Geschlechtskrankheiten

Chlamydien: Neuer Angriffspunkt für Medikamente?

Wenn sich Chlamydien, die Geschlechtskrankheiten auslösen, in der Zelle eines Menschen vermehren wollen, brauchen sie als erstes viel Glutamin. Ein Würzburger Forschungsteam hat geklärt, wie sich die krankheitserregenden Bakterien diesen Stoff beschaffen.

Chlamydien

Links ruhende Chlamydien (helle Kreise), die ohne Glutamin gehalten werden. Nach der Zugabe von Glutamin (rechts) gehen die Bakterien in die Teilungsstadien über (dunklere Kreise). | Lehrstuhl für Mikrobiologie Universität Würzburg

Chlamydien sind Bakterien, die Geschlechtskrankheiten auslösen. Sie verursachen die meisten Geschlechtskrankheiten in Deutschland. Die Bakterien sind sexuell übertragbar und können Entzündungen in der Harnröhre, der Scheide oder im Analbereich auslösen. Wird eine Infektion rechtzeitig entdeckt, lässt sie sich mit Antibiotika gut therapieren. Allerdings ist das größte Problem dabei: Die Infektion verläuft in der Regel ohne spürbare Symptome. Sie bleibt darum meist unbemerkt – das erleichtert die Verbreitung der Erreger und kann zu schweren oder chronischen Krankheitsverläufen wie Gebärmutterhals- und Eierstockkrebs führen. Auch das Risiko einer dauerhaften Unfruchtbarkeit besteht. Weltweit sind rund 130 Millionen Menschen mit Chlamydien infiziert. Im Menschen können sie nur überleben, wenn sie in seine Zellen eindringen. Denn nur dort finden sie das nötige Baumaterial für ihre Vermehrung. Und die geht auf relativ simple Weise vor sich: Die Bakterien errichten ein kleines Bläschen in der Zelle und teilen sich darin über mehrere Generationen hinweg.

Angriffspunkt für Medikamente?

Doch wie sieht der entscheidende Schritt aus, der die Vermehrung der Bakterien einleitet? Bislang war er nicht bekannt. Ein Forschungsteam der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) hat ihn jetzt entdeckt. Das könne sehr wichtig sein, weil gerade der erste Schritt zur Vermehrung der Erreger ein guter Angriffspunkt für Medikamente sein dürfte, so die Wissenschaftler.

Chlamydia trachomatis

In der Schweiz wie auch in vielen weiteren Industrieländern sind Chlamydien die häufigste sexuell übertragbare Krankheit. Ein internationales Forschungsteam zeigt nun, dass bisherige Präventionsmaßnahmen zu wenig greifen, und empfiehlt ein neues Vorgehen.

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Stoffwechsel wird umprogrammiert

Der erste Schritt bestehe bei den Chlamydien darin, dass sie den Stoffwechsel ihrer menschlichen Wirtszellen umprogrammieren. Die Zellen importieren daraufhin verstärkt die Aminosäure Glutamin aus ihrer Umgebung. Klappt das nicht, etwa weil das Glutamin-Importsystem nicht funktioniert, dann können sich die bakteriellen Erreger nicht mehr vermehren. Das berichtet ein JMU-Team um Dr. Karthika Rajeeve, die inzwischen Professorin an der Aarhus-Universität in Dänemark ist, und Professor Thomas Rudel.

Viel Glutamin benötigt

„Die Chlamydien brauchen viel Glutamin, um das ringförmige Molekül Peptidoglykan zu synthetisieren“, erklärt Professor Rudel, der im Biozentrum der JMU den Lehrstuhl für Mikrobiologie leitet. Dieses Ringmolekül ist bei Bakterien generell ein Baustoff der Zellwand. Die Chlamydien nutzen es für den Aufbau einer neuen Wand, die im Zuge der Teilung in die Bakterienzelle eingezogen wird.

Als nächstes möchte das JMU-Team die Frage klären, welche Bedeutung der Glutaminstoffwechsel bei der chronischen Infektion mit Chlamydien hat. Daraus ergeben sich vielleicht Hinweise, mit denen man die Entstehung schwerer Erkrankungen in Folge der Infektion besser verstehen kann.

 

Literatur:

Karthika Rajeeve, Nadine Vollmuth, Sudha Janaki-Raman, et al.: Reprogramming of host glutamine metabolism during Chlamydia trachomatis infection and its key role in peptidoglykan synthesis. Nature Microbiology, 3. August 2020, DOI: 10.1038/s41564-020-0762-5.

 

Quelle: idw/Julius-Maximilians-Universität Würzburg