Neue Studie

Auswirkungen von Internet-Gaming auf das Gehirn

Viele Studien haben schon bewiesen, wie schlecht und teilweise auch gesundheitsschädigend es ist, wenn man den ganzen Tag vor dem Computer sitzt, nicht nur für die Augen, sondern auch für den Rücken. Jetzt wurde die Auswirkung auf das Gehirn untersucht.

 

Internet Gaming

Christian Montag forscht am Institut für Psychologie und Pädagogik der Uni Ulm. | Elvira Eberhardt

In einer neuen Studie haben Forscher um Professor Christian Montag, Leiter der Abteilung Molekulare Psychologie an der Universität Ulm, festgestellt, dass sogar das Hirnvolumen schrumpft, wenn man zu viel Zeit vor dem Computer verbringt. Vor allem, wenn täglich stundenlang Computerspiele, wie zum Beispiel das Online-Fantasy-Spiel „World of Warcraft“ („WoW“), gespielt werden. Dies weist auch auf das wachsende Problem der Computerspielabhängigkeit oder auch „Internet Gaming Disorder“ hin.

Juniorprofessor Marc Herrlich

Computerspiele und ihre Techniken sind nicht nur auf der Gamescom gefragt. 3D-Modelle, Videobrillen, Animationen und Co. können auch in Fabriken oder sogar im OP zum Einsatz kommen. Juniorprofessor Marc Herrlich beschäftigt sich mit den Möglichkeiten des "Serious Games Engineering".

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Bei der sechswöchigen Studie nahmen 119 Personen teil, 41 davon waren sehr erfahrene Computerspieler. Die restlichen 78 Teilnehmer wurden noch einmal unterteilt. Die eine Hälfte sollte sechs Wochen lang täglich mindestens eine Stunde WoW spielen und die andere Hälfte gar keine Computerspiele spielen (Kontrollgruppe).

MRT-Scan bei allen Teilnehmern

Vor und nach den sechs Wochen wurden alle Personen mit einem MRT-Scan überprüft. Ergebnis war, dass die Gruppe „Spieler“ eine deutliche Abnahme der grauen Substanz im orbitofrontalen Kortex (OFC) aufzeigte. Dieser Bereich im Frontallappen ist für die Emotionsregulation und Entscheidungsfindung zuständig. Dies deutet für die Forscher auf neuroplastische Prozesse hin. Doch auch bei der Gruppe, die täglich nur eine Stunde WoW spielte, zeigte sich eine Reduktion an Hirnvolumen im orbitofrontalen Kortex, auch dies kann negative Folgen für die Kontrolle der Emotionen und Entscheidungsfindung haben.

Außerdem fanden die Forscher heraus, dass bei erfahrenen Spielern ein geringeres Hirnvolumen mit einer höheren Suchttendenz einherging. Es wurde festgestellt, dass ein reduziertes OFC-Volumen eine Auswirkung von Internet-Gaming sein kann. Ob andere Spiele die gleiche Auswirkung haben, müsse noch erforscht werden, so Professor Christian Montag.

 Quelle: Uni Ulm


Literatur:

Zhou F, Montag C, Sariyska R, et al.: Orbitofrontal gray matter deficits as marker of Internet gaming disorder: converging evidence from a cross-sectional and prospective longitudinal design. Addiction Biology, 23 October 2017, DOI: 10.1111/adb.12570.