Kommentar: Szenario aus dem Jahr 2013

Auswirkungen der Corona-Pandemie hätten bekannt sein müssen

Viele aktuelle Probleme/Engpässe tauchten schon im Pandemieszenario aus dem Jahr 2013 auf. Die Politik und andere Verantwortliche hätten also genügend Zeit gehabt, sich darauf einzustellen. Doch offenbar wurden nicht überall die richtigen Schlussfolgerungen gezogen.

Coronaviren

Coronaviren koennen gefaehrliche Infektionskrankheiten ausloesen wie aktuell COVID_19 | CDC/Dr Fred Murphy/Sylvia Whitfield

Dass inzwischen deutsche Verantwortliche schon selbst mit China Kontakt aufnehmen müssen, um nach Schutzmaterial zu bitten, ist mehr als ein Armutszeugnis für ein Land wie Deutschland. Dies ist besonders beschämend, weil es in einer deutschen Pandemie-Simulation aus dem Jahr 2013!! explizit hieß: „Arzneimittel, Medizinprodukte, persönliche Schutzausrüstungen und Desinfektionsmittel werden verstärkt nachgefragt. Da Krankenhäuser, Arztpraxen und Behörden in der Regel auf schnelle Nachlieferung angewiesen sind, die Industrie die Nachfrage jedoch nicht mehr vollständig bedienen kann, entstehen Engpässe.“ Wer also jetzt in der Öffentlichkeit betont, das sei nicht vorhersehbar gewesen, hat offensichtlich seine Hausaufgaben nicht gemacht, denn spätestens seit 2013 hätte es jeder wissen müssen!! (BT Drucksache 17/12051 vom 3.1.2013). Dort wurde ausgerechnet eine Pandemie durch ein hypothetisches Virus „Modi-SARS“ durchgespielt. Als Eintrittswahrscheinlichkeit wurde damals „bedingt wahrscheinlich“ als ein Ereignis im Zeitraum zwischen 100 und 1.000 Jahren angenommen.

Modi-SARS war sehr eng an das SARS-Virus angelehnt

Der damals hypothetisch zugrunde gelegte Erreger Modi-SARS war sehr eng an das SARS-Virus angelehnt. Selbst bei der Inkubationszeit hat die Realität die damaligen Annahmen fast genau getroffen. Sie sollte meist 3-5 Tage, aber sich in einem Zeitraum von 2 bis 14 Tagen bewegen. Die Symptome der damaligen hypothetischen Krankheit waren Fieber und trockener Husten, die Mehrzahl der Patienten sollte über Atemnot klagen, in Röntgenaufnahmen sollten sichtbare Veränderungen in der Lunge zu sehen sein sowie u.a. Schüttelfrost, Übelkeit und Muskelschmerzen auftreten. Die Letalität wurde damals allerdings mit hohen 10% der Erkrankten angenommen, jedoch in verschiedenen Altersgruppen unterschiedlich stark ausgeprägt. Für Kinder und Jugendliche wurden in der Regel leichtere Krankheitsverläufe mit Letalität von rund 1% prognostiziert, während die Letalität bei über 65-Jährigen bei 50% liegen sollte. Derzeit sieht es zum Glück so aus, als ob zumindest diese Annahme nicht von der Realität überholt bzw. erreicht wird.

Folgen waren absehbar

Allerdings ging das damalige Szenario auf ein Thema ein, das auch jetzt in der Wirtschaft für Kopfzerbrechen sorgt: „Zahlreiche Güter und Dienste werden weltweit jeweils von nur wenigen Schlüsselproduzenten bereitgestellt. Somit könnten Ausfälle im Bereich importierter Güter und Rohstoffe auch in Deutschland zu spürbaren Engpässen und Kaskadeneffekten führen.“ Also auch in diesem Bereich waren die Folgen bei einer Pandemie durchaus absehbar. Nur Konsequenzen wurden offensichtlich keine oder die falschen gezogen. Lagerhaltung war bis vor Kurzem bei vielen Unternehmen verpönt und Just-in-time sowie maximales Outsourcing angesagt. Man kann nur hoffen, dass hier ein Umdenken einsetzt und Abhängigkeiten verringert und lokale Produktion wieder hoffähig wird. Zu hoffen bleibt auch, dass die Unternehmensberater diese neuen Entwicklungen unterstützen und nicht wieder „wegrationalisieren“. (lz)

 

Literatur:

Deutscher Bundestag Drucksache 17/12051, 17. Wahlperiode 03. 01. 2013, Zugeleitet mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern vom 21. Dezember 2012 gemäß § 18 Absatz 1 und 2 des Gesetzes über den Zivilschutz und die Katastrophenhilfe des Bundes. Unterrichtung durch die Bundesregierung, Bericht zur Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz 2012.