Medizin

Beurteilung von Röntgenbildern bei Rheumapatienten verbessern

Preis der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie
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Rheuma peterschreiber.media, stock.adobe.com
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Computergestützte Diagnoseverfahren können die Röntgenanalyse erheblich verbessern, präzisieren und beschleunigen. Dies kann besonders auch bei Rheuma helfen. Für seine Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet erhält PD Dr. med. Alexander Pfeil in diesem Jahr den Rudolf-Schoen-Preis der Stiftung der DGRh.

Röntgenaufnahmen zeigen Rheumatologen den Zustand der Gelenke ihrer Patienten und erlauben ihnen ein Urteil über die Wirksamkeit einer medikamentösen Behandlung. Für seine Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet erhält Privatdozent Dr. med. Alexander Pfeil vom Universitätsklinikum Jena in diesem Jahr den mit 10.000 Euro dotierten Rudolf-Schoen-Preis der Stiftung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (DGRh).

Veränderungen oft schwer zu erkennen

Für die Beurteilung von Röntgenbildern brauchen Rheumatologen ein gutes Auge. Veränderungen an den Gelenken sind vor allem bei Rheuma im Frühstadium schwer zu erkennen. Bisher vergibt der Arzt für jedes untersuchte Gelenk Punkte, die sich zum sogenannten „Sharp-Score“ addieren. Im Jahr 2013 konnte Dr. Pfeil in einer Studie zeigen, dass eine Computer-assistierte Gelenkspaltweitemessung (CAJSA) die Beurteilung der Fingergelenke verbessert. Zerstört eine rheumatische Entzündung den Gelenkknorpel, verengt sich der Gelenkspalt zwischen den Knochen. Dieser Abstand lässt sich mit der CAJSA und einem von Dr. Pfeil entwickelten Z-Score genauer beurteilen als mit dem Sharp Score. Die Wirksamkeit der Medikamente Leflunomid und Methotrexat war nur mit dem Z-Score frühzeitig erkennbar (Arthritis Research & Therapy 2013, 15: R27). Eine weitere Studie bestätigte die hohe Genauigkeit des CAJSA bei der Unterscheidung von gesunden und rheumatisch erkrankten Gelenken (Joint Bone Spine 2013; 80: 380-385).

Präzise Messung der Knochenmineraldichte mit DXR

Eine weitere Folge von entzündlich-rheumatischen Gelenkerkrankungen ist ein Knochenmineraldichteverlust im Bereich der entzündeten Gelenke. Die digitale Radiogrammetrie (DXR) als weiteres computer-basiertes Analyseverfahren ermöglicht eine präzise Messung der Knochenmineraldichte im Bereich der Hand. Auch hier ließen sich die Auswirkungen der Behandlung mit Leflunomid und Methotrexat besser beurteilen als mit dem Sharp Score (BMC Musculoskeletal Disorders 2015; 16: 155).

Die DXR kann auch genutzt werden, um die Gelenkveränderungen zu beurteilen, zu denen es bei einem Drittel aller Menschen mit der Schuppenflechte Psoriasis kommt. Mit der Software „BoneXpert“ gelang es Dr. Pfeil in einer Studie, die verschiedenen Stadien der Erkrankung besser zu unterscheiden (Arthritis Research & Therapy 2016; 18: 248).

Technik bei Biologika eingesetzt

Inzwischen setzen Rheumatologen die digitalen Techniken auch zur Beurteilung der modernsten Rheuma-Medikamente ein: Biologika können den Krankheitsverlauf stoppen und weitere Schäden am Gelenk verhindern. Dr. Pfeil zeigte dies in der RAPID 1-Studie, die schließlich auch die  Grundlage für die Zulassung des Biologikums Certolizumab bildete. Die Analyse der Röntgenbilder mit der CAJSA-Software zeigte, dass sich der Gelenkspalt in den Fingergelenken unter der Behandlung mit Certolizumab nicht veränderte, während er unter einer konventionellen Therapie eine weitere Verschmälerung aufzeigte (Arthritis Research & Therapy 2020; 22: 229). Zu ähnlichen Ergebnissen kam eine DXRAnalyse der Knochenmineraldichte (Rheumatoly International 2019; 39: 637-645).

Über Dr. Pfeil

Geboren im Jahr 1979 in Stollberg, schloss Privatdozent Dr. Alexander Pfeil sein Medizinstudium an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena ab. Dort begann er auch seine berufliche Laufbahn – zunächst in der interventionellen Radiologie, worin er eine umfassende Ausbildung mit Fokus auf die rheumatologische Bildgebung absolvierte. Der Rheumatologe leitet heute stellvertretend den Funktionsbereich Rheumatologie der Klinik für Innere Medizin und die rheumatologische Tagesklinik sowie den stationären Bereich Rheumatologie am Universitätsklinikum Jena. Seine Habilitation zum Thema „Computerassistierte Gelenkspaltweitemessung der Fingergelenke – Methodik und klinische Evaluierung bei Patienten mit rheumatoider Arthritis“ schloss er im Jahr 2014 ab.

Mit dem Rudolf-Schoen-Preis für Rheumatologie ehrt die Stiftung der DGRh hervorragende wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Rheumatologie. Sie möchte damit junge Wissenschaftler in der Rheumaforschung fördern und in ihrer Arbeit unterstützen. Der Vorstand der Schoen-Stiftung begutachtet die eingesandten Arbeiten und entscheidet über die Preisvergabe. In diesem Jahr fand die Ehrung virtuell auf dem Deutschen Rheumatologiekongress statt. Laudator Prof. Specker dankte Dr. Pfeil für seine vielfältigen Aktivitäten in der DGRh und wünschte ihm weiterhin alles Gute.

Literatur:
  1. Pfeil A, Oelzner P, Bornholdt K, et al.: Joint damage in rheumatoid arthritis: assessment of a new scoring method. Arthritis Res Ther 15, R27 (2013), DOI: doi.org/10.1186/ar4163.
  2. Pfeil A, Krojniak L, Renz DM, et al.: Psoriatic arthritis is associated with bone loss of the metacarpals. Arthritis Res Ther 18, 248 (2016), DOI: doi.org/10.1186/s13075-016-1145-4.
  3. Pfeil A, Oelzner P, Renz DM, et al.: Is there a role for Digital X-ray Radiogrammetry as surrogate marker for radiological progression and imaging of structural integrity in rheumatoid arthritis? BMC Musculoskelet Disord 16, 155 (2015), DOI: doi.org/10.1186/s12891-015-0577-3.
  4. Pfeil A, Renz DM, Hansch A, et al.: The usefulness of computer-aided joint space analysis in the assessment of rheumatoid arthritis. Joint Bone Spine, Volume 80, Issue 4, 2013, Pages 380-385, DOI: doi.org/10.1016/j.jbspin.2012.10.022.
  5. Pfeil A, Nussbaum A, Renz DM, et al.: Inhibition of periarticular bone loss is associated with clinical remission and ACR70-Response in rheumatoid arthritis. Rheumatol Int 39, 637–645 (2019), DOI: doi.org/10.1007/s00296-018-4226-7.
  6. Pfeil A, Nussbaum A, Renz DM, et al.: Radiographic remission in rheumatoid arthritis quantified by computer-aided joint space analysis (CASJA): a post hoc analysis of the RAPID 1 trial. Arthritis Res Ther 22, 229 (2020), DOI: doi.org/10.1186/s13075-020-02322-9.


Quelle: idw/ DGRh

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