Eine der ältesten Infektionskrankheiten

Die Tuberkulose im Wandel der Zeit (Teil 1)

In der Zeit nach Christi Geburt gab es in Rom auch die Methodische Ärzteschule (circa 50 n. Chr.), die im Gegensatz zur Humoraltherapie die Ursache für Krankheiten in Veränderungen der festen Bestandteile des Körpers erblickte. Eine weitere unterschiedliche Lehre der Krankheiten vermittelte die ebenfalls zu Beginn unserer Zeitrechnung in Rom lehrende Pneumatische Schule, welche die Weltseele als alles durchdringendes Pneuma und die Ursache für Krankheiten in Pneuma-Anomalien sah. Mit dem Verfall des Römischen Reiches im 5. Jahrhundert gerieten die antike Kultur und ihre Medizin zu großen Teilen in Vergessenheit. Im erstarkenden Christentum begann der Wunderglaube verstärkt in die Heilkunde einzudringen.

Im frühen Mittelalter spielte die Tuberkulose in Europa aufgrund der dünnen Besiedelung eine untergeordnete Rolle. In Ballungsgebieten kam sie jedoch häufiger vor, dazu gehörte in erster Linie Byzanz. Die damaligen Tuberkuloseopfer stammten aus allen Klassen bis hin zu Angehörigen des Kaiserhauses. Die Therapie der Tuberkulose basierte auf dem Stand der hippokratischen Schriften und den Schriften des Arztes Galen. Krankheitsbild und Heilungsversuche änderten sich vom Mittelalter bis zum Ende des 17. Jahrhunderts in Analogie zu den Veränderungen der weltlichen und religiösen Anschauung.

Zunehmender Tierhandel und Tierverkehr

In diesem Zeitraum waren anfangs Bildung und Forschung auf vielen Gebieten in christlichen Klöstern konzentriert. Die Medizin war bis ins 12. Jahrhundert hinein eine reine Mönchsmedizin, anschließend wurde die „Klostermedizin“ durch die „scholastische Medizin“ abgelöst. Der Umgang mit Krankheiten war durch Aberglauben und religiöse Interpretationen geprägt. Krankheiten sah man als eine von Gott gesandte Strafe für begangene Sünden an. Ihre Ursachen wurden mangels Kenntnissen mit Zauberei und Hexerei erklärt, auch die Astrologie gewann wieder Einfluss auf die Medizin.

Im 11. und 12. Jahrhundert berichteten der Rabbiner Isaak Alsasi und der jüdische Arzt Maimonides von Tieren, die das „Schwinden“ hatten. Durch zunehmenden Tierhandel und Tierverkehr breitete sich im Mittelalter die Tuberkulose unter den Rinderbeständen aus. Die Begriffe des „unreinen“ und finnigen Fleisches tauchten schon in frühen mittelalterlichen Schlachtverordnungen auf. Ab dem 13. bis zum 18. Jahrhundert nahmen bei den Menschen die tuberkulösen Lymphknotenentzündungen zu, die häufig durch die Erreger der Rindertuberkulose verursacht wurden. Besonders verbreitet war dieses Leiden in Spanien, Italien und auf den Britischen Inseln.

Die Erfindung des Buchdruckes begünstigte eine schnelle Verbreitung des Wissens im 15. und 16. Jahrhundert. Mit der Zunahme der tuberkulösen Erkrankungen (besonders beim Menschen) wuchs auch die Anzahl von Schriften und Bücher, die sich damit beschäftigten. Die Veterinärmedizin im Mittelalter blieb empirisch, sie wurde oft von Hirten, Hufschmieden, Priestern und Mönchen ausgeübt.

Die eigentliche Lehre von der Tuberkulose

Die eigentliche Lehre von der Tuberkulose begann im 16. Jahrhundert. Zu dieser Zeit lösten sich die Wissenschaften aus der Dominanz der Kirche. Infolgedessen wurde die Anatomie als gleichberechtigte Wissenschaft angesehen. Den Anatomen war die Eigenart der Tuberkel bereits früh aufgefallen. Die Beziehung der Lungenerkrankung zu den Erkrankungen der serösen Häute (Perlsucht) blieb jedoch weiter lange Zeit unerkannt. 1679 tauchte in einer Veröffentlichung von Delboe erstmals der deskriptive Begriff „Tuberkel“ für die Lungenschwindsucht auf.