Studie

COVID-19: Neurologische Krankheiten sind prognosebestimmend

COVID-19-Patientinnen und -Patienten mit neurologischen Begleiterkrankungen haben ein um 38 % höheres Risiko, im Krankenhaus zu versterben und eine um 28 % geringere Wahrscheinlichkeit, nach Hause entlassen werden zu können.

COVID-19: neurologische Krankheiten

Viele Patientinnen und Patienten litten bereits vor oder zum Zeitpunkt der Einweisung unter den neurologischen Beschwerden. | Luis Louro - stock.adobe.com

Eine Anfang Oktober in „Neurology“ publizierte Studie [1] erhob prospektiv die Prävalenz neurologischer Begleiterscheinungen bei hospitalisierten COVID-19-Patientinnen und -Patienten. Erfasst wurden nur schwere neurologische Erkrankungen, hingegen keine „leichten“ neurologischen Begleitsymptome wie Geruchs- oder Geschmacksstörungen. Die Rate ernsthafter neurologischer Komplikationen betrug 13 %: Alarmierend war, was diese neurologischen Begleiterkrankungen für das Outcome der Betroffenen bedeuteten: Sie hatten eine um fast 40 % erhöhte Sterblichkeitsrate im Vergleich zu hospitalisierten COVID-19-Patientinnen und -Patienten ohne neurologische Begleiterkrankungen.

COVID-19

Inzwischen ist bekannt: COVID-19 geht sehr häufig mit neurologischen Beschwerden einher. Wie häufig, zeigt eine aktuell publizierte Arbeit: Insgesamt betrage die Prävalenz mehr als 80% und fast jeder dritte Patient erleide eine Enzephalopathie.

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In der prospektiven Multicenter-Beobachtungsstudie [1] wurden die Verläufe von fast 4.500 Patientinnen und Patienten, die zwischen März und Mai in New York wegen einer COVID-19-Erkrankung in einem Krankenhaus behandelt wurden, analysiert. Im Ergebnis zeigte sich, dass 13,5 % der Patientinnen und Patienten neurologische Begleiterkrankungen entwickelten.

Diese neurologischen Diagnosen traten im Median zwei Tage nach Auftreten der COVID-19-Symptomatik (wie Fieber, Erkältungserscheinungen, Diarrhö) auf. Der mediane Zeitraum bis zum Auftreten nach der Einweisung in ein Krankenhaus betrug –0,6 Tage, was bedeutet, dass viele Patientinnen und Patienten bereits vor oder zum Zeitpunkt der Einweisung unter den neurologischen Beschwerden litten.

Erfasst wurden nur schwerwiegende Manifestationen

Am häufigsten waren toxische oder metabolische Enzephalopathien (6,8 % der Fälle), Schlaganfälle (1,9 %), epileptische Krampfanfälle (1,6 %) und hypoxische Hirnschädigungen (1,4 %). Erfasst wurden nur von Neurologinnen und Neurologen diagnostizierte schwerwiegende Manifestationen (Enzephalopathien, Schlaganfälle, Neuropathien einschließlich Guillain-Barré-Syndrom, Myopathien, Bewegungsstörungen, Enzephalitiden und Myelitiden), was erklärt, warum die Rate neurologischer Begleitsymptome mit 13,5 % in dieser Studie relativ gering war.

Andere Studien [2, 3], die auch leichtere neurologische Symptome wie Geruchs- und Geschmacksstörungen erfassten, dokumentierten eine Prävalenz von bis zu 84 %, was bedeutet, dass 4 von 5 Patientinnen und Patienten, die im Krankenhaus wegen COVID-19 behandelt werden, neurologische Begleitsymptome aufweisen.