Mit MRT

Bessere Risikobeurteilung bei koronarer Herzkrankheit

Mit einer kurzen Untersuchung im Magnetresonanztomographen kann das Risiko für schwerwiegende Komplikationen bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit wesentlich besser eingeschätzt werden als mit bisher eingesetzten Parametern.

Herz

Herz | Fotolia/yodiyim

Bei einer koronaren Herzkrankheit, kurz KHK, sind die Herzkranzgefäße nicht mehr in der Lage, den Herzmuskel mit ausreichend sauerstoffreichem Blut zu versorgen. Dies kann zu Herzinfarkten mit Vernarbung des Gewebes führen. Durch die heute übliche schnelle Wiedereröffnung verschlossener Gefäße hat sich die Größe der Herzinfarkte deutlich verringert. Trotz dieser Fortschritte ist die KHK immer noch die Hauptursache für Herzerkrankungen und damit verbundener Todesfälle. In einer Studie mit 665 KHK-Patienten konnten DZHK-Wissenschaftler (Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung [DZHK]) am Standort RheinMain jetzt zeigen, dass das während einer Magnetresonanztomographie (MRT)-Untersuchung des Herzens erstellte sogenannte native T1-Mapping besser als alle bisher verwendeten Parameter für die Beurteilung der Überlebensrate ist. Natives T1-Mapping erlaubt die frühzeitige und nicht-invasive Erkennung gefährlicher Umbauprozesse im Herzen und eröffnet damit die Möglichkeit, diese Prozesse beizeiten zu behandeln.

Frühzeitige Therapieanpassung

„Wir verfügen bereits über sehr gute Therapien, die den schädigenden Umbauprozessen im Herz entgegenwirken und sie aufhalten können“, sagt Privatdozentin Dr. Valentina Puntmann, DZHK-Wissenschaftlerin am Universitätsklinikum Frankfurt und Erstautorin der Studie. „Mittels nativem T1-Mapping können wir sie noch besser einsetzen, sodass mögliche Folgeerkrankungen der KHK wie Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen erst gar nicht auftreten.“ Mit dem nativen T1-Mapping werden schädigende Prozesse im nicht durch einen Herzinfarkt vernarbten Gewebe erkannt, etwa Entzündungen oder diffus verteilte krankhafte Vermehrungen des Bindegewebes, das sogenannte „Remodelling“. Weitere klinische Studien sind jedoch nötig, um zu prüfen, ob die Patienten von einer Therapiesteuerung durch T1-Mapping bezüglich ihrer Überlebensrate und Lebensqualität profitieren.

CT mit normalen Herzkranzgefäßen

In Deutschland werden jedes Jahr fast eine Million Herzkatheteruntersuchungen durchgeführt. Eine in The BMJ publizierte Studie der Charité – Universitätsmedizin Berlin vergleicht die Computertomographie (CT) mit dem Herzkatheter bei Patienten mit untypischen Brustschmerzen und dem Verdacht auf eine KHK.

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Neue ergänzende Risikobeurteilung

Zurzeit werden die Überlebensrate und das Risiko für ernsthafte Komplikationen bei KHK-Patienten über Risiko-Scores und die Pumpfunktion der linken Herzkammer beurteilt. Diese sogenannte Auswurffraktion des linken Herzventrikels (LVEF) wird meistens mit einer Ultraschalluntersuchung des Herzens bestimmt. Leider kann diese Methode weder geringgradige Verschlechterungen erfassen, noch den Herzmuskel selbst direkt beurteilen, so dass sogar bei wiederholten Messungen möglicherweise keine Therapie eingeleitet wird. In der Studie war das T1-Mapping bisherigen Parametern bezüglich der Aussagekraft für die Überlebensrate klar überlegen, obwohl die Magnetresonanztomographie die LVEF deutlich besser als der Ultraschall erfassen kann. „Dieses Ergebnis verdeutlicht, wie wichtig es ist, Prozesse direkt im Gewebe zu erkennen und sich nicht nur auf die Folgen der strukturellen Veränderungen, wie eine geringere LVEF, zu verlassen, die oft späte Zeichen der Schädigung sind“, sagt Puntmann.

Das Ausmaß von bereits vernarbtem Herzmuskelgewebe wird im MRT mithilfe des Kontrastmittels Gadolinium beurteilt, was als late gadolinium enhancement (LGE) bezeichnet wird. Schon dieser Marker ist für die Prognose von Patienten nach einem Herzinfarkt aussagekräftiger als die Pumpfunktion. Er liefert aber keine Information über aktive Prozesse in nicht Infarkt-geschädigtem Herzmuskel. Diese Information wird jedoch zunehmend wichtiger, weil durch die guten Herzinfarkt-Therapien die Patientengruppe mit keinem oder nur wenig vernarbtem Herzmuskelgewebe immer größer wird.

In der Studie erreichte die Kombination aus T1-Mapping des nicht Infarkt-geschädigten Herzmuskels in Kombination mit LGE die besten Hinweise für zukünftige schwere Komplikationen. Die Frankfurter Wissenschaftler sehen in ihren Ergebnissen daher die Grundlage für eine neue sich ergänzende Risikobeurteilung durch T1-Mapping und LGE.

Patienten-Odyssee vermeiden

Die Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit profitieren schon jetzt vom T1-Mapping. Denn viele fühlen sich bereits schlecht, bevor es zu messbaren Schäden kommt. Auf der Suche nach der Ursache für ihre Beschwerden durchlaufen dann viele von ihnen eine regelrechte Odyssee von Krankenhaus zu Krankenhaus. „Manche haben bereits fünf oder sechs Krankenhäuser aufgesucht, bevor sie zu uns kommen“, berichtet Puntmann. „Mit der T1-Messung können wir ihre Missempfindungen jetzt belegen, sie fühlen sich ernst genommen und unterstützt.“ Weiteres Plus: Das sogenannte T1-Mapping ist eine unkomplizierte Untersuchung. Sie dauert nur 20 Minuten, die Patienten müssen keine Kontrastmittel einnehmen und sind keiner Strahlenbelastung ausgesetzt.

Ebenso wertvoll wie Troponin

Für die Ärzte ist das T1-Mapping auch deshalb so wertvoll, weil es sich quantifizieren lässt. „Niedrige Werte sind noch kein Anlass zur Sorge und genau wie für den Biomarker Troponin bei der Herzinfarkt-Diagnose, können wir auch für T1 Schwellenwerte definieren, ab denen es kritisch wird“, erklärt Puntmann.

Neben Frankfurt bieten zurzeit auch die an der Studie beteiligten DZHK-Standorte Bad Nauheim und Berlin den Service der T1-Messung an. Jetzt geht es den Frankfurter Wissenschaftlern darum, weitere Herz-Kreislauf-Zentren mit ihrer Methode des T1-Mapping auszustatten und die Methode in der klinischen Praxis zu implementieren. (idw, red)

 

Literatur:

Puntmann, Gebker, Kelle, Zitzmann, Herrmann, Zeiher, Nagel: Native T1 and ECV of Noninfarcted Myocardium and Outcome in Patients With Coronary Artery Disease. Journal of the American College of Cardiology Feb 2018, 71 (7) 766-778, DOI: 10.1016/j.jacc.2017.12.020.