Vierte Corona-Welle

ALM e. V. fordert von der künftigen Regierung verlässliche Rahmenbedingungen

Trotz eines deutlichen Anstiegs der SARS-CoV-2-PCR-Tests kletterte in der Vorwoche laut ALM e. V. die Rate der positiven Tests auf nunmehr 8,1 Prozent (Vorwoche: 6,2 Prozent). „Die vierte Welle der Coronapandemie ist da und breitet sich zunehmend aus“, betonte Dr. Michael Müller, 1. Vorsitzender des Verbandes gegenüber der Presse.

Abstrich für Coronatest

Abstrich | Klaus Eppele, stock.adobe.com

In der vergangenen Woche (KW 33) wurden 615.950 SARS-CoV-2-PCR-Tests bei den an der Datenanalyse teilnehmenden 178 Laboren angefordert. Das waren 22 Prozent mehr als in der KW 32 mit 505.897 Tests und seien ein Zeichen der stärkeren Inanspruchnahme der SARS-CoV-2-Diagnostik im wieder erheblich zunehmenden SARS-CoV-2-Infektionsgeschehen. Insgesamt fielen 49.893 PCR-Befunde positiv aus (Vorwoche: 31.367). Der 1. Vorsitzende des ALM e.V. führt die vierte Welle auf Faktoren wie Reisen, die leichtere Übertragbarkeit der jetzt in Deutschland ganz überwiegend übertragenen Delta-Variante und die zunehmenden Kontakte zurück. „Ganz wichtig in dieser Phase ist, dass auch bei Personen mit leichten Symptomen und auch bei Kindern PCR-Tests eingesetzt werden sollen, und das ist auch bei Geimpften notwendig. Wir unterstützen diese wichtige fachliche Empfehlung des Robert-Koch-Instituts (RKI) ausdrücklich“, betonte Müller. Es sei im kommenden Herbst und Winter wichtig, dass sich auch die Geimpften an die AHA-Regeln halten. Er rechne mit der weiteren Zunahme des Infektionsgeschehens. Es gehe jetzt auch wieder um den Schutz der vulnerablen Gruppen und es sei auf die kleinen Kinder zu achten. Kapazitätsmäßig sieht der 1. Vorsitzende die Laborbranche gut aufgestellt. Derzeit liege die Auslastung nur bei etwa einem Drittel. Wenn nötig, könnten die Kapazität auch weiter ausgebaut werden.

Mutationen im Blick

ALM-Vorstand Evangelos Kotsopoulos betonte bei der Pressekonferenz, dass der weitere Fokus auch auf den Mutationen liegen müsse. Die Weiterführung der Vollgenomsequenzierung sie deshalb ein wichtiger Aspekt im kommenden Herbst und Winter, um nicht überrascht zu werden. Es sei nicht auszuschließen, dass weitere Variants of Concern (VOC) auftreten. Ein Thema, das noch den Spätsommer 2020 belastet habe, sei derzeit nicht zu spüren, der Materialmangel. Hier sie die Lage aktuell deutlich entspannter. Auch die Industrie habe die Kapazitäten hochgefahren. Man setze darauf, dass es auch so weitergeht.

Positionspapier zur Bundestagswahl

Auf seiner Pressekonferenz stellte der Verband auch sein Positionspapier zur Bundestagswahl 2021 vor: „Seit Februar 2020 unterstützen die fachärztlichen Labore das Krisenmanagement im Bund und in den Ländern, tragen mit ihrer wöchentlichen Datenanalyse zu Transparenz und Aufklärung bei, entwickeln in den entsprechenden Gremien verantwortungsvoll Konzepte für eine adäquate Versorgung der Bürgerinnen und Bürger weiter und versorgen verlässlich tagtäglich fast rund um die Uhr Menschen in allen Regionen des Landes wohnortnah und effizient mit Labordiagnostik“, erklärte Kotsopoulos. Der stellvertretende Vorsitzende Prof. Jan Kramer ergänzte: „Damit das funktionieren kann, leisten die Fachärztinnen und -ärzte in den Laboren gemeinsam mit einer Vielfalt an weiteren Professionen einen wesentlichen Beitrag.“ Gerade während der Hochzeit der Pandemie hätten die Mitarbeiter/-innen in den Laboren Unermessliches geleistet. „Ihre und unsere Arbeit gilt es, für die Zukunft zu sichern“, so der Facharzt für Laboratoriumsmedizin.

Sicherheit. Verlässlichkeit. Wertschätzung.

Dafür wollen sich die Akkreditierten Labore in der Medizin auch in der kommenden Legislatur einsetzen. „Als Konditionalfach steht das fachärztliche Labor für eine moderne Medizin, für gute Zusammenarbeit zwischen den Leistungserbringern in Praxis und Klinik sowie für die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens hin zu einer patientenzentrierten Versorgung“, so Müller. „Wir sind ein Grundpfeiler für Qualität und Sicherheit der Medizin in Deutschland. Gerade in der Coronapandemie hat sich die besondere Leistungsstärke unserer flächendeckend und vielfältig organisierten Facharztlabore gezeigt. Diese Stärke gilt es, für die Zukunft zu bewahren und auszubauen.“

Die gesundheitspolitischen Eckpunkte des Verbandes sind:

  1. Wertschätzung der speziellen Facharztgebiete der diagnostischen Medizin im Labor (Laboratoriumsmedizin/Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie / Humangenetik / Transfusionsmedizin) und ihrer grundlegenden Bedeutung für die flächendeckende und wohnortnahe Patientenversorgung in Deutschland
  2. Stabile und verlässliche Rahmenbedingungen für die Facharztlabore als bedeutsame Gesundheitseinrichtungen mit der dem Versorgungsbedarf angepassten vorhandenen vielfältigen Leistungserbringer- und Trägerstruktur und zur Sicherung der Qualität der Laborversorgung für die Bevölkerung in Deutschland
  3. Erhalt der diagnostischen Fachgebiete als fachärztliche Profession in Forschung, Lehre und Krankenversorgung mit Stärkung der ärztlichen Ausbildung an den Universitäten
  4. Sicherstellung der Ausbildung von ausreichend nichtärztlichen Fachkräften (Medizinische Technologen/-innen für Laboratoriumsanalytik)
  5. Vorantreiben der in den diagnostischen Fächern der Versorgung bereits weit entwickelten Digitalisierung (Interoperabilität, Datensicherheit, Standardisierung, Übertragungsgeschwindigkeit) zur Verbesserung der Versorgungsqualität und zum Abbau von Bürokratie.

Zu Punkt 4 betonte Müller, dass es mit dem neuen MTA-Gesetz gelungen sei, die Ausbildung zu verbessern, sowohl qualitativ als auch quantitativ. Jetzt gelte es, das Gesetz auszugestalten. Als große Themen nach der Bundestagwahl erwartet Müller die Kostendebatte der gesetzlichen Krankenkassen. Hier sei mit einer komplexen Kostendämpfungsdebatte zu rechnen. Daneben geht der ALM-Vorsitzende davon aus, dass die Debatte um die Sektorengrenzen bzw. zur Neuordnung und Modernisierung der Versorgungsstrukturen Fahrt aufnehmen werde. Außerdem werde die Weiterentwicklung der Medizin ein großes Thema werden (Diagnostik, personalisierte Medizin etc.).