Interview mit Marina Geisen

Coronakrise: Konsequenzen der Schließung einer MTA-Schule in Köln

Wegen des sich ausbreitenden Coronavirus wurden bundesweit die Schulen und Kindertageseinrichtungen geschlossen - meist bis zum Ende der Osterferien. Das betrifft auch die MTA-Schulen. Über ihre Erfahrungen in dieser außergewöhnlichen Situation berichtet im Telefoninterview mit MTA Dialog Marina Geisen, stellvertretende Schulleiterin an der MTA-Schule des St. Elisabeth Krankenhauses in Köln.

Marina Geisen

Marina Geisen | privat

Wie gehen aktuell die MTA-Schulen mit der Coronakrise um? Findet bei Ihnen noch Unterricht in irgendeiner Form statt, beziehungsweise wie sieht die Alternative aus?

Geisen: Der Unterricht findet zurzeit nicht in der Schule statt. Die Auszubildenden erhalten Unterrichtsmaterialien online zugesendet, die sie bearbeiten müssen. Auch für den praktischen Unterricht schicken wir den Schülern Unterrichtsmaterial zu, zum Beispiel Arbeitsanleitungen für bestimmte Testverfahren. Dies dient der direkten Umsetzung im praktischen Unterricht, der bei Zeiten nachgeholt wird, um die Lerninhalte direkt umzusetzen. Wir erwarten eigenverantwortliches Arbeiten, Erlernen und Bearbeiten der Unterrichtsunterlagen, da es sich um Auszubildende handelt, die eine Ausbildungsvergütung erhalten. 

Barbara Oschwald-Häg

Die Corona-Krise hat auch die Labore mit voller Wucht getroffen. Auf der einen Seite gibt es die SARS-CoV-2-Tests, auf der anderen Seite werden Routineanalysen weniger nachgefragt. Lesen Sie einen Erfahrungsbericht aus der Sicht eines Zentrallabors von Barbara Oschwald-Häg, Leitende Medizinisch-technische Assistentin.

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Was bedeutet das für das aktuelle Schuljahr, muss es eventuell wiederholt werden, wenn die Krise länger andauert? Könnte sich die Ausbildung eventuell verlängern?

Geisen: Davon gehe ich jetzt erstmal nicht aus, wobei das natürlich im Ermessen des Schulministeriums liegt. Nach Ostern erwarten wir eine Entscheidung des Schulministeriums, bezüglich der weiteren Vorgehensweise an den MTA-Schulen. Ich denke, dass sich die Ausbildung nicht verlängern wird, wenn wir am 20. April wieder starten können.

Wie kommen die Auszubildenden an die Lehrinhalte?

Geisen:  In Abhängigkeit von der technischen Ausstattung der Auszubildenden zu Hause senden wir die Unterrichtsmaterialien entweder per E-Mail oder per Post zu.

Helfen die Auszubildenden jetzt auch im Krankenhaus aus?

Geisen: Die Auszubildenden des Mittelkurses werden nach Möglichkeit bei unserem Kooperationspartner im Praktikum eingesetzt. Auszubildende des Unterkurses helfen in reduziertem Zeitumfang im Krankenhaus im pflegerischen Bereich aus und übernehmen Tätigkeiten, die ihrem Ausbildungsstand entsprechen.

Da wir einen Besucherstopp im Haus haben, können einige Patienten nur bedingt von ihren Angehörigen versorgt werden. So geben Verwandte beispielsweise Kleidung in beschrifteten Taschen am Eingang ab. Die Auszubildenden bringen diese dann auf Station, wo sie im Wechsel eine mit Namen beschriftete Tasche mit Schmutzwäsche entgegennehmen und zum Eingang zurückbringen.

Wir haben bei uns im Haus auch sehr viele ehrenamtliche Mitarbeiter, die zurzeit nicht kommen dürfen, weil sie meist schon älter sind und damit zur  Risikogruppe gehören. Deren Tätigkeiten, für die das Pflegepersonal keine Zeit hat, können die Auszubildenden ebenfalls mit übernehmen, soweit dies ihrem Ausbildungsstand angemessen ist. Natürlich setzen wir die Auszubildenden nicht für Tätigkeiten ein, bei denen sie überfordert wären. An dieser Stelle möchte ich betonen, die Hygienestandards werden strikt eingehalten.

Was bedeutet das für Sie als stellvertretende Schulleitung, wie gehen Sie aktuell mit der Krise um?
Geisen: Es ist unheimlich viel zu organisieren, es sind viele Besprechungen zu führen und Informationsaufgaben weiterzugeben. Wir müssen sehr häufig auf Änderungen reagieren. In den ersten Tagen kamen diese Änderungen teilweise stündlich. Was machen wir mit den Mitarbeitern? Die Mitarbeiter sind zum Teil im Homeoffice, müssen aber die Auszubildenden mit Unterrichtsmaterial versorgen. Wie viel Lernstoff ist den Auszubildenden zuzumuten? Wie koordinieren wir das und wer koordiniert das? Jetzt fangen wir an zu planen, für den Fall, dass am 20. April die Schulen wieder geöffnet haben: Wie legen wir Unterrichtspläne, wie komprimieren wir sie? Welche Fächer haben wir schon abgeschlossen? Welche Klausuren hätten wir in diesem Zeitplan geschrieben, als die Schule zu war? Wann legen wir die neuen Termine für die Klausuren? Ist das überhaupt möglich? Teilweise haben Kolleginnen auch im Mai, Juni oder Juli Urlaub beantragt, was wir natürlich berücksichtigen. Es ist sehr viel zu organisieren und kurzfristige Änderungen können die Abläufe deutlich erschweren.

Gibt es bei den Lehrkräften bereits Kurzarbeit?
Geisen: Nein, es gibt derzeit keine Kurzarbeit bei den Lehrkräften.

Wie gehen die Auszubildenden mit der aktuellen Situation um?
Geisen: Vor allem in den ersten Tagen war es nicht einfach für die Auszubildenden. Wir haben sie zwar umfänglich und kurzfristig informiert, aber wir konnten nicht alle Informationen sofort weitergeben, weil diese sich ja zum Teil stündlich verändert haben. Aber im Großen und Ganzen gehen die Auszubildenden sehr gefasst mit der Situation um. 

Welches Fazit ziehen Sie aus der bisherigen Zeit der Schulschließung?
Geisen: Zu erwähnen ist auf jeden Fall die hervorragende Zusammenarbeit in unserem Team, dazu gehören insbesondere unsere Schulleiterin Frau Tekotte sowie Frau Hawemann und Frau Kaminski sowie alle anderen Kolleginnen.

Die Coronakrise stellt auch für die MTA-Schulen eine große Herausforderung dar. So haben wir sehr viel Organisationsarbeit zu leisten. Ich bin jedoch sehr zuversichtlich, dass wir die Herausforderungen gemeinsam meistern werden.

Die Fragen stellten Gisela Klinkhammer und Ludwig Zahn.