Experten im Gespräch

Die Fachambulanz auditiv-verbale Therapie Berlin

Begleitung bei der Entscheidungsfindung

Was ist, wenn das Kind auch mit dem Hörgerät nichts hört?

Hamann: Ja, es gibt auch Kinder, bei denen die Hörgeräte nicht für eine altersentsprechende lautsprachliche Kommunikationsentwicklung ausreichend sind. Wenn bei einem Kind gar keine Höreindrücke ankommen, kann es natürlich auch nicht über das Hören lernen zu sprechen. Dann helfen wir den Eltern, andere Ansprechpartner zu finden. In so einem Fall können die Eltern sich für ein Cochlea-Implantat entscheiden oder zur Gebärdensprache als Kommunikationsmittel wechseln. Wir begleiten die Eltern da bei der Entscheidungsfindung: können Kontakte herstellen, über verschiedene Möglichkeiten diskutieren, uns vor allem ihre Sorgen anhören, beraten und begleiten.  Die Entscheidung können wir den Eltern letztlich nicht abnehmen, diese müssen die Eltern entsprechend ihren Vorstellungen, Wünschen und Möglichkeiten treffen.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den behandelnden Ärzten?

Hamann: Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist natürlich auch ein sehr wichtiger Faktor der Auditiv-Verbalen Praxis. Wir haben ein großes Netzwerk an Ärzten, die sich besonders auf Kinder mit Hörschädigungen spezialisiert haben.   Außerdem spielen natürlich auch Hörgeräteakustiker, Techniker und Ingenieure, andere Therapeuten und die Kitas eine wichtige Rolle.

Wie ist denn die Sprachentwicklung über das Hören von der Technik abhängig?

Hamann: Die Kinder sprechen das, was und wie sie hören.  Die optimale Technik ist in allen Wachzeiten des Kindes zu tragen. Ein Kind benötigt in den ersten 5 Lebensjahren durchschnittlich 20.000 Stunden optimale Hörerfahrung, damit die Hörbahn und die entsprechenden Zentren optimale Entwicklungschancen haben. Therapie und technische Versorgung sind immer eine Einheit.

Transparenz und Vertrauen

Was für Erfahrungen machen Sie bei der Zusammenarbeit mit den Eltern?

Hamann: In der AVT ist ein therapeutisches Arbeiten ohne Eltern nicht vorstellbar. Wir machen in der Regel sehr gute Erfahrungen. Die Familien sind vor allem dankbar und froh, wenn sie aktiv etwas tun können, ihnen jemand zuhört. Wir haben uns auf dem Gebiet Beratungskompetenz weitergebildet, um da auch wirklich Unterstützung zu bieten. Sobald die Eltern eine Perspektive, einen Plan und den sogenannten roten Faden haben, wie sie mit der Situation umgehen können und vor allem was sie aktiv tun können, geht es den Eltern auch besser - und dann können sie sich auch wieder besser auf ihr Kind einlassen. Sehr wichtig sind Transparenz und Vertrauen. Eine Familie formulierte es so: ...“für uns ist der Therapietermin wie ein kleiner Urlaub, wo wir neue Kraft schöpfen können.“ Das ist für uns natürlich eine tolle Bestätigung.

Was planen Sie für die Zukunft?

Hamann: Wir sind als Praxis in Deutschland relativ einzigartig – toll ist natürlich, dass wir hier in Berlin von der Senatsverwaltung Bildung, Jugend und Wissenschaft finanziert werden. Allerdings dürfen wir deshalb auch nur Berliner Familien betreuen. Wir haben jetzt einzelne Verträge mit Landkreisen in Brandenburg geschlossen – deshalb können wir uns jetzt auch um Familien kümmern, die dort wohnen. Das war vorher auch ein ethisches Problem, dass wir Familien ablehnen mussten, weil sie auf der „falschen“ Seite der Landesgrenze wohnen. Das Helios-Klinikum Berlin-Buch stellt uns seit Jahren die Räume zur Verfügung. Wir würden gern ein interdisziplinäres Zentrum für Hören, Sprache und Kommunikation aufbauen. Dort soll es dann alles unter einem Dach geben – sodass wir ganz intensiv mit den Familien arbeiten können, die es sonst nicht so leicht im Alltag haben oder die von weither kommen Wir werden weiter daran arbeiten, den auditiv-verbalen Therapieansatz für mehr Familien zugänglich zu machen.

 

Die Fachambulanz für Auditiv-Verbale Therapie hat ihre Räume im Helios-Klinikum Berlin-Buch. Trägerverein ist der Arbeitskreis für Auditiv-Verbale Praxis e.V., der 1996 gegründet wurde. In dieser Form ist die Ambulanz deutschlandweit einzigartig.

Mehr Infos: www.fa-avt.de, Kontakt: kontakt@fa-avt.de