Uniklinik Düsseldorf

Daten zum Vorkommen von nosokomialen Infektionen

Das Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) geht beim Schutz vor multiresistenten Erregern seit Jahren deutlich über die Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes hinaus. Patienten am UKD werden bei der Aufnahme nach einem festen Schema auf Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA)-Bakterien untersucht.

 

Nosokomiale Infektionen

Auf Intensivstationen werden am UKD alle Patienten grundsätzlich bei Aufnahme und dann im Verlauf wöchentlich auf das Vorhandensein von multiresistenten Erregern hin untersucht. | iStock/kupicoo-br

Für multiresistente gramnegative Erreger (MRGN), zu denen auch der multiresistente Acinetobacter baumannii gehört, erfolgt ebenfalls ein Screening. Allein 2017 wurden mehr als 45.000 MRSA-Untersuchungen durchgeführt, hinzu kamen rund 15.000 Screenings auf MRGN-Erreger am größten Düsseldorfer Krankenhaus.
„Durch unser umfassendes Screening-Programm sind wir in der Lage, Besiedelungen und Infektionen zu entdecken und dann entsprechende Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Das war auch beim vergangenen Ausbruch so, der im Februar erfolgreich beendet werden konnte“, erklärt Ekkehard Zimmer, Kaufmännischer Direktor und stellvertretender Vorstandsvorsitzender des UKD. Das Laborergebnis solcher Screening-Untersuchungen liegt in der Regel innerhalb von 24 bis 48 Stunden vor. Seit Februar gab es keinen Nachweis dieses Keims mehr.

Nosokomiale Infektionen gestern und heute

Nach Meldungen durch Presse und Rundfunk infizieren sich immer mehr Patienten mit multiresistenten Erregern in deutschen Kliniken. Bereits 1957 titelte die damals neu auf dem deutschen Pressemarkt erschienene „Bild“: „Krankenhäuser sind alarmiert! – Chefärzte antworten“.

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„In bestimmten Risikobereichen – wie zum Beispiel Intensivstationen – werden alle Patienten grundsätzlich bei Aufnahme und dann im Verlauf wöchentlich auf das Vorhandensein von multiresistenten Erregern hin untersucht“, ergänzt Prof. Dr. Benedikt Pannen, stellvertretender Ärztlicher Direktor des UKD: „Damit gehen wir über die geltenden Anforderungen hinaus.“

Wird ein Patient mit einem hochresistenten Erreger wie dem Ausbruchsstamm 4-MRGN Acinetobacter baumannii am UKD aufgenommen, erfolgt von Anfang an eine strenge Abschirmung dieses Patienten, zudem werden weitere Schutzmaßnahmen umgesetzt. Prof. Pannen: „Im Intensivbereich bedeutet das konkret: Eine Pflegekraft pro Schicht kümmert sich nur um diesen einen Patienten, es gibt keinen Kontakt mit weiteren Patienten. Zudem wird extra ein weiteres Zimmer auf der Station gesperrt und nicht für die Patientenversorgung genutzt. Dieses Zimmer dient als Versorgungszimmer für Pflegeprodukte, Schutzkittel und dergleichen. So sind im Klinikbetrieb eine strikte Isolierung und getrennte Versorgungswege möglich.“
Diese Präventionsmaßnahme hat das UKD nun weiter ausgedehnt: Auch auf den IMC-Stationen wird jetzt dieses 1:1-Prinzip beim Nachweis von entsprechenden Erregern umgesetzt.

Vergleich mit anderen Krankenhäusern

Zu dem Ziel, Infektionen als Folge einer medizinischen Behandlung zu vermeiden, gehört für das UKD auch der nachvollziehbare Vergleich mit anderen Kliniken beim Thema „Nosokomiale Infektionen“. Neben der im Infektionsschutzgesetz festgelegten systematischen Erhebung von festgelegten nosokomialen Infektionen, wie zum Beispiel Lungenentzündungen bei Patienten auf Intensivstationen, nahm das UKD freiwillig an einer europaweiten Erhebung teil. In Deutschland wurde diese Erhebung vom Nationalen Referenzzentrum für Surveillance von nosokomialen Infektionen an der Charité in Berlin organisiert und wissenschaftlich begleitet.

Bei diesem Projekt wurde die Häufigkeit des Vorkommens von Infektionen bei allen Patienten in Krankenhäusern an einem Stichtag (Punktprävalenz) im Jahr 2016 verglichen. An diesem Vergleich beteiligten sich sieben Universitätskliniken und 211 weitere Krankenhäuser. Eine Pflicht zu einer solchen Veröffentlichung besteht nicht. Das Ergebnis des Vergleichs lautet: 4,4 Prozent der Patienten, die im UKD versorgt werden, entwickeln eine nosokomiale Infektion. „Damit entsprechen wir fast genau dem Referenzwert für Unikliniken, der bei 4,34 Prozent liegt.

Das Ergebnis zeigt, dass unsere Maßnahmen der Infektionsprävention genauso gut funktionieren wie in vergleichbaren Einrichtungen. Diese freiwillige Erhebung, die wir als einziges Krankenhaus in Düsseldorf jährlich wiederholen, ist ein wichtiger Beitrag zur Verlaufsbeobachtung, und sie gibt uns einen Überblick über das Geschehen im gesamten Krankenhaus und nicht nur über Risikobereiche“, so Dr. Susanne Kolbe-Busch, Leitende Krankenhaushygienikerin am UKD. In der aktuell durchgeführten Erhebung von April 2018 liegt die Rate bei 4,8 Prozent. Torsten Rantzsch, Pflegedirektor des UKD, stellt fest: „Nur wer sich öffentlich vergleicht, weiß wo er steht. Wichtig ist Transparenz.“

In Deutschland gab es 2016 nach Angaben des Robert-Koch-Institutes 141 Ausbrüche, die durch Bakterien, wie zum Beispiel MRSA oder Acinetobacter baumannii, verursacht wurden, mit 1.320 betroffenen Patienten bundesweit (Quelle: „Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2016“, Robert-Koch-Institut). „Diese Zahlen zeigen, dass aktive Infektionsprävention eine Daueraufgabe für alle Krankenhäuser ist. Das UKD nimmt diesen Auftrag sehr ernst. Nur durch sorgfältige und systematische Erfassung von Erregern, insbesondere mit Antibiotikaresistenzen, können Ausbrüche erkannt und dann auch bekämpft werden“, so Prof. Pannen.

 

Quellenangabe zur bundesweiten Vergleichsstudie 2016 auf freiwilliger Basis beim Nationalen Referenzzentrum für Surveillance nosokomialer Infektionen 

Direkt zu den Vergleichsdaten: hier


Quelle: UKD, 07.06.2018