Erfahrungsbericht

Corona-Krise und die Auswirkungen auf ein Zentrallabor

Die Corona-Krise hat auch die Labore mit voller Wucht getroffen. Auf der einen Seite gibt es die SARS-CoV-2-Tests, auf der anderen Seite werden Routineanalysen weniger nachgefragt. Lesen Sie einen Erfahrungsbericht aus der Sicht eines Zentrallabors von Barbara Oschwald-Häg, Leitende Medizinisch-technische Assistentin.

Barbara Oschwald-Häg

Barbara Oschwald-Häg | privat

Dies kann sicherlich immer nur eine Momentaufnahme sein, da sich beinahe täglich Änderungen ergeben. Das ist für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Gesundheitsberufen aktuell besonders belastend und eine große Herausforderung:

  1. Auf Grund von OP-Absagen und Aufnahmestopps von Patienten, die jetzt nicht zwingend in die Klinik müssen, hat das Labor viel weniger zu tun als vorher. Eine Ausnahme sind die Blutgasanalysen, die vermehrt durchgeführt werden. Wir sind noch für die BGA-Bestimmung in der Notaufnahme zuständig, jedoch ist diese getrennt nach „normalen“ Patienten und „SARS-CoV-2“ verdächtigen Patienten.
  2. Die Hygienevorschriften haben sich im Labor nicht wesentlich geändert, da für uns schon immer die Ansage galt, dass wir jede Probe als potenziell infektiös behandeln müssen (es werden jedoch vermehrt Handschuhe getragen und gewechselt).
  3. Desinfektionsmittel und auch Mundschutz sind sparsam und sinnvoll einzusetzen, wir werden für die erforderliche Schutz-Ausrüstung entsprechend mit beliefert.
  4. Der Versand von Abstrichen in unser Partnerlabor für die SARS-CoV-2-PCR-Untersuchung muss getrennt und extra beschriftet werden (Mehraufwand).
  5. Wir haben derzeit eine Urlaubssperre bis zum 3. Mai, benötigen jedoch weniger Personal, die ich jetzt in überstundenfrei schicke, was zu Minusstunden führt und Resturlaube bleiben bestehen. Also komme ich hier in einen Konflikt. Aber ich habe keinen Spielraum, da die Anordnung von der Geschäftsführung so beschlossen wurde.
  6. Unser Risikomanagement ist derart gestaltet, dass wir im Labor zwei Arbeits-/Einsatzgruppen gebildet haben, damit nicht alle MTA miteinander in Kontakt kommen und wir somit MTA, die jetzt zuhause sind, dann einsetzen können, falls es zu Krankheitsausfällen kommt. Wir haben aktuell eine Kollegin, die wegen Expositionsgefahr im häuslichen Umfeld nun auf SARS-CoV-2 getestet wird und laut den RKI-Empfehlungen für einige Zeit zuhause bleiben muss.

Es ist wirklich eine angespannte Situation ohne Ausblick auf konkretes Ende…ich muss jeden Tag neu entscheiden, wie wir die Anfragen der Schnittstellen (Pflege, Ärzte, Verwaltung, Hygiene) im Labor umsetzen, das bedeutet viele Besprechungen und Informationsweitergabe im Team und das ist sehr anstrengend.