Orlovic-Nachwuchspreis für Innovative Kardiologie

Aktivierte Makrophagen mit PET/CT aufgespürt

Eine chronische Herzinsuffizienz ist häufig die Folge von Entzündungen am Herzen. Die Schäden lassen sich in den betroffenen Patienten gut nachweisen, die Zellen, die den Verlauf und die Heilung des Gewebes beeinflussen, arbeiteten bislang jedoch im Verborgenen.

Dr. Marija Orlovic, PD Dr. Christoph Birner, Dr. Theresa Reiter, Dr. Christian Schach, Prof. Dr. Ulrich Laufs

v.l.n.r. Dr. Marija Orlovic, PD Dr. Christoph Birner, Dr. Theresa Reiter, Dr. Christian Schach, Prof. Dr. Ulrich Laufs | DGK/Thomas Hauss

Dr. Theresa Reiter, angehende Kardiologin aus Würzburg, hat mit ihrer Arbeitsgruppe unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Wolfgang Bauer und in Zusammenarbeit mit der Nuklearmedizin der Uniklinik Würzburg genau diese Zellen, die so genannten aktivierten Makrophagen aufgespürt. Für ihr Projekt wurde sie jetzt auf dem DGK-Kongress in Mannheim mit dem Orlovic-Nachwuchspreis ausgezeichnet.

Bislang noch nicht darstellbar

Wie sich nach einem Herzinfarkt die Struktur und Morphologie des Herzens verändern, das lässt sich gut durch klassische Bildgebungsverfahren wie der Magnetresonanztomographie (MRT) und Echokardiographie, dem Herzultraschall, erkennen. Die Zellen, die sogenannten Makrophagen, die entscheidend am Entzündungs- und Heilungsprozess des Herzens beteiligt sind, waren bislang im Menschen noch nicht darstellbar. Dr. Theresa Reiter (33) hat jetzt mit ihrer Arbeitsgruppe aus der Medizinischen Klinik und Poliklinik I der Uniklinik Würzburg eine Methode etabliert, mit der sie die Dichte und zeitliche Verteilung dieser so wichtigen Zellen, die an der Reparatur des zerstörten Muskelgewebes und somit an der Erholung des Herzens maßgeblich beteiligt sind, erkennen können. Gemeinsam mit PD Dr. Constantin Lapa von der Nuklearmedizin des Uniklinikums Würzburg und dem Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) konnten sie mithilfe von Somatostatinrezeptor 2 (SSTR 2) basierten PET/CT-Untersuchungen die Makrophagen im geschädigten Myokard verlässlich darstellen. In der PET/CT-Untersuchung, einer nuklearmedizinischen Technik, werden diese Oberflächenproteine durch Tracer nachgewiesen.

Prof. Wolfgang Linke

Ein internationales Forscherteam hat gezeigt: Bei Patienten mit Diastolischer Herzinsuffizienz ist zu viel des Enzyms PP5 im Herzen vorhanden. Das Enzym hemmt die „Titin-Federn“, die eine wichtige Rolle bei der Kontraktion der Herzmuskelzellen spielen.

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Technik aus der Onkologie

„Die Technik, diese proinflammatorischen Zellen nachzuweisen, kommt aus der Onkologie“, berichtet die Gewinnerin des Orlovic-Nachwuchsfonds und angehende Kardiologin, Dr. Theresa Reiter. „Wir haben diese Technik erfolgreich auf das Herz übertragen. Der Tracer, und damit der Nachweis für die Makrophagenaktivität, leuchtet im PET genau an der Stelle, an der wir im MRT den Schaden sehen. Im nächsten Schritt werden wir die maximal zu erwartenden Signalintensitäten untersuchen, um detaillierte Informationen über die Dichte und das Verhalten dieser Reparaturzellen zu bekommen und langfristig neue Therapieansätze zu entwickeln.“

Wichtiger Schritt für die Entzündungsbildgebung des Herzens

„Frau Dr. Reiter hat mit der preisgekrönten translationalen Forschungsarbeit einen wichtigen Schritt für die Entzündungsbildgebung des Herzens getan“, kommentiert Prof. Dr. Wolfgang Bauer, Akademischer Direktor und Schwerpunktsleiter Kardiale MRT und Klinische Elektrophysiologie am Uniklinikum Würzburg. „Es ist ein schönes Beispiel dafür, wie eine gute Infrastruktur und interdisziplinäre Zusammenarbeit kreativen jungen Forscherinnen und Forschern hilft, ihr Genie zu entzünden und ihre Ideen Gestalt werden zu lassen.“

Prof. Dr. Stefan Frantz, Leiter der Medizinischen Klinik und Poliklinik I, fügt hinzu: „Ich freue mich sehr, dass erneut eine junge engagierte Forscherin aus unserem Team diesen Nachwuchspreis gewonnen hat. Vor zwei Jahren wurde bereits mein langjähriger Mitarbeiter Dr. Gustavo Ramos für seine Forschung zur T-Zellen-Regulation im Zusammenhang mit Herzinfarkten mit dem Orlovic Nachwuchsfonds ausgezeichnet. Das zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind und in der Erforschung der Inflammation im Herzmuskelgewebe Vorreiter sind.“

Dr. Marija Orlovic Stiftung

Der Orlovic-Nachwuchsfonds „Innovative Kardiologie“ in Höhe von 10.000 Euro wird von der Dr. Marija Orlovic Stiftung im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft „Herzinsuffizienz der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e. V. (DGK)“ vergeben. Mit ihrem Programm möchte die Stiftung junge promovierte Wissenschaftler beim Auf- und Ausbau einer eigenen Arbeitsgruppe unterstützen.

Dr. Theresa Reiter, die bereits seit dem Jahr 2009 in der Arbeitsgruppe von Wolfgang Bauer forscht, wurde auf dem DGK-Kongress in Mannheim am 5. April 2018 mit dem Preis ausgezeichnet. Der genaue Titel ihres Projektes heißt „Detektion von Makrophagen als Träger der myokardialen Inflammation im humanen Herzen“. Sie teilt sich das Preisgeld von 10.000 Euro mit Dr. Christian Schach.

„Der Gewinn ist eine große Ehre für mich und ich freue mich sehr, dass ich hier am Uniklinikum Würzburg die Gelegenheit habe, neben der Krankenversorgung auch klinische Forschung zu betreiben“, berichtet Theresa Reiter. Sie wird ab Herbst am DZHI eine Rotationsstelle besetzen und sich mit einem Arzt eine Stelle in der Klinik und eine Stelle in der Forschung teilen (Tandem-Rotation), oder nach Bedarf flexibel zwischen Klinik und Forschung wechseln (flexible Rotation).

Quelle: idw/Universitätsklinikum Würzburg