50. Wissenschaftliche Tagung

Deutschsprachige Mykologische Gesellschaft

Seit ihrer Gründung im Jahr 1961 setzt sich die Deutschsprachige Mykologische Gesellschaft (DMykG) nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern auch international für die wissenschaftliche Entwicklung der medizinischen und veterinärmedizinischen Mykologie ein

Deutschsprachige Mykologische Gesellschaft

© Ursula Brett

 Auf der diesjährigen 50. Jahrestagung vom 8. bis 10. September in Essen, dem Gründungsort der DMykG, konnten rund 200 Teilnehmer begrüßt werden. Zum ersten Mal ist gemeinsam mit der Niederländischen Mykologischen Vereinigung ein breitgefächertes Programm unter der Leitung von Prof. Dr. med. Peter-Michael Rath, Leiter der Mykologie am Institut für Medizinische Mikrobiologie am Klinikum Essen der Universität Duisburg-Essen, und seinem Team erstellt worden. Pilzerkrankungen sind eine zunehmende Herausforderung für alle Fachbereiche der Medizin

Nach letzten Schätzungen sind mehr als zehn Millionen Menschen (circa neun Prozent der Bevölkerung) in Deutschland an einer Pilzinfektion erkrankt. Das Spektrum der durch Pilze ausgelösten Erkrankungen umfasst oberflächliche Infektionen der Haut und Schleimhäute, akute und chronische Infektionen vorwiegend des Respirationstraktes bis hin zu schweren septischen Infektionen mit einer Sterblichkeitsrate von 30 bis 50 Prozent.

Die Jubiläumsveranstaltung präsentierte aktuelle Forschungsergebnisse aus dem gesamten Spektrum der Mykologie. Angesprochen wurden Dermatologen, Hämatologen, Onkologen, Internisten, Pädiater, Gynäkologen, Mikrobiologen, Veterinärmediziner, Umweltmediziner und Grundlagenforscher. In zwölf Sessions referierten international führende Forscher zu Grundlagen der Genetik, der zellulären Abwehr, zur Virulenz von Spross-, Schimmelpilzen und Dermatophyten. In weiteren Vorträgen vermittelten namhafte Wissenschaftler und Kliniker Wissenswertes zur Epidemiologie, der kulturellen Diagnostik und dem Antigennachweis von Pilzinfektionen. Zu den wissenschaftlichen Schwerpunkten der Tagung gehörten Pilzinfektionen bei Mukoviszidose-‧Patienten, neue antimykotisch wirksame Substanzen und Resistenzursachen von klinisch relevanten Pilzerregern.

Pilzinfektionen bei Mukoviszidose

Zusätzlich zu den bakteriellen Infektionserregern werden vermehrt aus respiratorischen Untersuchungsproben auch Spross- und Schimmelpilze isoliert. Der Respirationstrakt von Patienten mit cystischer Fibrose (CF) ist bis zu 75 Prozent mit Sporen von Candida spp. besiedelt. Dabei handelt es sich zu 80 Prozent um C. albicans gefolgt von C. glabrata als zweithäufigste Candida-Spezies. Weitaus seltener werden C. tropicalis, C. krusei, C. parapsilosis und andere Spezies nachgewiesen. Neben Sprosspilzen werden auch zunehmend Schimmelpilze als Krankheitserreger isoliert. Aspergillus fumigatus ist der häufigste Schimmelpilz, der bei CF-Patienten diagnostiziert wird. Je älter der Patient ist, umso häufiger wird A. fumigatus isoliert. 30 Prozent der CF-Patienten sind mit A. fumigatus kolonisiert.

Bis zu zehn Prozent der Patienten erkranken ab dem zweiten Lebensjahrzehnt an einer allergischen bronchopulmonalen Aspergillose. Scedosporium apiospermum, in der Regel ein völlig harmloser Pilz für den gesunden Organismus, ist der zweithäufigste Schimmelpilz, der bei CF-Patienten zur Infektion führt. Die Prävalenz wird mit fünf Prozent in Deutschland angegeben. S. apiospermum kommt im Erdreich und in Gewässern vor. Infektionen erfolgen wie auch bei A. fumigatus durch Inhalation der Sporen von S. apiospermum, seltener nach Aspiration von kontaminiertem Wasser (Fast-Ertrinkungsfall).

Transplantierte Patienten, die mit S. apiospermium und S. prolificans besiedelt sind, sterben bis zu 50 Prozent innerhalb des ersten Jahres nach Transplantation. Exophiala dermatitidis, auch unter der Bezeichnung „Schwarze Hefe“ bekannt, ist ein thermophiler Pilz, der überall dort anzutreffen ist, wo ein feuchtwarmes Milieu herrscht, zum Beispiel in Saunen, Dampfbädern, Luftbefeuchtern, Bewässerungsanlagen und auch in Spülmaschinen. CF-Patienten sind zu fünf bis zehn Prozent mit E. dermatitidis kolonisiert. Als weiterer potenziell pathogener Schimmelpilz ist Rasamsonia argillacea zu erwähnen, der zum ersten Mal 2006 beschrieben wurde und in den letzten Jahren vermehrt bei der cystischen Fibrose nachgewiesen wird.

Therapie

Welche antimykotischen Resistenzentwicklungen werden beobachtet? Welche Konsequenzen hat die Azolresistenz bei A. fumigatus für die Therapie? Welche Antimykotika sollten wann ausgetestet werden? Wann ist eine Plasmaspiegelbestimmung sinnvoll? Diese Fragen führten zu lebhaften Diskussionen. Fünf Symposien der Industrie ergänzten die zahlreichen hochrangigen Vorträge. Eine umfangreiche Industrieausstellung und eine Posterpräsentation vermittelten zusätzlich aktuelle Informationen zu Diagnostik und Therapie von Mykosen. Unter den eingereichten Pilzaufnahmen für einen Fotowettbewerb fiel die Wahl für den ersten Preis recht schwer.

 

Entnommen aus MTA Dialog 11/2016