Genschere

Chemie-Nobelpreis für Emmanuelle Charpentier und Jennifer A. Doudna

Lange galt Emmanuelle Charpentier als heiße Anwärterin auf den Nobelpreis. In diesem Jahr war es zusammen mit Jennifer A. Doudna soweit. Beide haben eines der schärfsten Werkzeuge der Gentechnologie entdeckt: die Genschere CRISPR/Cas9.

Nobelpreis Chemie 2020

Die beiden Preisträgerinnen | Nobel Media, III. Niklas Elmehed

Mit ihr können Forscher die DNA von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen mit höchster Präzision verändern. Diese Technologie hat einen revolutionären Einfluss auf die Biowissenschaften gehabt, trägt zu neuen Krebstherapien bei und könnte den Traum von der Heilung vererbter Krankheiten wahr werden lassen, so das Nobelpreiskomittee. Mit CRISPR/Cas9 ist es nun möglich, den Code des Lebens im Laufe weniger Wochen zu verändern.

“There is enormous power in this genetic tool, which affects us all. It has not only revolutionised basic science, but also resulted in innovative crops and will lead to ground-breaking new medical treatments,” sagte Claes Gustafsson, chair of the Nobel Committee for Chemistry.

Wie so oft in der Wissenschaft war die Entdeckung mehr oder weniger ein Zufall. Während Emmanuelle Charpentiers Studien über Streptococcus pyogenes entdeckte sie ein bisher unbekanntes Molekül, die tracrRNA. Ihre Arbeit zeigte, dass die tracrRNA Teil des alten Immunsystems von Bakterien, CRISPR/Cas, ist, das Viren durch die Spaltung ihrer DNA unschädlich macht. Charpentier veröffentlichte ihre Entdeckung im Jahr 2011. Im selben Jahr begann sie eine Zusammenarbeit mit Jennifer Doudna, einer erfahrenen Biochemikerin mit umfassenden Kenntnissen über RNA. Gemeinsam gelang es ihnen, die Genschere der Bakterien in einem Reagenzglas nachzubauen und die molekularen Bestandteile der Schere zu vereinfachen, sodass sie einfacher zu benutzen war. In einem bahnbrechenden Experiment programmierten sie dann die Genschere um.
 
Quelle: Nobel Media