Neue Studie zu hohen Todeszahlen

COVID-19: Verschlimmert Luftverschmutzung den Verlauf?

Die Todeszahlen in Folge einer COVID-19-Erkrankung sind in einigen Ländern und Regionen höher als in anderen. Schuld daran könnte eine höhere Luftverschmutzung und damit einhergehende Schadstoffbelastung sein. Erste Zahlen dazu liefert eine neue Studie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU).

Luftverschmutzung und COVID-19

Auswirkungen der Luftverschmutzung auf COVID-19 | National Park Service, gemeinfrei, wikimedia

Er befindet sich in der Luft und schädigt die menschlichen Atemwege: Stickstoffdioxid. Dabei begünstigt er auch beim Menschen diverse Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislaufbeschwerden. Auch COVID-19 ruft diese Beschwerden hervor. Aus diesem Grund untersuchte Dr. Yaron Ogen vom Institut für Geowissenschaften und Geographie der MLU den Zusammenhang zwischen der Luftverschmutzung und den Todeszahlen bei einer Erkrankung mit dem Coronavirus.

Feinstaub führt zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Die Luftverschmutzung, und hier in erster Linie Feinstaub, ist für jährlich mehr als vier Millionen Todesfälle verantwortlich. Die meisten Todesfälle mit knapp 60 Prozent entstehen hierbei als Folge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

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In seine Studie flossen verschiedene Datensätze ein. Aus den Messungen zur regionalen Belastung mit Stickstoffdioxid – die vom Satelliten Sentinel 5P der Europäischen Weltraumbehörde stammen – erstellte Ogen eine globale Übersichtskarte für Regionen mit einer hohen Belastung von Stickstoffdioxid. Ein weiterer Datensatz war der zu den vertikalen Luftströmen laut Angaben der US-Wetterbehörde NOAA. Grund dafür war die Annahme, dass bei Luftbewegungen auch die bodennahen Schadstoffe vermehrt verteilt werden. Ohne Bewegung bleiben diese am Boden, werden eingeatmet und können gesundheitliche Probleme auslösen. So entstand insgesamt eine Übersicht über Länder und Regionen, die gleichzeitig eine hohe Luftverschmutzung und geringe Luftbewegung aufweisen.

Luftverschmutzung macht Menschen anfälliger für Corona

Im nächsten Schritt verglich Ogen diese Werte mit den Todeszahlen der COVID-19-Pandemie. Besonderes Augenmerk legte er dabei auf Italien, Frankreich, Spanien und Deutschland. Das spannende Ergebnis: In Regionen, die sowohl eine hohe Stickstoffdioxidbelastung als auch einen geringen vertikalen Luftaustausch aufweisen, sind auch die Todesfälle sehr hoch. Ein Vorteil der Studie sei, dass sie Regionen und nicht Länder vergleiche. So könne nämlich die Luftverschmutzung in jeder Region unterschiedlicher sein, als es der Durchschnittswert für das gesamte Land vermuten lasse.

Ogen ist weiter der Auffassung, dass die langanhaltende Luftverschmutzung mancher Regionen dazu geführt haben könnte, dass der Gesundheitszustand der Menschen generell schlechter und ihre Anfälligkeit für das Coronavirus damit gestiegen sei. Jedoch müssten hier noch weitere Studien folgen und weitere Regionen untersucht werden.

 

Literatur:

Yaron Ogen: Assessing nitrogen dioxide (NO2) levels as a contributing factor to coronavirus (COVID-19) fatality. Science of The Total Environment, Volume 726, 15 July 2020, 138605.

 

Quelle: MLU