Die Pest

Der Schwarze Tod reiste durch Europa

Ärzte versuchten sich bis ins 19. Jahrhundert durch Mäntel, Handschuhe oder Masken (Pestmaske) zu schützen. Um die Verbreitung der Seuche durch die Seefahrt über die Hafenstädte zu mindern, wurden Schiffe vor dem Einlaufen unter Quarantäne gestellt. Diese wurde erstmals 1374 in Venedig verhängt und auf 40 Tage festgelegt (ital. quaranti di giorni „40 Tage“). Die Pest zog vom 14. bis zum 18. Jahrhundert immer wieder von Osten nach Westen und erreichte auch Asien und Amerika. Die dritte große Pestepidemie brach in den 1860er Jahren in China aus. Die Erforschung der Seuche leitete William Griesinger (1817–1868) ein, der 1850 erstmalig ein klares, vollständiges Krankheitsbild definierte und die Lungen- von der Beulenpest unterschied. Der japanische Bakteriologe Kitasato Shibasaburó (1853–1931) und der Schweizer Tropenmediziner Alexandre Yersin (1863–1943), beide waren Mitarbeiter von Robert Koch (1843–1910), forschten zeitgleich 1894 in Hongkong nach dem Bakterium der dort ausgebrochenen Pestepidemie. Doch der von Kitasato entdeckte Keim war ein Irrtum. Möglicherweise waren seine Bakterienkulturen mit Pneumokokken verunreinigt. Yersin entdeckte ein unbewegliches, kurzes, plumpes, ovoides, geißelloses Stäbchenbakterium, den Pesterreger, der heute „Yersinia Pestis“ genannt wird.

Pesthaube aus dem 17. Jahrhundert | © Anagoria, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Yersinia pestis, Fluoreszenzbild | © CDC, gemeinfrei

Aber wie verläuft eigentlich der Infektionsweg der Pest? Zwar sind schon Yersin die vielen toten Ratten aufgefallen, die mit einer Pestepidemie einhergehen, doch fanden die Wissenschaftler Masanori Ogata in Taiwan (1833–1919), Paul-Louis Simond (1858–1947) in Bombay im pestgeplagten Indien und Charles Rothschild (1877–1923) im Sudan das letzte Puzzleteil: Die Pest wird durch Flöhe von Ratten und schließlich auf den Menschen übertragen.