Universitätsmedizin Mainz

Biobank für Bioliquide erhält Robotikplattform

Das Time-Magazine wählte das Biobanking im Jahr 2009 zu einer der zehn wichtigsten Ideen unseres Jahrhunderts. Die Biobank für Bioliquide der Universität Mainz erhält nun eine Robotikplattform zur Unterstützung der Pipettierarbeit im Labor.

Univ. Prof. Dr. Philipp Wild, Leiter der Biobank für Bioliquide und Dr. Antonio Pinto, Biobankmanager, vor der neuen Robotikplattform | © Peter Pulkowski (Universitätsmedizin Mainz)

Für die medizinische Grundlagenforschung sind Biobanken mittlerweile unverzichtbar. Darin werden Gewebeproben, Blut und andere Körperflüssigkeiten gelagert, die Schlüsselrollen in der Entdeckung wichtiger Forschungsergebnisse einnehmen. Die Biobank in Mainz erhält nun Unterstützung von einer Robotikplattform für 300.000 Euro. Ein Pipettierroboter soll in der Biobank für Bioliquide der Universität Mainz in Betrieb genommen werden. Im Hochdurchsatz schafft es der Roboter, stündlich mehr als 700 Proben auf kleine Röhrchen aufzuteilen und für die Tiefkühllagerung vorzubereiten.

Automatisierte Sammlungen und Langzeitlagerung

In der 2016 errichteten Biomaterialbank Mainz (BMBM) lagern mittlerweile schon fünf Millionen Gewebeproben, aufgeteilt in die Bereiche Gewebebank und Biobank für Bioliquide. Sie gehört zu den größten Biobanken ihrer Art in Deutschland. Neben den Gewebeproben und Blut werden dort auch Zellen und anonymisierte DNA-Proben gelagert, die beispielsweise von Bevölkerungsstudien wie der Gutenberg-Gesundheitsstudie gesammelt wurden. Zur Erforschung komplexer Krankheiten können Bioproben wichtige Informationen liefern, die beteiligten genetischen Faktoren zu identifizieren und zu bewerten. Sie dienen letztlich dazu, neue Therapieoptionen zu entwickeln und halten für den Patienten somit hohen Mehrwert.

Laboratoriumsmedizin

Biobanken für Frisch- und Kryogewebe sollen auch künftige, heute noch unbekannte Bereiche abdecken können. Diese Aufgabe kann die Laboratoriumsmedizin in Kooperation mit verschiedenen Fachdisziplinen sehr gut leisten und so die Qualität künftiger Biobankprozesse sichern.

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Doch diese großen Sammlungen und Langzeitlagerungen erfordern ein hohes Maß an Automatisierung. Mit manuellen Sammel- und Lagerstrategien lassen sich die Massen an Material und auch die Richtlinien der Qualitätsmanagementsysteme kaum bewerkstelligen. „Der Weg von manuellen Systemen hin zu automatisierten Systemen ist alternativlos, um mittel- und langfristig als Biobank auf internationale Akzeptanz zu stoßen", unterstreicht Prof. Dr. Philipp Wild, vom Zentrum für Kardiologie und Leiter der Biobank. „Nicht zuletzt ist eine hochmoderne Biobank eine der zentralen Voraussetzungen, um für nationale und internationale Forschungskooperationen attraktiv zu sein. Deshalb ist die Anschaffung der neuen Robotikplattform ein wichtiger Schritt für den Übergang in die Ära der automatisierten und standardisierten Probenverarbeitung."

Zeit für komplexere Forschungsarbeiten

Mithilfe der Robotikplattform können Proben nun mit gleichmäßig hoher Qualität in verschiedenen Materialarten prozessiert werden. Über ein Greifsystem ist der Roboter in der Lage, Plasma, Serum oder Urin von Studienteilnehmern in gleichmäßigen Mengen auf rund drei Zentimeter große Probenröhrchen zu verteilen und für die Tiefkühllagerung vorzubereiten. Für diverse Forschungsprojekte können so über 700 Proben stündlich automatisiert aufbereitet werden. Qualifizierte Laborkräfte können sich in ihrer Arbeit nun  komplexeren Forschungsarbeiten widmen.

Quelle: Pressemitteilung der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (22.02.2017)