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Coronakrise: Sorge um Blutkrebspatienten

Allein in Deutschland erhält alle 15 Minuten ein Mensch die Diagnose Blutkrebs, das sind jedes Jahr rund 39.000 Neuerkrankungen. Für alle betroffenen Patientinnen und Patienten bedeutet die Corona-Pandemie eine enorme zusätzliche Belastung – und für viele auch ein erhöhtes Risiko.

Coronakrise - Leukämie

Mit großer Sorge beobachtet die DKMS den massiven Rückgang der Arztbesuche seit Beginn der Coronakrise. | PhotoGranary - stock.adobe.com

„Das Coronavirus darf nicht dazu führen, dass wichtige Arzttermine verschoben oder gar unterlassen werden. Eine zu spät gestellte Krebsdiagnose verhindert Heilungschancen! Blutkrebs geht nicht in Quarantäne“, betont Dr. Elke Neujahr, Vorsitzende der Geschäftsführung der Stammzellspenderdatei DKMS. Anlass zur Sorge bereiten Berichte und Erhebungen aus Fachkreisen, die auf einen anhaltenden Rückgang von Arztbesuchen und verspätete Diagnosen hinweisen. Und dies, obwohl hohe Sicherheitsvorkehrungen in Praxen und Kliniken gelten.

Kryokonservierung

Weltweit erhält alle 35 Sekunden ein Mensch die schockierende Diagnose Blutkrebs. Wie kann Blutkrebspatienten in Zukunft noch schneller geholfen werden? Die DKMS plant dazu den Aufbau einer Stammzellbank, wo überschüssige Blutstammzellen von unverwandten Spendern eingefroren und gelagert werden sollen.

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Dass sich die Situation in vielen Praxen und Kliniken Deutschlands seit Beginn der Coronakrise verändert hat, zeigt eine Umfrage des Marburger Bundes: 57 Prozent der 8.707 befragten Ärztinnen und Ärzte gaben an, ihr Arbeitsaufkommen habe seit Beginn der Coronakrise im März abgenommen. Bei gerade einmal 17,7 Prozent sei es gestiegen. Die Gründe: Operationen und das Notfallgeschehen gingen laut Marburger Bund zurück, während die Intensivmedizin aufgestockt wurde. Der Ausnahmecharakter durch die Gesundheitskrise werde auch dadurch deutlich, dass Ärztinnen und Ärzte von Kurzarbeit betroffen seien – insbesondere in Rehakliniken (54 Prozent) und im ambulanten Sektor (32 Prozent).

Veränderungen in der onkologischen Versorgung

Nach Aussagen der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) sind die Auswertungen zu Krebspatientinnen und –patienten in Kliniken und Praxen zwar noch unvollständig, es sei jedoch die Tendenz zu beobachten, dass die Zahl der im Frühstadium diagnostizierten Tumoren wie Darm- oder Brustkrebs zurückgehe. Auch seien einige der akut lebensbedrohlichen Krebserkrankungen – darunter Blutkrebserkrankungen – erst in sehr fortgeschrittenem Stadium diagnostiziert worden. „Es gibt Leukämie- oder Myelompatientinnen und –patienten mit Komplikationen, die wir so in den letzten Jahren eher nicht gesehen haben. Ebenso kommen Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenen soliden Tumoren, die in den letzten beiden Monaten nicht zur Frühdiagnostik oder zu Verlaufskontrollen vorstellig wurden“, sagt Prof. Dr. Hermann Einsele, DGHO-Vorsitzender und Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums Würzburg.

Die Corona-Task-Force, die zu Beginn der Krise vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebshilfe ins Leben gerufen wurde, beobachtet Veränderungen in der onkologischen Versorgung. Im Regelfall seien für Krebspatientinnen -patienten bisher „keine bedrohlichen Versorgungsengpässe“ festzustellen. Einschränkungen infolge der Krisensituation seien jedoch spürbar. Besorgniserregend sind verzögerte Abklärungs- und Früherkennungsuntersuchungen. Patientinnen und Patienten selbst entschieden sich offenbar häufig gegen den Arztbesuch – aus Angst, sich in der Praxis oder im Krankenhaus zu infizieren.

Nachsorge für Krebspatientinnen und -patienten

Dr. Elke Neujahr wendet sich eindringlich an alle Patientinnen und Patienten, Untersuchungstermine zur Abklärung verdächtiger Symptome und eventuell verschobene Therapien schnell wahrzunehmen. „Je früher eine Krebsdiagnose gestellt wird, desto größer sind die Überlebens- und Heilungschancen – auch für Blutkrebserkrankungen wie Leukämie!“ Die frühen Symptome einer Leukämie, zu denen zum Beispiel Blässe, Abgeschlagenheit oder häufige Erkältungen gehören können, sind oft sehr unspezifisch und treten auch im Zusammenhang mit deutlich harmloseren Krankheiten auf. Ärztinnen und Ärzte sind in der Lage, aus der Gesamtbetrachtung zu erkennen, ob möglicherweise eine schwere Erkrankung wie Blutkrebs vorliegen könnte. Sie führen dann die entsprechenden Tests und Untersuchungen durch.

Auch die Nachsorge für Krebspatientinnen und -patienten sei überaus wichtig und solle unbedingt wahrgenommen werden. „Die Sorge vor einer Ansteckung mit COVID-19 lässt sich durch einen Anruf beim behandelnden Arzt ausräumen. Praxen und Kliniken erfüllen hohe Vorsichtsmaßnahmen, klären darüber auf und richten sich insbesondere auf den Besuch von Risikopersonen so ein, dass Zweifel und Unsicherheiten genommen werden können“, so Dr. Elke Neujahr.

 

Eine hilfreiche Anlaufstelle bei Fragen zu Krebs und Corona ist auch der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), seit 2019 Kooperationspartner der DKMS, der einen FAQ-Katalog zu Fragen rund um Corona und Krebs erstellt hat.
www.krebsinformationsdienst.de
https://mediacenter.dkms.de/news/corona-und-krebs-faq/

 

Quelle: DKMS, 02.06.2020