Historie

Die Geschichte von Multipler Sklerose

Die ersten Berichte von Multipler Sklerose (MS) reichen weit zurück. Doch es dauerte lange, bis die Ursachen erkannt wurden. Einen Fortschritt bei der Diagnose brachte die moderne Bildgebung.

Multiple Sklerose: Gehirn mit typischen MS-Plaques

Multiple Sklerose: Gehirn mit typischen MS-Plaques | DGN/Dr. Carsten Lukas, Bochum

Zur Krankheit: Multiple Sklerose (MS) ist eine entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems (ZNS), von der das Gehirn und das Rückenmark betroffen sind und die im frühen Erwachsenenalter beginnt. Allgemeine Aussagen zum Krankheitsbild oder zum Therapieerfolg lassen sich nur bedingt machen, denn MS ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Je nachdem, welche Regionen des Gehirns bzw. des Rückenmarks betroffen sind, können unterschiedliche körperliche Beeinträchtigungen eintreten. Der Name „Multiple Sklerose“ kommt von dem Vorgang der Erkrankung selbst und bedeutet „mehrfache Verhärtung“.

Die Historie: Bereits Anfang des 15. Jahrhundert wurde einer der ersten Fälle von MS dokumentiert. Lidwina von Schiedam, eine 15-jährige Niederländerin aus Schiedam, stürzt beim Schlittschuhlaufen nach plötzlich auftretender Schwäche und bricht sich eine Rippe, das erste Anzeichen ihrer Erkrankung, die sich zunehmend verschlechtert und beide Beine lähmt.

Im frühen 19. Jahrhundert stellten der französische Anatom Jean Cruveilhier und der schottische Pathologe Robert Carswell MS bildlich dar. Sie beschrieben und illustrierten erstmalig die für MS typischen Läsionen des zentralen Nervensystems.

Als erster diagnostizierte Dr. Jean-Martin Charcot, Professor an der Universität von Paris, MS. In den 1860er Jahren behandelte er eine Frau, die an starkem Zittern und Sprachstörungen litt. Nach ihrem Tod fand Charcot Ablagerungen in ihrem Gehirn, bezeichnet hat er diese mit „sclerose en plaques“. Nach Abgleichungen mit seinen Beobachtungen, stellte er MS als eigenständige Krankheit fest.

Entdeckung des Myelin

Myelin umhüllt die Nervenfortsätze und schützt diese vor Schädigungen. Bei MS-Patienten ist das Myelin geschädigt, körpereigene Zellen (Lymphozyten, Makrophagen) greifen dabei die Nervenfasern und/oder die Nervenzellen an. Der französische Wissenschaftler Dr. Louis-Antoine Ranvier fand dies 1878 heraus. Er prägte den Begriff Myelin. Als Erstentdecker des Myelin  gilt jedoch Rudolf Virchow (1854). Dr. James Dawson gelang es dann 1916, die Myelinschädigungen und die Entzündungen der Blutgefäße im Gehirn zu beschreiben. Demnach sammeln sich die körpereigenen Zellen an verschiedenen Zellen im ZNS, dort dringen sie ein und zerstören das eigentlich gesunde Myelin (Demyelinisierung). Durch die Zerstörung des Myelins bilden sich entzündliche Läsionen, wie schon von Dr. Jean-Martin Charcot in den 1860er Jahren festgestellt hatte. In diese entzündeten Regionen dringt umliegendes Bindegewebe ein, wodurch die Läsionen vernarben. Durch die Narben wird die Informationsübertragung gestört, Informationen werden verzögert weitergeleitet und Befehle können nur zum Teil oder gar nicht ausgeführt werden.

MS keine Viruserkrankung

Neue Forschungserkenntnisse schaffte der amerikanische Forscher Dr. Thomas Rivas, der 1933 schließlich beweisen konnte, dass MS keine Viruserkrankung ist. Im Tiermodell injizierte er physiologisches Myelin, damit werden MS-typische Symptome (z.B. Spastik und Lähmungen) ausgelöst. Diese Form der Krankheit ist MS sehr ähnlich und wird experimentelle allergische Enzephalomyelitis (EAE) genannt.

Dr. Catharina Groß, Prof. Heinz Wiendl, Dr. Andreas Schulte-Mecklenbeck

Neuroimmunologen und Neuropathologen aus Münster und München haben entdeckt, was genau im Körper bei der Multiplen Sklerose (MS) falsch läuft. Sie zeigten auch: Es gibt eine Therapie für die schubförmige MS, die geradezu maßgeschneidert ist, um das Defizit zu beheben.

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Rolle der T-Zellen

1959 entdeckte der amerikanische Neuroimmunologe Dr. Phillip Paterson die Rolle von T-Zellen bei MS. T-Zellen sind an der EAE beteiligt. Wenn diese Immunzellen durch Injektion von einem Tier auf das andere transferiert werden, überträgt sich die Erkrankung. In den 1960er Jahren wurde festgestellt, dass auch die B-Zellen eine Rolle bei MS spielen. Die B-Zellen sind ebenfalls ein Immunzelltyp und befinden sich in der Zerebrospinalflüssigkeit. Während der 1960er und 1970er Jahren wurde – nach Erkenntnissen der T- und B-Zellen - die Rolle des Immunsystems weiter erforscht, wodurch bestätigt wurde, dass MS eine immunvermittelte Erkrankung ist.