Interreg-Projekt „HomeHemo“

Blutwerte bei Leukämie zu Hause überwachen



Trotzdem gibt es verschiedene Hürden für eine Anwendung in häuslicher Umgebung. „Besonders schwierig kann das bei jungen Kindern sein“, sagt Schewe. „Hier ist dann zum Beispiel von den Eltern gefordert, Kinder zu beruhigen, ihnen die Angst zu nehmen und zugleich valide Testergebnisse zu gewinnen. Damit dies gelingt, muss die Durchführung solcher Selbsttests so einfach wie möglich gestaltet sein“, so Schewe weiter.

Pilotprojekt startet im Sommer

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, wollen die Projektpartner aus Schleswig-Holstein und Dänemark bereits im Sommer mit einer Pilotphase beginnen. Eine Gruppe von Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern soll dann in ärztlicher Begleitung die derzeit in Entwicklung befindlichen Testprozeduren erproben. Die ärztliche Überwachung dieser Projektphase dient unter anderem dazu, die Qualität der gewonnenen Daten zu kontrollieren. Ziel ist es, die Selbsttests so zu optimieren, dass ihre Ergebnisse mit den routinemäßigen Tests durch medizinisches Personal übereinstimmen. Hierzu werden die Messungen der Selbsttests mit den klinischen Kontrollmessungen verglichen. Zusätzlich werden die Probandinnen und Probanden von einem Evaluationsteam begleitet.

In qualitativen Befragungen können die Betroffenen ihre Erfahrungen schildern und beschreiben, wie sie mit der Durchführung zurechtkommen und welche Probleme für sie aufgetreten sind. „Neben den Aspekten von Validität und Reliabilität der Messungen ist es uns wichtig, die Benutzerfreundlichkeit zu analysieren. Schließlich muss die Technik nahezu selbsterklärend für die Patientinnen und Patienten sein. Wir hoffen, durch das neue Versorgungselement „HomeHemo“ die Belastungen, die durch häufige Krankenhausbesuche für Betroffene entstehen, reduzieren zu können“, sagt Versorgungsforscher Frielitz. Darauf aufbauend wollen die Projektverantwortlichen ein Schulungsangebot entwickeln, dass Patientinnen und Patienten und ihren Angehörigen die sichere und intuitive Anwendung der Tests vermitteln soll. Dass Krankenhauskapazitäten und Gesundheitsbudgets so künftig geschont werden könnten, ist ein erhoffter weiterer Effekt des Projekts.

Einbindung in die Telemedizin

Über die demnächst anlaufende Machbarkeitsstudie hinaus planen die Projektteams in Schleswig-Holstein und Seeland bereits den nächsten Schritt: Nach der Entwicklung des eigentlichen Testverfahrens wollen sie die Daten aus den Heimtests künftig in ein telemedizinisches System einbinden. „Die nächste Frage für uns ist: Wie kommen die Patientendaten zu den Ärztinnen und Ärzten?“, sagt Schewe. „Damit die Bluttests zu Hause Sinn machen, ist eine möglichst einfache Übertragung besonders wichtig. Wir planen mit verschiedenen Möglichkeiten, zum Beispiel der Bluetooth-Übertragung der Blutwerte an Mobilgeräte oder der sicheren Weiterleitung der Ergebnisse in eine elektronische Patientenakte via App“, so Schewe weiter.

Bei der Entwicklung der dafür nötigen IT-Infrastrukturen wollen die Partnerinstitutionen auf Erfahrungen aus Schleswig-Holstein und Seeland zurückgreifen. So ist zum Beispiel mit „KULT-SH: Telemedizin mit krebskranken Kindern“ bereits ein Projekt am UKSH in Kiel gestartet, das die Möglichkeiten der Digitalisierung zur Verbesserung der Versorgung von jungen Krebspatientinnen und -patienten erschließen soll. Um auch das „HomeHemo“-Projekt vollständig umzusetzen und in die bestehende Infrastruktur einzubinden, wollen die Projektpartner im kommenden Jahr umfangreiche Folgeförderungen bei der Europäischen Union beantragen und damit die grenzübergreifende Zusammenarbeit für eine verbesserte Krankenversorgung, Wissensaustausch und Innovation vorantreiben.


Quelle: CAU, 17.05.2021