SARS-CoV-2

COVID-19: Entwickeln Kinder langfristige Immunität?

Die aktuellen Ergebnisse der COVID-19-Familienstudie Baden-Württemberg wurden als Preprint veröffentlicht. Demnach sei ein asymptomatischer Verlauf der Infektion bei Kindern fünfmal häufiger als bei Erwachsenen und die Immunantwort stabiler als bei Erwachsenen.

COVID-19 und Kinder

Kinder und Corona | artegorov3@gmail, stock.adobe.com

Wie verläuft eine COVID-19-Infektion bei Kindern, sind sie nach einem milden Verlauf geschützt und welche Rolle spielen sie im Pandemiegeschehen als Erkrankte, Infektionsherde und -verstärker? Diese zentralen Fragen haben Wissenschaftler/-innen der Universitätsklinika in Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm sowie des Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Instituts NMI in Reutlingen in der vom Land Baden-Württemberg initiierten und finanzierten COVID-19-Kinder-Studie untersucht. Sie zeigten, dass Kinder sich innerhalb der Familien deutlich seltener ansteckten als Erwachsene und der Verlauf meist deutlich milder war. Gleichzeitig war die Immunantwort bei Kindern im Schnitt stärker und hielt länger an als bei Erwachsenen, unabhängig davon, ob Symptome auftraten. Die Ergebnisse wurden am 23. Juli 2021 als Preprint veröffentlicht.

Kinder häufig ohne Krankheitszeichen

Für die Studie wurden 328 Familien mit mindestens einem an COVID-19 erkrankten Mitglied mehrfach untersucht. Insgesamt nahmen 548 Kinder im Alter zwischen 6 und 14 Jahren und 717 Erwachsene teil. In Familien mit einer infizierten Person steckten sich laut Studie Kinder (34 Prozent) deutlich seltener an als Erwachsene (58 Prozent) und waren – im Fall einer Infektion – fünfmal häufiger ohne Krankheitszeichen (Erwachsene: 9 Prozent, Kinder: 45 Prozent). Trotzdem zeigten die Kinder elf bis zwölf Monate nach der Infektion stärkere und länger anhaltende spezifische Antikörperspiegel als Erwachsene (96,22 % versus 82,89 % noch seropositiv 11-12 Monate nach der Infektion). Das galt unabhängig davon, ob Krankheitszeichen bestanden oder nicht. Die kindlichen Antikörper seien gut wirksam gegenüber verschiedenen Virusvarianten, sodass auch nicht sichtbar erkrankte Kinder nach einer Infektion geschützt sein sollten (allerdings mit reduzierter Bindung für die Beta-Variante in beiden Gruppen). Keines der infizierten Kinder musste im Krankenhaus behandelt werden.

Geschmacksstörungen ein deutlicher Hinweis

Auch bei den berichteten Beschwerden unterschieden sich laut Studie Erwachsene und Kinder. Während bei Erwachsenen Fieber, Husten, Durchfall und Geschmacksstörungen gleichermaßen ein guter Hinweis auf eine Infektion waren, waren bei Kindern nur Geschmacksstörungen ein deutlicher Hinweis auf eine COVID-19-Infektion (in 87 Prozent). Husten und Fieber waren erst mit steigendem Alter ab etwa zwölf Jahren ein Hinweis auf eine Infektion.

Zusammengefasst zeige sich: Von COVID-19 genesene Kinder entwickeln trotz eines oft sehr milden oder sogar symptomfreien Verlaufs eine sehr wirksame und anhaltende Immunabwehr gegen neue Coronavirus-Infektionen, so die Wissenschaftler. Es gebe Anzeichen, dass die kindliche Immunabwehr die von Erwachsenen sogar übertreffe.

 

Literatur:

Hanna Renk, Alex Dulovic, Matthias Becker, et al.: Typically asymptomatic but with robust antibody formation: Children’s unique humoral immune response to SARS-CoV-2.
medRxiv 2021.07.20.21260863; DOI: doi.org/10.1101/2021.07.20.21260863.


Quelle: idw/Universitätsklinikum Freiburg