Pandemie

COVID-19: Appell zu weiterer Kontaktreduktion

RKI-Präsident Lothar H. Wieler ließ bei der Pressekonferenz am Donnerstag keine Zweifel aufkommen. Die Fallzahlen müssten massiv reduziert werden und auf niedrigem Niveau bleiben. Jede Infektion sei eine zu viel.

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Teilweise seien auf manchen Intensivstationen auch schon Durchschnittsalter von 60 Jahren erreicht. Die bestmögliche Versorgung schwer kranker Menschen sei nicht mehr flächendeckend möglich. Es gelte jetzt, die Maßnahmen konsequent umzusetzen, gerade vor dem Hintergrund der neuen SARS-CoV-2-Varianten, so Wieler. Es gebe durchaus die Möglichkeit, dass sich die Lage noch verschlimmere. Die Kontakte und die Mobilität müssten weiter zurückgefahren werden. Prof. Dr. Dirk Brockmann, Institute for Theoretical Biology (ITB) der Humboldt Universität Berlin und Project Group Epidemiological Modeling of Infectious diseases am RKI, gab denn auch zu bedenken, dass die Mobilität in den vergangenen drei Monaten nicht so stark gesunken sei wie im ersten Lockdown.

Zwar hätte es zu Weihnachten weniger lange Reisen über 100 km gegeben, aber dafür sei in Regionen wie Harz, Garmisch oder Rügen zu beobachten gewesen, dass dort der Reiseverkehr über Vorjahr lag. Beachten müsse man auch, dass selbst die Einschränkung auf einen 15 km Radius nur 15 % der Mobilität beschränke. Sinke der Radius, sei der Effekt ungleich stärker.

Reisemobilität
Reisemobilität | RKI

Umso mehr betonte Wieler die Impfungen. Es seien aktuell 842.455 Menschen geimpft (Stand 14.1. 11 Uhr). Am Donnerstag rührte auch PEI-Präsident Prof. Klaus Cichutek die Werbetrommel für die Impfungen. Auf einer Pressekonferenz des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) ging es um die Sicherheit der beiden zugelassenen mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna. Cichutek betonte die sehr gute Datenbasis. Dr. med. Brigitte Keller-Stanislawski, Abteilungsleiterin Sicherheit von Arzneimitteln und Medizinprodukten beim PEI, erläuterte die Verfahrensweise zur Erfassung möglicher Nebenwirkungen.

So seien ganz seltene Nebenwirkungen nicht in den klinischen Studien erkennbar. Man bräuchte z.B. bei einem 2-fach erhöhten Risiko (bei einer Impfung) bei Ereignissen, die sehr selten auftreten (1/100.000 Fälle) mehr als 2 Mio. Teilnehmer einer Studie, was unmöglich sei, rechnete sie vor. So hätte man auch die beobachteten anaphylaktischen Reaktionen nicht zuverlässig vor der Zulassung feststellen können. Zu Beginn der Impfkampagne will das PEI wöchentlich die erfassten Nebenwirkungen auf der Homepage veröffentlichen.

Berichtet wurde zuletzt über 325 gemeldete Verdachtsfälle von Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung mit dem mRNA-Impfstoff Comirnaty (Biontech Manufacturing GmbH) zum Schutz vor COVID-19 seit Beginn der Impfkampagne bis zum 10.01.2021. Es wurden 913 unerwünschte Reaktionen geschildert (im Mittel 2,8 Reaktionen pro Meldung). In 51 Fällen wurde über schwerwiegende Reaktionen berichtet. Die Melderate betrug für alle Einzelfallmeldungen 0,53 pro 1.000 Impfungen, für schwerwiegende 0,08 pro 1.000 Impfungen.

Die bis Donnerstag erfassten 10 Todesfälle seien bei Patienten aufgetreten, die sehr schwere Grunderkrankungen hatten, so Keller-Stanislawski. Bei einem Fall müsse man sich die Daten erst noch anschauen. Über die klassischen Meldewege hinaus, führt das Paul-Ehrlich-Institut eine Befragung der Verträglichkeit der COVID-19 Impfstoffe mit der SafeVac 2.0-App durch. Geimpfte, erwachsene, freiwillige Teilnehmer sollen im Zeitraum von jeweils 3 bzw. 4 Wochen nach jeder Impfung bzgl. der Sicherheit von COVID-19 Impfstoffen bzw. 12 Monate nach jeder Impfung bzgl. des Schutzes vor der Erkrankung befragt werden.