Ein technisches Wunderwerk erobert die Welt

Die Geschichte des Cochlea-Implantats

Der entscheidende Durchbruch gelang 1978 Professor Graeme Clark (Universität Melbourne, späterer Gründer des Unternehmens Cochlear Limited, s. Bild). Er implantierte ein mehrkanaliges intracochleäres System mit transkutaner Übertragung und tragbarem Sprachprozessor. Dieses implantierte CI ermöglichte dem damaligen Träger Rod Saunders wieder zu hören. Dieses von Clark neu entwickelte Cochlea-Implantat legte den Grundstein für die kommenden bahnbrechenden Innovationen. Im Jahr 1980 ermöglichte der technische Fortschritt den ersten Audioprozessor, der am Körper getragen werden konnte. 1991 kam aufgrund der kontinuierlichen technischen Weiterentwicklung der weltweit erste Sprachprozessor auf den Markt, welcher hinter dem Ohr getragen werden konnte. Im Jahr 1984 begannen Professor Lehnhart und Professor Laszig an der Medizinischen Hochschule in Hannover, CI-Modelle zu implantieren.

In den folgenden Jahren wurde das CI technisch weiterentwickelt. Diese Weiterentwicklung brachte immer leistungsfähigere CIs auf den Markt (Erhöhung der Daten- und Stimulationsrate; schneller und tongenauer). 1987 erhielt weltweit das erste Kind ein CI, die damals vierjährige Holly McDonnell. Im Laufe der Zeit wurde auch die in die Cochlea einzuführende Elektrode weiterentwickelt. Sie wurde zum Beispiel deutlich flexibler, um sie schonender einbringen zu können und möglichst viel Restgehör zu erhalten. Hier gibt es inzwischen unterschiedliche Längen für verschiedene anatomische Gegebenheiten und unterschiedliche Versorgungsstrategien. Auch im Bereich des Audioprozessors wurde weiterentwickelt, sodass dieser immer kleiner wurde, über Fernbedienungen zu bedienen ist und sogar Spule und Prozessor in einem Gerät vereint werden können (Rondo, MED-EL), sodass das Ohr komplett frei bleiben kann. Die heutigen Cochlea-Implantate bieten durch 22 Kanäle die Möglichkeit, eine Vielzahl von Tonhöhen mit bis zu 161 Zwischenhöhen zu unterscheiden, sodass eine Wahrnehmung von gesprochenem Wort und Musik auf eine natürliche Art und Weise ermöglicht wird.

2005 wurde das erste elektrisch-akustische Hörsystem (EAS) eingeführt. Diese technische Weiterentwicklung ermöglicht das Hören über eine Kombination von CI und Hörgerät. Die Audiosignale werden auf zwei Wegen an das Gehirn weitergeleitet, zum einen akustisch (mittels des Hörgerätes) und zum anderen elektrisch (mittels CI). Die tiefen Frequenzen werden über das Hörgerät lediglich verstärkt, während hohe Frequenzen durch das CI hörbar gemacht werden. Im Jahr 2005 kam ebenso das erste wasserdichte System auf den Markt. Die andauernde technische Weiterentwicklung ermöglicht inzwischen auch eine bimodale Versorgung, das heißt eine Zusammenarbeit von CI auf dem einen Ohr und Hörgerät auf dem anderen Ohr. Aus dem experimentellen Versuch der Implantation eines CI ist im Laufe der Zeit ein Routineeingriff geworden, der von gut ausgebildeten Chirurgen durchgeführt wird und schon im Säuglingsalter erfolgen kann. Die Vision, gehörlosen Menschen das Hören wieder zu ermöglichen, ist Realität geworden.

Literatur:

1. Matheis V, Facius A: Von der Vision bis heute. Spektrum Hören 4, 2016; Median Verlag.
2. www.informatik.uni-oldenburg.de
3. www.medel.com
4. www.cochlear.com
5. Seitz PR: French origins of the cochlear implant. Cochlear Implants Int. 2002 Sep; 3 (2): 77–86.
6. www.wikipedia.org

Dieser Beitrag ist der MTA Dialog 04/2017 entnommen.


Weitere Informationen zum Thema CI:

Ein Video zur Funktionsweise CI.

Ein Video zur Funktionsweise EAS.

Erfahrungsberichte zum Thema CI.