Die Pest

Der Schwarze Tod reiste durch Europa

Das eigentliche Erregerreservoir sind wild lebende Nagetiere, unter anderem Murmeltiere oder Erdhörnchen, vor allem aber Ratten, wie die Hausratte „Rattus rattus“, von denen die Pestbakterien durch Rattenflöhe übertragen werden können. Massenhaftes Sterben von Ratten gilt als Vorbote der Pest. Der Rattenfloh befällt große Mengen von Ratten, diese sterben und der Rattenfloh sucht sich eine neue Blutquelle. Da vor nicht allzu langer Zeit Ratten in zahlreichen Haushalten zu finden waren, sprangen die bluthungrigen Flöhe auf den Menschen über. Die Pest ist eine schwere Infektionskrankheit, die in der Form der Beulenpest beziehungsweise Bubonenpest (lat. bubo = Beule) oder als Lungenpest auftritt.

„Diese Ratten, diese verfluchten Ratten …“

Zitat aus dem Roman „Die Pest“ von Albert Camus (1913–1960)

Während die Lungenpest unbehandelt praktisch immer tödlich verläuft, gibt es bei der Beulenpest eine 50-prozentige Heilungschance. Erste Anzeichen sind geschwollene Beulen in der Nähe der Flohstiche. Dabei wird das Bakterium unter anderem auch durch den Kontakt mit erregerhaltigem Material auf andere Menschen übertragen. Aus der Beulenpest kann sich dann eine höchst infektiöse Lungenpest entwickeln. Der Erreger breitet sich entweder über die Blutbahn zur Lunge aus oder wird durch Tröpfcheninfektion übertragen. Grundsätzlich sind alle Sekrete Erkrankter wie Eiter, Blut oder Schleim hoch infektiös. Die Inkubationszeit beträgt bei der Beulenpest zwei bis sechs Tage, während die Lungenpest nach ein bis zwei Tagen ausbrechen kann. Die Krankheit geht mit hohem Fieber und Schüttelfrost einher, außerdem zeigen sich neben einem schweren Krankheitsgefühl extreme Symptome wie starker Husten, blutiger Auswurf, Atemnot und schmerzhafte Lymphknotenschwellungen. Bereits der Verdachtsfall begründet den sofortigen Beginn einer Therapie. Nachgewiesen wird die Krankheit durch die Diagnose des Erregers in den Körperflüssigkeiten der Patienten, mittlerweile ist ein Schnelltest, mit dem sich Antikörper nachweisen lassen können, etabliert.

Anfang des 18. Jahrhunderts verschwand die Pest aus Westeuropa, wobei die Gründe dieses Phänomens immer noch Rätsel aufgeben. Waren die Städte sauberer geworden, wurden die Ratten resistenter gegenüber der Pest, gab es klimatische Veränderungen oder wurde die Hausratte durch die Wanderratte Rattus norwegicus verdrängt? Ganz verschwunden ist die Krankheit weltweit nie. Es gibt heute zwar einen Lebendimpfstoff, der 1934 eingeführt wurde, und ebenfalls sehr spezifische Antibiotika, doch kommt die Pest weiterhin in Ländern Afrikas, Asiens und auch auf dem amerikanischen Kontinent vor. Mit Hilfe der PCR versuchen heutzutage Paläogenetiker und Evolutionsbiologen, an Pestskeletten den Übeltätern von einst auf die Spur zu kommen.

Literatur

1.    Infektionskrankheiten, Virchow’s Handbuch der speziellen Pathologie und Therapie Erlangen 1857.

2.    Daniel Defoe: Die Pest zu London, 1722.

3.    Albert Camus: Die Pest, 1947.

4.    Klaus Bergdolt: Die Pest, 2011.

5.    Die Pest, GEO Epoche Nr. 75/2015.

 

Entnommen aus MTA Dialog 1/2017