Zwei MTLA berichten von ihren Aufgaben

Arbeit in der Westdeutschen Biobank Essen

Der Aufbau dauerte circa drei Monate, heute ist die nordrhein-westfälische Anlage einerseits mit mehreren unterbrechungsfreien Stromversorgungen gegen Stromausfall für mehr als sieben Stunden gesichert; ferner gewährleisten zwei Stickstoffstanks die Beibehaltung der Temperatur, falls andere Probleme auftreten. Sie bieten zwischen 24 und 48 Stunden Sicherheit für die Minus-80-Grad-Lagerung der maximal 1,3 Millionen Proben.

Judith Delbanco hat zahlreiche Schulungen absolviert, um ihre fachliche Kompetenz im Umgang mit Geräten und mit Gasen auszubauen, ferner ist sie Sicherheitsspezialistin. Ihr Job ist anders als in der „direkten“ Forschung, sie empfindet ihn als sehr abwechslungsreich, die Tätigkeit macht ihr viel Freude trotz oder gerade wegen der Automatisierung. „Jede Probe ist wie ein Kind, dessen Schicksal mir wichtig ist“, beschreibt sie ihre Verantwortung. „Mein Beruf ist zukunftsfähig, spannend und ermöglicht weiterführende Blicke über den Tellerrand vieler Disziplinen. Ich kann ihn Interessierten jeden Alters nur weiterempfehlen!“

Standort Ruhrlandklinik

Manuela Kammesheidt beschäftigt sich mit Flüssigproben und Geweben. Ihr Arbeitsort befindet sich in der Ruhrlandklinik, einer Fachklinik für Lungenerkrankungen am Stadtrand von Essen – sie gehört als ein Tochterunternehmen des Universitätsklinikums Essen unter das Dach der „Universitätsmedizin Essen“. Bei den von der MTLA bearbeiteten Geweben handelt es sich vor allem um Lungentumoren. Nach 25-jähriger Vollzeittätigkeit im Zentrallabor eines anderen Essener Krankenhauses – inklusive Schichtdienst mit viel Stress und Hightech – entschied sie sich für eine Dreiviertelstelle bei der WBE mit regulären Arbeitszeiten im Tagdienst; eine weitere Kollegin unterstützt sie an diesem Standort.

„Ich war von Beginn an dabei, damals nutzten wir noch Excel-Tabellen zur Gewebeerfassung“, erinnert sich die MTLA. „Heute übernimmt die Software diese Aufgaben.“ Von 8 bis 11 Uhr arbeitet sie mit Flüssigproben, von 11 bis 14 Uhr an Geweben; je nach anfallenden Materialien variieren diese Zeiten geringfügig. Ein Pathologe vor Ort stellt Schnellschnitte zur Diagnostik her; überflüssiges Material bekommt sie für die Biobank. Die MTLA arbeiten noch sehr viel händisch, es gibt nur wenige kleinere Automaten – auch im Notfalllabor nebenan. „Meine Tätigkeit ist abwechslungsreich und persönlich. Da es sich um eine kleine Klinik handelt, kenne ich viele Ärzte und Wissenschaftler. Mir macht der Job viel Spaß, ohne Forschung und Probensammlung würde es keinen Fortschritt in der Medizin geben“, fasst Kammesheidt zusammen.

Teamarbeit

Eine weitere MTLA kümmert sich um die Logistik: Neben der Dokumentation sammelt sie Proben ein, kümmert sich um Patienteneinwilligungen auf Papier, scannt diese ein und archiviert alle Dokumente. Zuvor hat der behandelnde Arzt die Patienten über die Biobank aufgeklärt. „Wir achten strikt auf die Vorgaben des Datenschutzes. Und ohne diese Prozesse dürfte keine Probe zur Forschung genutzt werden. Wir bewahren alle Patientenproben treuhänderisch auf und dürfen damit das tun, was im definierten Rahmen ethisch und rechtlich erlaubt ist“, fasst Dr. Jockers zusammen (Interview mit Dr. Jockers: www.youtube.com/embed/f_WN_q1uWIM.

Alle zwei Wochen versammeln sich die Mitarbeiter der Biobank, zu denen neben der Leitung und den MTLA auch eine Qualitätsmanagementbeauftragte, ein Informatiker, eine wissenschaftliche Hilfskraft, eine Logistikkraft und das Sekretariat gehören, zur Teambesprechung. Viele Absprachen erfolgen über Telefon und E-Mail, so nutzen die beiden Standorte auch die gleichen Standard Operation Procedures, Röhrchen und Dokumentation. Regelmäßig erfolgt auch ein Austausch vor Ort: Eine Kollegin aus der Ruhrlandklinik kommt ins Klinikum – und umgekehrt, denn die zehn Kilometer Entfernung lassen einen täglichen Wechsel nicht zu. Materialien werden sicher auf Trockeneis zwischen den Standorten transportiert, die Kolleginnen wissen, wann die Materialien kommen. Einen halben Tag pro Woche verbringt Dr. Jockers selbst in der Lungenfachklinik, um vor allem die Kommunikation und das Teamwork zu stärken. „Die integrative Kraft unserer Leiterin hält alle ungeachtet der dezentralen Aufstellung sehr gut zusammen, sie hat eine sehr gute Arbeitsatmosphäre geschaffen“, freut sich Christine Harrell, Referatsleiterin für Strategie, Kommunikation & Marketing an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen.

 

Entnommen aus MTA Dialog 4/2018