MTA und Model

„Am Modeln gefällt mir, im Rampenlicht zu stehen“

Sabine Fuchs (53) arbeitet als MTLA und Model. 1981 schloss sie ihre Fachausbildung mit dem Staatsexamen ab. Aktuell arbeitet sie im Zentrallabor des Robert-Bosch-Krankenhauses am Standort Klinik Schillerhöhe Gerlingen. Im Interview erläutert sie, wie sie zum Modeln kam und was sie an diesem Beruf fasziniert.

MTA und Model

Für alle: © S. Fuchs

Liebe Frau Fuchs, Sie haben 1979 Ihre Ausbildung zur MTA begonnen, wie kamen Sie zum MTA-Beruf?

MTA zu werden war damals trendy. Die MTA-Schule Bayreuth war einen Kilometer von der elterlichen Wohnung entfernt. Jedoch kamen auf 30 Ausbildungsplätze 300(!) Bewerbungen, sodass ein „Numerus clausus“ eingeführt wurde. Als ich dann einen der begehrten Plätze ergattert hatte, war ich sehr stolz und glücklich! Ferner war ich erst 15 Jahre alt, meine Examen hatte ich mit 17 Jahren in der Tasche und war somit bestimmt eine der jüngsten MTA in Deutschland (zweijährige Ausbildung, Examen 1981).

Wie kamen Sie zum Modeln? Seit wann modeln Sie?

Wenige Jahre vor meinem 50. Geburtstag und nach knapp 30 Berufsjahren als MTA stellte ich mir die Frage, ob das jetzt beruflich alles gewesen sein sollte. Da ich über ein attraktives Äußeres, eine sympathische Ausstrahlung und eine gewisse Bühnenpräsenz verfüge, bewarb ich mich bei meiner ersten Modelagentur in Stuttgart. Dort belegte ich einen Kurs im Catwalktraining, Laufen in Highheels, Benehmen beim Kunden und erstellte meine erste Sedcard. Es war auch von Vorteil, dass Best-Ager-/Plussize-Models gerade schwer im Kommen waren.

 

Wie viel Zeit muss man dafür aufwenden? Bleibt Ihnen noch Zeit für Hobbys?

Da ich hauptsächlich für Modenschauen gebucht werde, habe ich im März und September/Oktober sehr viel zu tun. Dazwischen ist es eher ruhiger. Auch förderlich ist, dass ich eine 70-Prozent-Teilzeitstelle bekleide, ohne Nachtdienste und nur einem Samstag im Monat. So sehe ich zu, dass ich meine Modeltätigkeit auf die 1,5 Tage in der Woche lege, an denen ich ohnehin frei habe, beziehungsweise abends und am Wochenende. Zum Glück verfüge ich noch über eine gute körperliche Konstitution.

Wichtig ist es mir, mich mindestens zweimal wöchentlich sportlich zu betätigen, gerne mit meinem Mann beim Walken, Radfahren oder Wandern. Wichtig ist mir auch die Pflege meiner sozialen Kontakte und Freundschaften. Dafür nehme ich mir gerne die Zeit.

 

Was sagt Ihr Arbeitgeber dazu?

Ich habe von Anfang an einen Antrag auf Nebenjob als Model gestellt, und dieser wurde auch bewilligt.

Sie arbeiten auch ehrenamtlich. Wie vereinbaren Sie Familie, Beruf, Modeln und Ehrenamt?

Die Kinder sind jetzt groß (Sohn Felix 18 Jahre, Tochter Kathrin 31 Jahre). Das verschafft mir wieder mehr persönlichen Freiraum. Der Beruf wird in Teilzeit ausgeübt und das Ehrenamt versteht sich in Zuarbeit für Frau Vetter-Knoll (Baden-Württemberg), das heißt mit Charme Referenten finden für Fortbildungen, Fortbildungen durchführen und als Delegierte für die Jahreshauptversammlung des DVTA fungieren. Das Ehrenamt Elternbeirat fällt ab diesem Jahr weg. Ich war auch noch zehn Jahre Klassenelternsprecherin am örtlichen Gymnasium.

Bewerbungen für Modelagenturen schreiben, Bilder verschicken, Anfragen beantworten, das mache ich abends beziehungsweise nachts vom heimischen PC aus.

Was sagt Ihre Familie zum Modeln?

Meine Familie fand das von Anfang an toll und unterstützt mich sehr. Vor allem mein Mann und mein Sohn helfen mir sehr, sehr viel am Computer. Mit meiner Tochter Kathrin habe ich schon etliche Mutter/Tochter-Formate gemacht. Insgesamt sind sie, glaube ich, sehr stolz auf mich. Vor allem, als ich es ins Bundesfinale der Wahl „Miss 50 Plus Germany 2016“ geschafft habe.

Was gefällt Ihnen jeweils am Modeln und am MTA-Beruf?

Am Modeln gefällt mir, im Rampenlicht zu stehen, die Aufmerksamkeit zu genießen und alle Blicke auf mich zu ziehen, tolle Kleider zu präsentieren und den Leuten einen wunderschönen Abend zu bereiten.

An meinem Beruf als MTA schätze ich schon sehr die soziale Komponente, nämlich einen wichtigen Beitrag zu leisten, Menschenleben zu retten beziehungsweise zu erhalten. Ich trage mit den von mir erstellten Laborergebnissen zur Diagnosefindung und zum erfolgreichen Therapieverlauf bei. Ich fühle mich wertvoll, wichtig und gebraucht.

Was raten Sie MTA, die sich auch für das Modeln interessieren?

Sich in ihrer Stadt und einem Radius von 250 Kilometern nach guten Modelagenturen umzuschauen, die die entsprechende Sparte/Altersgruppe vertreten. Ohne Durchhaltevermögen und Zähigkeit geht es nicht. Man muss auch Rückschläge und Absagen verkraften können. Eine starke Persönlichkeit ist vonnöten, denn es fällt einem auch hier nichts in den Schoß. Die Konkurrenz ist riesig, vielleicht bei den „Best Agern“ nicht ganz so schlimm wie bei den jungen Frauen.

Wenn Sie heute vor der Entscheidung stehen würden, würden Sie sich hauptberuflich eher für das Modeln oder den MTA-Beruf entscheiden?

Ich würde mich hauptberuflich wieder für den MTA-Beruf entscheiden. Einfach weil eine viel größere Sinnhaftigkeit in unserem Beruf steckt und man auch seinen Geist anstrengen muss. Ich schätze außerdem einen sicheren und regelmäßigen Gehaltseingang.

Beim Modeln hätte ich immer Angst, dass die Jobs ausbleiben oder mein Typ nicht mehr gefragt ist. Natürlich ist das Business auch sehr oberflächlich. Ich bin jedoch froh und dankbar, dass ich in meinem „hohen Alter“ diese Chance bekommen habe, als Model zu arbeiten und habe wirklich sehr, sehr viel Spaß daran.

Auch in der Werbung sind ja die fitten „Best Ager“ ein großes Thema und deshalb glaube ich, dass mir die nächsten 15 Jahre die Jobs nicht ausgehen.

Frau Fuchs, vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte Ludwig Zahn.

 

Entnommen aus MTA Dialog 8/2017