7. Gemeinsame Jahrestagung der DGNR und der DGNKN

Das „Neuroreha-Team“ setzt sich durch

Unter dem Motto „Theorien, Techniken, Trends“ fand Ende 2018 die 7. Gemeinsame Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurorehabilitation (DGNR) e. V. und der Deutschen Gesellschaft für Neurotraumatologie und Klinische Neurorehabilitation (DGNKN) e. V. in Erlangen statt.

7. Gemeinsame Jahrestagung der DGNR und der DGNKN

7. Gemeinsame Jahrestagung der DGNR und der DGNKN

Schon zur feierlichen Kongresseröffnung zeigte der Gemeinschaftskongress die Entwicklung der Rehabilitation von Neurologischen und Neurochirurgischen Erkrankungen zu einem dynamisch wachsenden Fachgebiet. Wie die Kongresspräsidenten Prof. Dr. med. Dennis Nowak, Chefarzt HELIOS Klinik Kipfenberg und Dr. med. Wilfried Schupp, Chefarzt m&i-Fachklinik Herzogenaurach, betonten, arbeiten Rehabilitationseinrichtungen heute erkenntnisgetrieben und evidenzbasiert. Aus dem wachsenden Verständnis der Mechanismen, die der Funktionserholung im peripheren und zentralen Nervensystem zugrunde liegen, entstehen immer mehr Kooperation mit Universitäten, klinischen Rehabilitationszentren und Forschungsschwerpunkten.

Neue Medien und Technik in der Neurorehabilitation

Drei Tage lang diskutierten hochkarätige Experten aus allen Bereichen der Neurologisch-Neurochirurgischen Rehabilitation in 22 Symposien aktuelle Kongressthemen wie Intensivmedizin in der neurologischen Frührehabilitation, Evidenz der Therapie und akute Komplikationen. Prof. Schupp betonte den „bis heute stark vernachlässigten Bereich der ambulanten Nachsorge und Langzeitbetreuung, die aber für die Nachhaltigkeit und Lebensqualität sehr wichtig ist.“ Neue Medien und Technik in der Neurorehabilitation und Langzeitbetreuung waren wichtige Diskussionssthemen. Prof. Nowak verwies auf das breite Spektrum technischer Innovationen: „Um die neuronale Plastizität im positiven Sinne für die Funktionserholung des Gehirns, die ‚recovery of function‘ zu verändern, kommen Techniken der nicht invasiven Hirnstimulation zum Einsatz.“ In einem eigenen Symposium ging es um die Frage, inwieweit diese Technik auf Basis der Datenlage, der sogenannten Evidenz, bereits reif für den breiten Einsatz ist. Auch andere moderne technische Ansätze wie der Einsatz von Apps und Robotern als Therapie oder unterstützende Hilfe im Alltag wurden diskutiert.

Zuerst den Kopf vermessen

Eine neuartige Anwendung der elektrischen Hirnstimulation könnte Menschen mit Hörproblemen künftig helfen, Sprache auch bei starken Hintergrundgeräuschen besser zu verstehen.

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12 Workshops für nicht-ärztliche Berufsgruppen

Die aktuelle Diskussion mit Teilnehmern unterschiedlicher Fachrichtungen verdeutlichte den hohen Stellenwert der multiprofessionellen Zusammenarbeit aller in der Neurorehabilitation tätigen Berufsgruppen – des „Neuroreha-Teams“ – bei Patienten mit erworbenen Hirnschäden wie beim Schlaganfall, bei entzündlichen Hirnerkrankungen und beim Schädel-Hirn-Trauma. Wie entscheidend hochqualitative fachliche Kompetenz als Basis für die interprofessionelle Zusammenarbeit ist, zeigten auch die gut besuchten 12 Workshops für nicht-ärztliche Berufsgruppen.

Hochaktuelle gesundheitspolitische Themen kontrovers diskutiert

Neben neuen Entwicklungen und Erkenntnissen wurden hochaktuelle gesundheitspolitische Themen kontrovers diskutiert. Unter dem Titel „Neurologische Frührehabilitation und Gesundheitspolitik“ standen aktuelle Anforderungen kritisch auf dem Prüfstand. In der Podiumsdiskussion wurde ausgelotet, wie sich die Rahmenbedingungen im Bereich der Neurorehabilitation weiterentwickeln und wie umfassend die individualisierten medizinischen Versorgungsmöglichkeiten in einer frühen Rehabilitation für Patienten auch mit schweren Schädigungen des zentralen und peripheren Nervensystems und auch noch im höheren Alter heute schon sind. Auf längere Sicht sollten noch mehr Betroffene von einer Frührehabilitation profitieren können. Hervorgehoben wurde die Besonderheit der Rehabilitation, Behandlungsverlauf und Behandlungsergebnis neurologischer Erkrankungen längerfristig zu verfolgen, indem der Blick über den medizinischen Teil hinaus hin zur beruflichen und gesellschaftlichen Reintegration und Inklusion geöffnet wird. Die internationale Sitzung gab interessante Eindrücke, wie sich der Fachbereich in anderen Ländern der Welt entwickelt und wie eine internationale Zusammenarbeit aussehen könnte.

Die 8. Gemeinsame Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurorehabilitation e. V. und der Deutschen Gesellschaft für Neurotraumatologie und Klinische Neurorehabilitation e. V. findet vom 10.-12.12.2020 mit den Tagungsleitern Prof. Stefan Knecht und Prof. Mario Siebler in Düsseldorf statt.

Hintergrund: Neurologische Rehabilitation

Der Bedarf an Neurorehabilitation steigt weiter an und gewinnt rasant an Bedeutung, insbesondere die Neurologische Frührehabilitation. Der Grund sind therapeutische Fortschritte in der Neurologie sowie die wachsende Anzahl von Patienten. Nach Schlaganfällen oder Unfällen überleben infolge der rasanten Weiterentwicklung der akutmedizinischen Versorgung in den letzten Jahren immer mehr Patienten mit schweren Schädigungen des zentralen und peripheren Nervensystems und benötigen umfassende Rehabilitationsmaßnahmen, die ihnen die Rückkehr in ihren Alltag ermöglichen.  
Deshalb ist die Weiterentwicklung von Methoden und Verfahren in der neurologischen Rehabilitation von immenser Bedeutung. Für jeden Patienten wird ein individueller Neurorehabilitationsplan erstellt, nachdem festgestellt wurde, wie schwer die Schäden an Gehirn und Nervensystem sind. Frührehabilitation beginnt häufig schon im Krankenhaus mit speziellen Maßnahmen, gefolgt von der stationären Rehabilitation, die ggf. im ambulanten Rahmen fortgesetzt werden kann. Ziel von Physio- und Ergotherapie, Logopädie und neuropsychologischem Training ist die bestmögliche Rückbildung der entstandenen Schäden und die Kompensation von Funktionseinbußen, etwa Lähmungen, Schluck- und Sehstörungen, kognitive Störungen, Wahrnehmungs- oder Verhaltensstörungen.

Quelle: Conventus