Universitätsklinikum Tübingen

Aufnahmestopp in der Neonatologie

In der Frühgeborenenstation des Universitätsklinikums Tübingen wurde ein Aufnahmestopp verhängt. Schwangere mit Frühgeburtsbestrebungen können aktuell nicht in Tübingen aufgenommen werden.

Frühchen

Hygiene spielt gerade in einem sensiblen Bereich wie der Neonatologie eine große Rolle. | DÄV/Bernd Schunk

Das Universitätsklinikum Tübingen hat seit Mitte August in routinemäßigen und engmaschigen Kontrollen bei mehreren frühgeborenen Kindern in der Neonatologie eine Besiedelung mit einem Bakterium (Enterobacter aerogenes) festgestellt. Am 31. August 2017 wurden in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt intensive Vorsorgemaßnahmen eingeleitet, um eine weitere Ausbreitung des Bakteriums zu verhindern. Folgende Maßnahmen wurden hierzu ergriffen:

  • Schwangere mit Frühgeburtsbestrebungen können aktuell nicht in Tübingen aufgenommen werden.
  • In der Neonatologie wurde zunächst begrenzt auf eine Woche ein Aufnahmestopp verhängt.
  • Die mit dem Bakterium besiedelten Kinder wurden von den nicht besiedelten Kindern räumlich getrennt. Den Umzug haben die Frühgeborenen gut überstanden.
  • Die betroffenen Eltern wurden aus aktuellem Anlass in speziellen Hygienemaßnahmen geschult.

Hygiene spielt gerade in einem sensiblen Bereich wie der Neonatologie eine große Rolle. Dafür sind am Universitätsklinikum Tübingen seit Jahren bewährte Hygienestandards etabliert. Eine Ausbreitung von Bakterien kann jedoch nie vollständig ausgeschlossen werden. Alle Menschen, auch die kleinsten Kinder, haben zahlreiche Bakterien auf der Haut oder im Darm, ohne dass diese gesundheitsgefährdend sind. Man spricht hier von Besiedlung.

Vereinzelt kann jedes Bakterium aber zu einer Infektion führen und somit eine Krankheit verursachen. In der Tübinger Neonatologie wurde seit Mitte August bei mehreren Kindern eine Besiedlung mit dem Bakterium Enterobacter aerogenes festgestellt. Bei sehr kleinen Frühgeborenen kann dieses Bakterium häufiger als andere Bakterien zu einer Infektion führen. Bei einem Kind kam es zu einer Infektion. Das betroffene Frühgeborene hatte sich nach wenigen Tagen wieder vollständig erholt.
 
Unabhängig davon sind in diesem Zeitraum auf der Frühgeborenenstation in Tübingen vier Kinder an Komplikationen ihrer extremen Frühgeburtlichkeit, das heißt an der Grenze der Lebensfähigkeit beziehungsweise an schweren Fehlbildungen gestorben. Bei zwei dieser Kinder fand sich in Abstrichen das genannte Bakterium. Ihr Tod stand aber, so die Uniklinik Tübingen, nicht in Zusammenhang mit einer Infektion.

Quelle: Universitätsklinikum Tübingen, 02.09.2017