Historisches

Die Entwicklung der MTA-Ausbildung unter besonderer Berücksichtigung von Jena

Änderungen in der MTA-Ausbildung nach der deutschen Wiedervereinigung mit einer kurzen Darstellung der bis dahin geltenden Ausbildungsrichtlinien in den alten Bundesländern

Die Ausbildung in den alten Bundesländern erfolgte bis zur deutschen Wiedervereinigung auf der Grundlage des „Gesetzes über technische Assistenten in der Medizin (MTA-G)“ vom 8. September 1971. Das Gesetz trat am 1. Juli 1972 in Kraft.[68] Es galt für die Fachrichtungen medizinisch-technische(r) Laboratoriumsassistent(in), medizinisch-technische(r) Radiologieassistent(in) und veterinärmedizinisch-technische(r) Assistent(in).[69] Die Ausbildung dauerte zwei Jahre und schloss mit einer staatlichen Prüfung ab.[70] Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes von 1971 wurden gleichzeitig das „Gesetz über die Ausübung des Berufs der medizinisch-technischen Assistentin“ vom 21. Dezember 1958 [71] und das „Gesetz zur Änderung des Gesetzes über die Ausübung des Berufs der medizinisch-technischen Assistentin“ vom 18. Juli 1961 [72] außer Kraft gesetzt.[73] 

Das Gesetz von 1958 hatte eine mindestens zweijährige Ausbildung mit anschließender staatlicher Abschlussprüfung vorgesehen.[74] Die Erlaubnis zur Führung der Berufsbezeichnung „medizinisch-technische Assistentin“ wurde nach Absolvierung der o. g. Ausbildung und einer sechsmonatigen praktischen Tätigkeit erteilt.[75] Das Gesetz trat am 1. Juli 1959 in Kraft.[76]

Das 1971 erlassene MTA-Gesetz entsprach, wie man einem „Spiegel“-Artikel von 1970 entnehmen kann, nicht den Vorstellungen der in der Gesundheitsfürsorge arbeitenden Personen. So zitierte der Artikel u. a. das „Deutsche Ärzteblatt“, das in dem Gesetzesentwurf eine „erhebliche gesundheitliche Gefährdung“ der Bevölkerung sah und auch der „Deutsche Verband technischer Assistentinnen und Assistenten“ konnte in dem Entwurf keine Verbesserung der MTA-Ausbildung erkennen. Zu diesem Zeitpunkt bestand in den alten Bundesländern die Möglichkeit, sich an 58 Lehreinrichtungen, davon jede dritte privat geführt, zur MTA ausbilden zu lassen. Die Qualität dieser Einrichtungen wurde jedoch als mangelhaft bewertet. Ebenfalls kritisiert wurde die Tatsache, dass das zulässige Mindestalter für den Beginn der Ausbildung von 18 auf 16 Jahre abgesenkt werden sollte.[77] Im Gesetz von 1971 wurde dann als Zulassungsbedingung tatsächlich der Realschulabschluss oder eine gleichwertige Ausbildung festgelegt.[78]

Durch die deutsche Wiedervereinigung wurden Neuregelungen für die Ausbildung zur MTA notwendig, da die Ausbildungsinhalte und -dauer in den alten und neuen Bundesländern voneinander abwichen. In den alten Bundesländern dauerte die Ausbildung nur zwei Jahre und nicht drei Jahre, wie in den neuen Bundesländern. Darüber hinaus gehörte zur MTA-Ausbildung in den alten Bundesländern auch die Fachrichtung Veterinärmedizin. Es gab dort theoretischen und praktischen Unterricht, aber keine praktische Ausbildung in der Art, wie sie in der DDR vermittelt worden war. Daher wurde am 2. August 1993 das „Gesetz über die Berufsausübung als technischer Assistent/technische Assistentin in der Medizin (MTA-G)“ erlassen, das vier Fachrichtungen, nämlich Radiologie, Laboratoriumsmedizin, Funktionsdiagnostik und Veterinärmedizin vorsieht.[79] 

Mit diesem Gesetz wurde zum einen die bis dahin nur in der DDR ausgebildete Fachrichtung Funktionsdiagnostik als Teil der MTA-Ausbildung anerkannt, zum anderen erhielten die MTA das Recht der selbständigen Berufsausübung. Die Ausbildungsdauer wurde einheitlich auf drei Jahre festgelegt. Neben Unterricht in Theorie und Praxis, hat auch eine praktische Ausbildung zu erfolgen.[80]

Der Beruf des Audiologie-Phoniatrie Assistenten wurde nach der deutschen Wiedervereinigung nicht als Ausbildungsberuf übernommen, da in den Altbundesländern der Beruf des Logopäden ausgebildet wurde. Der Bereich Phoniatrie ging in das Berufsbild des Medizinisch Technischen Assistenten für Funktionsdiagnostik [81] als Audiologische Funktionsdiagnostik [82] ein.

Die MTLA führen laboratoriumsmedizinische Untersuchungen für die Fachgebiete Hämatologie, Histologie/Zytologie, Klinische Chemie und Mikrobiologie durch.[83] Die MTRA sind im Bereich der Röntgendiagnostik, Strahlentherapie, Nuklearmedizin sowie Strahlenphysik und Dosimetrie tätig.[84] Die MTAF sind ausgebildet für die Funktionsdiagnostik auf den Gebieten von Neurophysiologie, Audiologie, Kardiologie und Pneumologie.[85] Die VMTA befassen sich mit  laboratoriumsmedizinischen Untersuchungen auf den Gebieten der Tiermedizin und Lebensmittelanalytik.[86] 

War der Beruf der MTA einst ein reiner Frauenberuf, so sind heute auch Männer als MTA im Gesundheitswesen tätig. Die MTA in Deutschland sind in einem Berufsverband, dem DVTA (Dachverband für Technologen/-innen und Analytiker/-innen in der Medizin Deutschland e.V.) organisiert.[87] Er vertritt die Interessen der Medizinisch-technischen Laboratoriumsassistentinnen (MTLA), der Medizinisch-technischen Radiologieassistentinnen (MTRA), der Medizinisch-technischen Assistentinnen für Funktionsdiagnostik (MTAF) und der Veterinärmedizinisch-technischen Assistentinnen (VMTA).

1. Universitätsarchiv Jena (UAJ), Bestand Medizinische Fachschule Jena (MEFA), Nr. 256, Bl. 146
2. Schulchronik: 50 Jahre Staatliche Berufsbildende Schule für Gesundheit und Soziales in Jena (ehemalige Medi-zinische Fachschule). 90 Jahre Ausbildung Medizinisch-Technischer Assistenten in Jena, Jena, 2002, S. 11
3. Staatliche Berufsbildende Schule für Gesundheit und Soziales Jena (Hrsg.): 80 Jahre MTA-Ausbildung in Jena. 1912 MTL-MTR 1992, Jena, 1993, S. 7.
4. UAJ, MEFA, Nr. 256, Bl. 146
5. UAJ, MEFA, Nr. 256, Bl. 147
6. UAJ, MEFA, Nr. 256, Bl. 146
7. UAJ, MEFA, Nr. 256, Bl. 199 = „Denkschrift zur Ausbildung der technischen Assistentinnen an medizinischen Instituten. Die Röntgenassistentin“, überreicht durch den Bund der Organisationen Technischer Assistentinnen, Botawi, Berlin, 12 Seiten (Bl. 198-203 in der Akte)
8. UAJ, MEFA, Nr. 256, Bl. 204: Sonderabdruck aus der Deutschen Medizinischen Wochenschrift Nr. 10 von 1924, Beitrag: „Zur Frage der ‚Technischen Assistentinnen‘“ von Prof. August Gärtner, Jena
9. Schulchronik (2002), S. 11
10. UAJ, MEFA, Nr. 256, Bl. 147
11. Jacobsthal, E.: Zur Stellung und Ausbildung der technischen Assistentinnen in Krankenhäusern. In: Zeitschrift für das gesamte Krankenhauswesen, Heft 17/1930, Julius Springer Verlag Berlin und Wien, 1930, S. 478-481, hier: S. 478
12. UAJ, MEFA, Nr. 256, Bl. 27
13. UAJ, MEFA, Nr. 256, Bl. 24v
14. UAJ, MEFA, Nr. 256, Bl. 147
15. UAJ, MEFA, Nr. 256, Bl. 22v
16. UAJ, Bestand C (Kuratelverwaltung), Nr. 786, Schreiben vom 12.3.1940, unpaginiertes Schriftstück
17. UAJ, MEFA, Nr. 256, Bl. 147
18. „Lehranstalt für Techn. Assistentinnen im neuen Gewand. Der Neubau an der Neugasse – ein Schmuckstück in der Reihe der Jenaer Institute. In: Thüringische Gauzeitung/Jenaer Nachrichten, 22.6.1938
19. UAJ, C, Nr. 786, Schreiben vom 4.12.1939, unpaginiertes Schriftstück
20. UAJ, MEFA, Nr. 256, Bl. 8
21. Reichsgesetzblatt, Teil I, Nr. 32 vom 22.2.1940, S. 371-378 (Erste MGAV) und S. 378-381 (Zweite MGAV)
22. Erste MGAV, § 6, Abs. 4 und § 15 Abs. 1
23. UAJ, MEFA, Nr. 256, Bl. 22
24. UAJ, MEFA, Nr. 256, Bl. 42f
25. Reichsministerialblatt der inneren Verwaltung, 1944, Nr. 38, S. 916 ff
26. Zum Inhalt des Runderlasses vgl.: Arias, Ingrid (Hrsg.): Im Dienste der Volksgesundheit. Frauen-Gesundheitswesen-Nationalsozialismus, Verlagshaus der Ärzte Wien, 2006, S. 226
27. UAJ, MEFA, Nr. 256, Bl. 42
28. UAJ, C, Nr. 786, unpaginiertes Schriftstück
29. UAJ, C, Nr. 787, Schreiben vom 14.12.1945, unpaginiertes Schriftstück
30. UAJ, C, Nr. 787, Protokoll vom 3.5.1946, unpaginiertes Schriftstück
31. UAJ, MEFA, Nr. 256, Bl. 14f
32. UAJ, C, Nr. 787, Schreiben vom 3.11.1947,unpaginiertes Schriftstück
33. UAJ, MEFA, Nr. 256, Bl. 14
34. UAJ, MEFA, Nr. 256, Bl. 16
35. UAJ, Bestand D (Personalakten), Nr. 3449
36. Verron, Günter: „Die Entwicklung der Ausbildungsmöglichkeiten für das mittlere medizinische Personal an der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg“. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Universität Halle, Heft 3/1967, S. 393-400, hier: S. 396f
37. Verron, S. 396
38. veröffentlicht im Gesetzblatt der DDR, Teil II, Nr. 49, vom 2. August 1961, S. 319f
39. Gesetzblatt der DDR, Teil II, Nr. 49, S. 319; vgl. hierzu auch: UAJ, Bestand L (Medizinische Fakultät), Nr. 726, Bl. 74
40. UAJ, L, Nr. 726, Bl. 59-67, hier Bl. 59 und 67
41. UAJ, L, Nr. 726, Bl. 60
42. UAJ, L, Nr. 726, Bl. 45
43. Spaar, Horst (Hrsg.): Dokumentation zur Geschichte des Gesundheitswesens der DDR. Teil V, Eigenverlag, Berlin, 2002, S. 19
44. www.mta-magdeburg.de/dat/Geschichten/Geschichte-der-Ausbildung.html (abgerufen am 25.10.2017)
45. Gesetzblatt der DDR, Teil 1, Nr. 27/1974 vom 10. Juni 1974, S. 270; vgl. hier: § 1
46. Spaar (2002), S. 19
47. Spaar (2002), S. 20
48. Schulchronik (2002), S. 13
49. Zentralstelle für Lehr- und Organisationsmittel des Ministeriums für Hoch-und Fachschulwesen, Zwickau (Hrsg.): Fachschulberufe, Teil 3, 1982, S. 22-26, 29-30
50. vgl. hierzu die Nennung der Ausbildungsstätten für die einzelnen Fachrichtungen in Fachschulberufe (1982), S. 26 und S. 30; Da in Jena alle vier Fachrichtungen angeboten wurden, reichte ein Vergleich der Einrichtungen, die Audiologie-Phoniatrie-Assistenten und Medizinisch-technische Assistenten für Funktionsdiagnostik ausbilde-ten. In beiden Fällen gab es außer der Jenaer Fachschule keine weitere Bildungseinrichtung, die beide Ausbil-dungsrichtungen gleichzeitig im Angebot hatte.
51. Fachschulberufe (1982), S. 26: Dieses Lehrgebiet ist unter den Lehrgebieten für die Fachrichtung Audiologie-Phoniatrie-Assistent nicht aufgeführt, dafür aber das eigene Lehrgebiet kulturelle Betreuung des kranken Men-schen.
52. Fachschulberufe (1982), S. 23, 24 und 30
53. Fachschulberufe (1982), S. 23
54. Fachschulberufe (1982), S. 23
55. Fachschulberufe (1982), S. 24
56. Fachschulberufe (1982), S. 25
57. Fachschulberufe (1982), S. 26
58. Fachschulberufe (1982), S. 26
59. Fachschulberufe (1982), S. 30
60. Fachschulberufe (1982), S. 30
61. Spaar (2002), S. 22
62. Spaar (2002), S. 169; vgl. hierzu: „Anweisung Nr. 1 vom 8. Februar 1981 zur Anordnung über die Weiterbil-dung der medizinischen Fachschulkader“, veröffentlicht in: Verfügungen und Mitteilungen des Ministeriums für Gesundheitswesen, Nr. 4/1981, S. 59
63. Spaar, Horst (Hrsg.): Dokumentation zur Geschichte des Gesundheitswesens der DDR, Teil VI., Eigenverlag, Berlin, 2003, S. 126
64. Stöcker, Gertrud: Bildung und Pflege. Eine berufs- und bildungspolitische Standortbestimmung, Schlütersche GmbH & Co. KG, Hannover, 2002,  S. 28
65. UAJ, MEFA, Nr. 256, Bl. 102: Schulprospekt, undatiert; Erscheinungsdatum 1988 (ermittelbar anhand der Druckgenehmigungsnummer)
66. Schulprospekt der Staatlichen Berufsbildenden Schule für Gesundheit und Soziales Jena „IMPRESSIONEN Stadt Jena“, undatiert, ca. 2004, S. 3
67. www.mefa.jena.de/index.php (Schul-Webpage, abgerufen am 18.10.2017)
68. Bundesgesetzblatt Teil I, Nr. 93 vom 10.9.1971, S. 1515-1519
69. MTA-G von 1971, § 1
70. MTA-G von 1971, § 2, Abs. 3
71. Bundesgesetzblatt Teil I, Nr. 47 vom 24.12.1958, S. 981-984
72. Bundesgesetzblatt Teil I, Nr. 53 vom 22.7.1961, S. 1011
73. MTA-G von 1971, § 19
74. Gesetz von 1958, §§ 8 und 9
75. Gesetz von 1958, §§ 2 und 10
76. Gesetz von 1958, § 21
77. „Der Spiegel“, Nr. 31/1970, S. 118-119 (Beitrag: MTA-Ausbildung. Unbill für Ärzte); hier: S. 118
78. MTA-G von 1971, § 7 Abs. 2
79. Hartmann, Tina; Kahl-Scholz, Martina; Vockelmann; Christel (Hrsg.): Fachwissen MTRA. Für Ausbildung, Studium und Beruf, Springer Verlag Berlin Heidelberg, 2014,  S. 6
80. Hartmann …, S. 8f
81. www.baa-audiologie.de/geschichte-des-baa/ (abgerufen am 27.10.2017)
82. dvta.de/mta-werden/mtaf-medizinisch-technische-assistentinnen-fuer-funktionsdiagnostik (abgerufen am 27.10.2017)
83. dvta.de/mta-werden/mtla-medizinisch-technische-laboratoriumsassistentinnen (abgerufen am 27.10.2017)
84. dvta.de/mta-werden/mtra-medizinisch-technische-radiologieassistentinnen (abgerufen am 27.10.2017)
85. dvta.de/mta-werden/mtaf-medizinisch-technische-assistentinnen-fuer-funktionsdiagnostik (abgerufen am 27.10.2017)
86. dvta.de/mta-werden/vmta-veterinaermedizinisch-technische-assistentinnen (abgerufen am 27.10.2017)
87. dvta.de (abgerufen am 27.10.2017)

Dieser Beitrag ist die Langfassung des Artikels aus der MTA Dialog 02/2019.