Zwei MTLA berichten von ihren Aufgaben

Arbeit in der Westdeutschen Biobank Essen

Sie wurde 2013 zur Lagerung von Proben des Klinikums mit Verknüpfung dazugehöriger Daten ins Leben gerufen: die Westdeutsche Biobank Essen (WBE) mit Sitz am Essener Universitätsklinikum.

Arbeit in der Westdeutschen Biobank Essen

Leiterin der WBE, Dr. Katharina Jockers | © Dave Kittel c/o Medizinische Fakultät der UDE

Entstanden war sie aus einer Initiative der Universität Duisburg-Essen und dem Universitätsklinikum in enger Zusammenarbeit mit dem Westdeutschen Tumorzentrum Essen (WTZ). Der Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität, Prof. Dr. med. Jan Buer, steht formal als oberster Chef der Westdeutschen Biobank Essen für die Schnittstelle zwischen klinischer Versorgung und Forschung.

Mittlerweile umfasst die WBE circa 350.000 Proben, die in einer hochmodernen Kryoanlage (www.liconic.com) bei minus 80 Grad Celsius sicher aufbewahrt und mit Schnittstelle zu einer speziellen Biobank-Software (www.kairos.de) gemanagt werden.

„In der Biobank werden Materialien von den unterschiedlichsten Menschen und Krankheiten gesammelt und nachvollziehbar, strukturiert, zentralisiert und qualitativ hochwertig asserviert. Sie kommen der medizinischen Forschung, beispielsweise im Bereich der personalisierten beziehungsweise individualisierten Medizin, zugute. Aus Big Data werden Smart Data – und wir arbeiten so aktiv an der Zukunft“, erklärt die Leiterin der WBE, Dr. med. Katharina Jockers.

Der Aliquotierer | © M. Reiter

In Essen arbeiten zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Biobank – aufgeteilt in die Bereiche Gewebe-, Flüssigmaterialien und IT. Eine engagierte MTLA ist Judith Delbanco, (Groß-)Gerätespezialistin im Bereich der Flüssigmaterialien. Sie kümmert sich mit viel Herzblut um den „Tecan“-Aliquotierer und die „Liconic“-Gefriereinrichtung mit Roboter. Aus dem Klinikum Bergmannsheil in Bochum kannte sie diese Gerätetypen bereits. Sie baute den Gerätepark vom ersten Tag an in Essen mit auf – im Gebäude des Zentrallabors am Klinikum. Ihr technisches Interesse hilft dabei enorm; sie findet es spannend, hochmoderne Maschinen zum Laufen zu bringen und bestmöglich ins Umfeld zu integrieren.

Manuela Kammesheidt (links) und Judith Delbanco | © M. Reiter

Flüssigprobenverarbeitung und Kryologistik

Die gewonnenen Flüssigproben, Serum oder Plasma, gelangen nach Eingang direkt „zum Tecan“. Kurze Wege helfen, eine schnelle Probeneinlagerungszeit einzuhalten. „Das Aliquotiergerät pipettiert das Patientenmaterial aus einem Primärröhrchen in bis zu acht Portionen in kleinere gefriergeeignete Gefäße mit je 500 µl Volumen – ohne Totvolumen – um. Diese Gefäße haben 2-D-Barcodes und werden vom geräteeigenen Scanner erfasst, um Verwechslungen auszuschließen. Auch die Racks, in denen die Röhrchen aufbewahrt werden, sind mit 1-D- und 2-D-Barcodes ausgestattet“, erklärt Delbanco. Vollständig befüllte Racks gelangen auf direktem Weg zum finalen Lagerungsort, dem „Eisroboter“, eine Etage tiefer.

TK-Roboter | © M. Bauer

Das Liconic-Gerät steht auf einer Fläche von 5 × 3 Metern in einer Umgebungstemperatur mit konstant 20 Grad Celcius. Trotz seiner Größe und der niedrigen Innentemperatur verbraucht die roboter-betriebene Maschine wenig Strom. Die Proben gelangen über einen Greifarm, der die Racks in Sekundenschnelle abscannt und in den Kühlbereich überführt, in „unsichtbare Tiefen“. Eine Glastür zur Beladung wird nur in Sonderfällen genutzt. Wichtig ist es, eine hohe Probenqualität zu gewährleisten – dies gelingt nur durch das ununterbrochene Verbleiben der Proben im konstanten Minustemperaturbereich. Mit jedem Öffnen der Tür würde warme Außenluft ins Geräteinnere gelangen und kleinste Vereisungen erzeugen, die Nachteile bei der Probenqualität bringen. Durch die Barcode-Etikettierung und mithilfe der geräteeigenen, intuitiv bedienbaren Software kann jeder im Team nachvollziehen, wo die Materialien „landen“ und wie man sie wieder herausholen kann. Die WBE ist die erste Biobank in Deutschland, der die zukunftsfähige Verknüpfung der Liconic-Software mit der Biobanksoftware CentraXX (Kairos) gelungen ist.