Bildgebung in der Archäologie

CT klärt Todesursache einer Ägypterin

Radiologen, Anthropologen und Archäologen berichten, wie sie die Todesursache einer Frau aufklären konnten, die vor etwa 2000 Jahren in Ägypten gelebt hat.

Mumie

Mittels bildgebender Verfahren sind Archäologen in der Lage, wertvolle Altertümer eingehend zu untersuchen ohne die einzigartigen Fundstücke beschädigen zu müssen. | Corel Stock

Geräte zur Computertomografie (CT) leisten heute an jeder größeren Klinik einen wichtigen Beitrag zur Diagnose von Krankheiten. Auch in der Archäologie weiß man die moderne Technik zu schätzen. Mit ihrer Hilfe können Forscher beispielsweise in das Innere von Mumien blicken, ohne die wertvollen Altertümer zu beschädigen.

In der Fachzeitschrift “RöFo – Fortschritte auf dem Gebiet der Röntgenstrahlen und der bildgebenden Verfahren“ berichten Radiologen, Anthropologen und Archäologen, wie sie die Todesursache einer Frau aufklären konnten, die vor etwa 2000 Jahren in Ägypten gelebt hat und im Alter von 25 bis 35 Jahren starb.

Der Mumienkopf stammt aus den Sammlungen des Nationalmuseums für Geschichte und Kunst in Luxemburg. Nach den Ergebnissen einer C14-Analyse hat die Frau in der Zeit zwischen 17 v. und 124 n. Chr. gelebt. Am Hinterkopf wies die Mumie eine haarlose Stelle mit mehreren Rissen der Kopfhaut auf, welche Rätsel aufgab.

Klärung der Todesursache ohne Beschädigung der Mumie

Ohne moderne bildgebende Verfahren hätten die Forscher die Kopfhaut entfernen müssen, um zu erkennen, ob sich darunter weitere Verletzungen befinden. Mittels einer CT konnte ein Team des „German Mummy Project“ an den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim die Todesursache klären, ohne die Mumie zu beschädigen. Die CT-Bilder zeigen einen 5,0 mal 5,6 cm großen rundlichen Defekt im Schädeldach. Er war vermutlich durch äußerliche Gewalteinwirkung entstanden.

Da an den Knochenrändern Zeichen für eine Knochenheilung fehlten, nehmen die Forscher an, dass die Frau kurze Zeit danach infolge der Gewalteinwirkung gestorben ist. Das Forscherteam vermutet jedoch, dass Ärzte noch versucht haben, die Wunde zu heilen – zumindest deutet die Entfernung der Haare darauf hin. Eine Hirnverletzung konnten die Mediziner im alten Ägypten jedoch nicht effektiv behandeln.
Die aus der Schädeldecke herausgebrochenen Knochenteile entdeckten die Forscher im Inneren des Schädels, dessen Gehirn vor der Mumifizierung entfernt wurde. Neben der Verletzung offenbarte das CT, wie die Präparatoren zu der damaligen Zeit vorgegangen waren.

Vom linken Nasenloch aus bohrten sie mit einem scharfen Instrument ein Loch durch den Knochen. Dabei wurde die Nasenscheidewand zerstört und auch die mittlere knöcherne Begrenzung zur Augenhöhle beschädigt. Durch die dahinterliegende Keilbeinhöhle erreichten die Präparatoren schließlich die Schädelbasis. Durch die Öffnung wurde dann das Gehirn entfernt.

DNA-Analyse und weitere moderne Techniken

Darüber hinaus fanden die Forscher noch weitere Schädigungen, die nach dem Tod entstanden sein müssen. So waren alle vier Schneidezähne des Mumienkopfes und ein Eckzahn gebrochen. Dies wird auf ein Mundöffnungsritual zurückgeführt, das erst nach Abschluss der Mumifizierung erfolgte und vermutlich eine rituelle Wiederbelebung zum Ziel hatte. Priester benutzten dabei ein Steinwerkzeug in der Form eines Fischschwanzes, ein sogenanntes Peseschkaf, um den Kiefer zu öffnen.

Das „German Mummy Project“ unter Leitung von Wilfried Rosendahl gehört derzeit zu den größten Forschungsprojekten auf dem Gebiet der interdisziplinären Mumienforschung. Seit 2004 wurden mehr als 50 verschiedene Mumien und Mumienteile aus unterschiedlichen europäischen Museen und Sammlungen untersucht. Neben dem CT kommen auch die DNA-Analyse und andere moderne Techniken zum Einsatz, um die Krankheiten zu diagnostizieren, an denen die Menschen vor ihrem Tod litten.

 

Literatur:

Panzer S et al.:
Trauma, Tod und Totenbehandlung – ein altägyptischer Mumienkopf aus dem Nationalmuseum für Geschichte und Kunst Luxemburg.
RöFo – Fortschritte auf dem Gebiet der Röntgenstrahlen und der bildgebenden Verfahren 2016; 188 (10); S. 957–959

 

Quelle: Thieme, 31.01.2017