Premium Spätfolgen erfordern konzertierte Aktion

COVID-19 auf der Intensivstation

Die COVID-19-Pandemie hat innerhalb nur weniger Monate fast jeden Winkel der Erde erreicht. Im Vergleich zu früheren Epi- und Pandemien von kontagiösen Krankheiten wird jedoch immer mehr deutlich, dass nicht nur die betroffenen Patienten die Leidtragenden sind. Vielmehr geraten die Gesundheitssysteme ganzer Länder, die im Prinzip durchaus in der Lage wären, eine größere Zahl von Intensivpatienten auf hohem medizinischem Niveau zu versorgen, an die Grenze ihrer Belastbarkeit.

COVID-19 auf der Intensivstation

© davide bonaldo – stock.adobe.com

Zwischenzeitlich wurde in stark betroffenen Regionen, wie zum Beispiel Mittel- und Süditalien nicht nur über eine Triage bei intensivpflichtigen COVID-19-Patienten nachgedacht. Auch eine eventuell notwendige Begrenzung des Zugangs von Intensivpatienten mit ganz anderen Erkrankungen wurde diskutiert. Damit könnte die COVID-19-Pandemie zu einem Gesundheitsrisiko für Menschen werden, die aufgrund völlig anderer Erkrankungen eine größere Operation oder medizinische Therapien benötigen.

Modellrechnung aus den USA

In den USA hat das Nationale Institut für Gesundheitsdaten und Gesundheitsbewertung (IHME) an der Universität von Seattle im Bundesstaat Washington kürzlich eine Modellrechnung veröffentlicht. Darin wird geschätzt, dass COVID-19 in den USA zu einem Mehrbedarf von 65.000 Krankenhausbetten und 17.000 Intensivbetten führen könnte. Der zusätzliche Bedarf für Beatmungsgeräte wurde auf circa 20.000 veranschlagt. In den USA könnte dieser Mehrbedarf möglicherweise durch eine nationale Anstrengung zum Aufbau entsprechender Strukturen erreicht werden. Das Institut rechnet jedoch damit, dass die ohnehin instabilen und inhomogenen Gesundheitssysteme von Entwicklungs- und Schwellenländern die Auswirkungen der „Pandemie-Welle“ bald nicht mehr auffangen könnten. Entsprechend dürfte es in diesen Ländern zu sehr hohen Mortalitätsraten kommen.

 

Entnommen aus MTA Dialog 2/2021

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