-Apps zu entwickeln und entsprechende Anwendungen mit einem Gütesiegel zu kennzeichnen.