Versichertenbefragung

COVID-19-Antikörpertests: Bessere Aufklärung gefordert

Mehr als ein Drittel der Versicherten, die einen COVID-19-Antikörpertest gemacht haben, haben keine Information darüber erhalten, dass die Tests mit Unsicherheiten verbunden sind. Das geht aus einer Befragung des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) hervor.

Corona: Antikörpertests

Sechs Prozent der Befragten haben bereits einen COVID-19-Antikörpertest angeboten bekommen oder selbst danach gefragt. | peterschreiber.media - stock.adobe.com

Im Juli hat der MDS eine Versichertenbefragung beauftragt und eine stichprobenartige Recherche bei 50 Arztpraxen durchgeführt. Ziel war es, herauszufinden, ob solche COVID-19-Antikörpertests angeboten und angenommen werden und wie dabei die Aufklärung der Patienten erfolgt. Von 50 Arztpraxen bot die Hälfte Antikörpertests an, und nur zwei lehnten sie explizit ab. Meist wurden Labortests angeboten, zum Teil aber auch Schnelltests, von denen sowohl das Robert Koch-Institut als auch die Weltgesundheitsorganisation und die Fachgesellschaft der Hausärzte abraten. Zu diesem Schluss kommt der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) auf der Basis einer Versichertenbefragung.

Antikörpertests

Antikörpertests können eine zurückliegende Infektion mit dem SARS-Corona-Virus erkennen. Das Testergebnis reicht aber nicht aus, um Immunität nachzuweisen oder Infektiosität auszuschließen.

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Zu den Erfahrungen mit den COVID-19-Antikörpertests wurden rund 6.800 gesetzlich Krankenversicherte befragt. Sechs Prozent der Befragten haben bereits einen COVID-19-Antikörpertest angeboten bekommen oder selbst danach gefragt. Die Initiative ging jeweils zur Hälfte vom Patienten oder vom Arzt aus. Am häufigsten haben Patienten danach gefragt, wenn sie Wochen oder Monate vor dem Test Symptome hatten. Andererseits berichteten 54 Prozent der Befragten, dass sie den Antikörpertest angeboten bekamen, obwohl sie keinerlei Symptome hatten.

"Trügerische Sicherheit"

Die Versicherten wurden auch zur Motivation für den COVID-19-Antikörpertest befragt. Demnach stand der Wunsch, abklären zu lassen, ob man die Erkrankung bereits hatte und eine Immunität vorliegt, im Vordergrund. Andere verbanden damit die Hoffnung auf mehr Bewegungsfreiheit. „Die Rolle der COVID-19-Antikörpertests zur Feststellung der Immunität ist aber noch ungewiss. Es gibt noch keine sicheren Erkenntnisse dazu, ob und wie lange eine Immunität nach einer Infektion anhält“, sagt Dr. Michaela Eikermann, Leiterin des Bereichs „Evidenzbasierte Medizin“ des MDS.

Bei der Interpretation der Testresultate sind dem IGeL-Report zufolge die Patienten häufig allein gelassen worden. Mehr als ein Viertel der Getesteten sei im Unklaren darüber gelassen worden, wie sich ein positiver Test auf die Immunität auswirkt. Mehr als ein Drittel der Versicherten, die einen COVID-19-Antikörpertest gemacht haben, hätten keine Information darüber erhalten, dass die Tests mit Unsicherheiten verbunden sind. Knapp die Hälfte der Befragten sei nicht darüber aufgeklärt worden, dass falsch-positive Ergebnisse häufig möglich sind. „Besonders falsch-positive Ergebnisse bergen aber die Gefahr, dass sich Menschen in trügerischer Sicherheit wiegen“, erklärt Eikermann. „Sie denken COVID-19 kann ihnen nichts mehr anhaben und nehmen deshalb die Abstands- und Hygieneregeln möglicherweise nicht mehr ernst. Dadurch können sie sich und andere gefährden.“

 
Quelle: MDS, 25.08.2020