Projektgruppe 50 plus

Die Rolle der MTA in der Forschung

Die Aufgaben und die Rolle der MTA in der Forschung unterscheiden sich wesentlich von den Tätigkeiten einer MTA in der Routinediagnostik. Ein besonderes Maß an Selbstständigkeit, eigenverantwortliches, sorgfältiges Arbeiten sowie Kommunikationsfähigkeit und interdisziplinärer Austausch mit Kollegen prägen dieses Arbeitsfeld.

Die Rolle der MTA in der Forschung

Neu- und Altbau des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin im Hamburger Hafen. | © BNITM

Den Weg in die Forschung und die Arbeit dort möchte ich anhand meiner Tätigkeiten in der parasitologisch-histologischen Forschung darstellen, in der ich seit vielen Jahren tätig bin. Nach einer klassischen MTA-Ausbildung und einigen Jahren Tätigkeit in der pathologischen Routinediagnostik, die als Grundlage für die Forschungsarbeit sehr wichtig waren, wechselte ich in die histologisch-parasitologische Forschung.

Die Anforderungen und Tätigkeitsfelder einer MTA, die in der Forschung tätig ist, unterscheiden sich deutlich von den Tätigkeiten und Belastungen einer TA in der Routine. Schon im MTAG (MTA-Gesetz) wird postuliert, dass eine MTA nach der Ausbildung selbstständig und eigenverantwortlich arbeitet. In der Routinediagnostik versteht man hier das selbstständige Durchführen von etablierten Testverfahren unter der Hintergrundaufsicht eines Laborarztes oder eines anderen Mediziners. Eigenverantwortlich heißt, dass dabei gewissenhaft, präzise, zuverlässig und ehrlich gearbeitet wird, immer mit dem Blick auf das Wohl des Patienten, auf zuverlässige Resultate, die eine möglichst sichere Diagnose ermöglichen.

Die Arbeit in der Forschung ist im Vergleich zur Routinediagnostik in erster Linie durch eine sehr viel umfangreichere und tief greifendere Form der Selbstständigkeit geprägt. Außerdem ist sie durch weniger direkten Zeitdruck gekennzeichnet als die Arbeit in einem Routinelabor. In der Regel gibt es in der Abteilung oder Arbeitsgruppe ein Forschungsprojekt, an dem man beteiligt und für dessen Verlauf man als TA mitverantwortlich ist. Die Selbstständigkeit hat den Vorteil, dass man sich seine Arbeit und Arbeitszeiten in der Regel selber einteilen kann. Aber zum selbstständigen Arbeiten gehört auch, dass man sich selber organisiert, zielorientiert und sehr strukturiert arbeitet.

Es wird erwartet, dass man sich in das theoretische Hintergrundwissen zu einem Projekt autark einarbeitet, dabei überwiegend mithilfe englischsprachiger Literatur und Publikationen. Allein dies kostet Zeit und Sorgfalt, bis man gefunden hat, was gebraucht wird und oft muss man seine Recherche weit in angrenzende Themenbereiche ausweiten, um passendes Material und Methoden zu finden.

Die Auswahl, das Ausarbeiten und die an die aktuellen Anforderungen notwendigen Anpassungen der Verfahren der zum jeweiligen Thema passenden Testverfahren ist sehr aufwendig und in der Regel mit vielen Fehlversuchen und Rückschlägen verbunden, die man verkraften muss, ohne Geduld und Nerven zu verlieren und die man vor dem Chef oder Mitarbeitern vertreten muss. Oft gibt es in der Literatur und in anderen Forschungsgruppen nur Verfahren, die annähernd zum eigenen Test passen und diese Methoden müssen dann langwierig modifiziert werden, bis sie für das eigene Projekt geeignet sind. Und nicht immer gelingt es.

In meinem Arbeitsbereich der Immunhistochemie gibt es viele standardisierte Protokolle für den Einsatz von Standardantikörpern. Aber sobald man in einer anderen Spezies arbeitet oder mit Inhouse-hergestellten Antikörpern, hat man mit den Standardprotokollen nur einen groben Leitfaden und muss optimale Techniken, Verdünnungen, Vorbehandlungen et cetera passend zu den eingesetzten Antikörpern oder Spezies selbst entwickeln.

Die Entwicklung von Testverfahren erfordert sehr viel Sorgfalt. Eigene Ergebnisse und Versuchsverläufe müssen dabei immer wieder auf Plausibilität geprüft werden und alles muss genau und sorgfältig dokumentiert und protokolliert werden, um valide Resultate zu erzielen.

Außer Geduld und Nervenkraft braucht man hier umfangreiches und fundiertes chemisch-mathematisches und biologisches Wissen, um die Methoden abwandeln zu können. Um Berechnungen anzustellen und die chemisch-biologischen Vorgänge so zu verstehen, dass man Verfahren in der Form variieren kann, dass man mit ihnen arbeiten kann. Großes Interesse und sehr gute Kenntnisse in den MINT-Fächern sind also unabdingbar nötig in der Forschung. Eine Weiterbildung zur Biomedizinischen Fachanalytikerin oder Entsprechendes im jeweiligen Arbeitsbereich ist neben Erfahrung dabei meines Erachtens nach wichtig, um über ausreichendes Basiswissen zu verfügen.

Da in der Regel in der Forschung immer mit neuesten Methoden gearbeitet wird, ist es absolut erforderlich, sich durch regelmäßige Teilnahme an entsprechenden Fort- und Weiterbildungen konsequent und kontinuierlich weiterzubilden, um den methodischen Anforderungen gewachsen zu sein. Hierzu muss man bereit sein. Bei der Freude, viel Neues zu erlernen und für den Alltag in der Forschung notwendige Kontakte zu Kollegen zu knüpfen und zu pflegen, fällt dann doch das eine oder andere Wochenende zum Opfer. Und oft ist es nicht ganz einfach, Kosten erstattet und Mehrarbeitszeit ausgeglichen zu bekommen.

Wenn ein Projekt dann zu einem Ergebnis gekommen ist, wird dies in der Regel publiziert, wobei der methodisch-technische Teil dann auch von der betreffenden TA oft in Vorarbeit oder komplett formuliert wird, hier wieder in der Regel in englischer Sprache.

Das Besondere an der Arbeit in der Forschung ist auch der direkte und intensive Kontakt mit den Wissenschaftlern, Vorgesetzten und die Interaktion mit anderen Arbeitsgruppen. Das Einarbeiten und Anleiten von jungen Doktoranden und wissenschaftlichen Mitarbeitern erfordert Kompetenz, aber auch viel Fingerspitzengefühl und Durchsetzungsvermögen.

Die Rolle einer MTA in der Forschung ist daher sicher eine andere als in der Routine. Gespräche, Absprachen und auch Auseinandersetzungen mit den „übergeordneten“ wissenschaftlich tätigen Kollegen und Vorgesetzten erfordern wieder viel Fachwissen, um seine Standpunkte sicher vertreten zu können, aber auch die Fähigkeit zu erklären, zu argumentieren und kompromissbereit und konstruktiv mit anderen zusammenzuarbeiten.

In der Forschung muss man bereit sein, sich von den klassischen Tätigkeitsbereichen einer TA zu entfernen. Ich habe zum Beispiel an wissenschaftlich relevanten Obduktionen teilgenommen oder war mehrere Monate im Ausland tätig, um Material für die Forschungsprojekte zu sammeln. Hierbei waren wieder gute Englischkenntnisse, Belastbarkeit und der offene, kollegiale Umgang mit ausländischen Kollegen in einem Land mit Menschen anderer Mentalität nötig. Zum Erlernen von Methoden kann es notwendig sein, in einem anderen Institut zu hospitieren, gegebenenfalls auch im Ausland. Gerade im wissenschaftlichen Bereich hat man oft mit ausländischen Doktoranden, Stipendiaten, Wissenschaftlern und Kollegen zu tun, was wieder gute englische Sprachkenntnisse und Offenheit erfordert.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Arbeit in der Forschung sehr viel Spaß macht, da man in sehr großem Umfang selbstständig und eigenverantwortlich tätig ist, Erfolge sieht und miterlebt. Der Anspruch an unser Wissen und Können entspricht unserer interessanten und guten Ausbildung beziehungsweise Weiterbildung für BMFA. Leider wird meistens dieser anspruchsvollen Tätigkeit bisher weder in der Eingruppierung noch in der Anerkennung in den Institutionen und unter den Kollegen Rechnung getragen.

Aber wenn wir, Kollegen und Vorgesetzte, uns Gedanken machen, verstehen und nachvollziehen können, wie wichtig unsere Arbeit und unser technisches Know-how im Bereich der Forschung ist, kann das auch nur noch eine Frage von nicht allzu langer Zeit sein ...

„Ohne Forschung keine neuen Perspektiven,

ohne Forschung kein Fortschritt,

ohne Forschung keine Diagnostik,

ohne Forschung keine Therapie.“

 

Kontakt: eggert@bni-hamburg.de

 

Literatur

1.     https://www.mta-dialog.de/artikel/aufgaben-der-mta.html.
2.     https://www.mta-dialog.de/artikel/fachkraeftemangel-mta-berufe.html.
3.     https://www.wr.de/gesundheit/ohne-die-arbeit-der-mta-klappt-nichts-in-praxis-und-labor-id215597721.html.

 


Entnommen aus MTA Dialog 6/2019