Historisches

Crystal Meth

Modedroge oder „altbewährtes“ Rauschmittel?
Stefanie Amend-Barudio
Titelbild zu „Crystal Meth“
Abb. 1: Pervitinampullen © Komischn, CC BY-SA 4.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/, keine Änderungen
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Schneller Spaß, schnelle Abhängigkeit: Crystal Meth ist keine Modedroge – die Menschen nehmen das künstliche Mittel seit über 100 Jahren.

Flüssiges Methamphetamin wurde erstmals 1893 von dem japanischen Chemiker Nagayoshi Nagi erzeugt. Auch in Deutschland forschte man in den 1930er-Jahren an einem Verfahren zur Herstellung der psychotropen Substanz, was dem Chemiker Fritz Hauschild schließlich gelang. Es war eine Pille, die „Pervitin“ hieß und die sich die Temmler-Werke 1937 patentieren ließen.

Doch was ist Methamphetamin eigentlich? Crystal Meth ist eine synthetische Droge aus der Gruppe der Methamphetamine, eine Unterklasse der Amphetamine, zu der auch Speed und Ecstasy gehören. Die Droge wird geschnupft, geraucht oder gespritzt. Kaufen kann man sie häufig in Form von groben Kristallen oder Pulver. Der Konsum führt zu einer starken Dopaminausschüttung im Gehirn, die kaum eine andere Droge erreicht. Dopamin ist ein biochemischer Botenstoff, der die Erregung von Zelle zu Zelle überträgt. Süchtige vergleichen den Rausch daher mit einem Glücksstrudel. Manche bleiben tagelang wach, verspüren keinen Appetit und sind euphorisch. Alles scheint zu gelingen. Lässt die Wirkung nach, werden die Abhängigen antriebslos und lethargisch.

Pervitin fand nach Markteinführung sehr schnell guten Anklang in der Bevölkerung und auch in allen Lebensbereichen, zum Beispiel waren Studenten rege Konsumenten, um den Prüfungsstress besser zu überstehen. Eine schädigende Wirkung des Mittels war bekannt, wurde jedoch nicht ernst genommen.

Nachfrage durch das Militär

Auch das Militär interessierte sich schnell für die neue Pille. Das „Wachhaltemittel, um die Schlaflosigkeit zu erhalten“, wie es auf der Packung hieß, war eine ideale „Kriegsdroge“. Die Tabletten erhöhten Konzentration, Marschgeschwindigkeit und Opferbereitschaft der Wehrmachtssoldaten. Die Temmler-Werke, in denen das Medikament in Berlin hergestellt wurde, wurde als kriegswichtig eingestuft. Im Volksmund war von „Panzerschokolade“ oder den „Hermann-Göring-Pillen“ die Rede. Unglaubliche 35 Millionen Pillen wurden von der deutschen Wehrmacht 1940 für den Frankreich-Feldzug bei der Firma Temmler bestellt. Durch die euphorisierende Wirkung von Pervitin, die Verhinderung von Müdigkeit und dem Gefühl, scheinbar unbegrenzt belastbar zu sein, war Pervitin perfekt für Hitlers Krieg im Westen. Auch nimmt die Droge die Furcht beim Angriff, reduziert jeden Skrupel. Nach Ansicht der Obersten Heeresleitung sollte die Wehrmacht aus „beseelten Motoren“ bestehen, „unbeschränkt belastbar bis zum Endsieg“.

Nach dem Ende des Dritten Reichs findet sich Pervitin noch jahrzehntelang in den Armeebeständen – in Ost wie West. Die Temmler-Werke belieferten die Bundeswehr bis in die 1970er-Jahre. Leistungssportler verwendeten es als Dopingmittel. Als rezeptpflichtiges Medikament verschwindet Pervitin erst 1988 vom deutschen Markt.

Heutige Konsumenten von Crystal Meth zeigen stärkere Nebenwirkungen als die Konsumenten von Pervitin der Armee, da Crystal Meth in einer höheren Dosis genommen wird. Die Süchtigen magern extrem ab, bekommen Zahnausfall und zerstörte Schleimhäute, wuchernde Ekzeme auf der Haut und Nieren- oder Herzversagen. Es ruiniert sowohl Organismus als auch Psyche und führt schließlich zum völligen Verfall des Menschen.

Dennoch wird Crystal Meth quer durch die heutige Gesellschaft konsumiert. Es ist keine Droge der Unterschicht. Besonders verbreitet scheint die leistungssteigernde Droge auch in Berufen, in denen es um Akkord- und Schichtarbeit geht.


Literatur

  1. Jonas A: „Mir war nur noch die Droge wichtig“: Svenja war jahrelang süchtig nach Crystal Meth. Focus Online. 2019.
  2. Hurst F: Großvater des Crystal Meth. Artikel bei einestages vom 17. Mai 2013.
  3. History of Meth. In: History. A&E Television Networks, 21. August 2018.

Entnommen aus MTA Dialog 4/2022

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