Rezension

Die Resilienz aus verschiedenen Perspektiven betrachtet

Zahlreiche Studien zeichnen ein düsteres Bild: Jedes Jahr leidet etwa eine halbe Milliarde Menschen an einer Stresserkrankung. Im Jahr 2013 war die Depression die zweitwichtigste Ursache für Gesundheitsbeeinträchtigungen weltweit, Angsterkrankungen rangierten an neunter Stelle.

Die Resilienz aus verschiedenen Perspektiven betrachtet

„Dieses Buch ist kein Ratgeber.“ (Der Autor)

Der Mainzer Neurobiologe Raffael Kalisch beschäftigt sich seit seiner Studienzeit mit der Frage, wie man trotz Stress gesund, also resilient bleiben kann. Dabei wird deutlich: Von Resilienz-Seminaren und -Coaches hält Kalisch nicht viel und ganz ausdrücklich stellt er fest: „Dieses Buch ist kein Ratgeber.“ Die Resilienzforschung kann auch nicht den Weg zum Lebensglück weisen. Dennoch geht Kalisch davon aus, dass Resilienzforschung das Potenzial hat, die Verbreitung stressbedingter Erkrankungen zu reduzieren und „damit sehr vielen Menschen sehr zu helfen“. In dem lesenswerten Buch beleuchtet der Autor die Resilienz aus verschiedenen Perspektiven – der Hirnforschung sowie der psychologisch-sozialen und subjektiven Sichtweise. Er berichtet von resilienten Mäusen, vom sogenannten posttraumatischen Wachstum, von der Aktivität der Nervenzellen und zahlreichen weiteren Forschungsfeldern. Er weist aber auch auf die Gefahren hin, die möglicherweise von Resilienzforschung ausgehen können. Alles in allem ein auch für Laien gut verständlich geschriebenes Buch, das alles verrät, was man über die Schutz- und Selbstheilungskräfte von Geist und Gehirn wissen sollte, und das ganz nebenbei dann doch auch etwas Lebenshilfe bietet.

Der resiliente Mensch. Wie wir Krisen erleben und bewältigen, von Raffael Kalisch, 2017, Berlin Verlag, ISBN: 978-3-8270-1350-7, Preis: 22 Euro

 

Entnommen aus MTA Dialog 6/2017