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Affenpockenfälle steigen weiter

Brisanz scheint vielen noch nicht bewusst
lz
Affenpockenvirus
Affenpockenvirus © NIAID, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/
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Gestern ist der WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus auf die Entwicklung bei den Affenpocken eingegangen. Inzwischen wurden schon über 20.000 Fälle gemeldet.

Nachdem am Samstag wegen des weltweiten Ausbruchs der Affenpocken der öffentliche Gesundheitsnotstand von internationaler Tragweite ausgerufen wurde, scheint sich die weltweite Entwicklung nicht zu verlangsamen. Inzwischen wurden laut monkeypoxtally mehr als 20.000 Fälle von Affenpocken aus mehr als 70 Ländern gemeldet, wobei zuletzt mehr als 70 % der Fälle aus der Europäischen Region und 25 % aus der Region Amerika gemeldet wurden. Aus Deutschland werden mehr als 2.000 Fälle gemeldet, was dem dritten Platz im weltweiten Ranking hinter den USA und Spanien entspricht. Bisher wurden laut WHO weltweit fünf Todesfälle gemeldet, und etwa 10 % der Fälle wurden ins Krankenhaus eingeliefert, um die durch die Krankheit verursachten Schmerzen zu behandeln. Auch erste Berichte über infizierte Kinder wurden veröffentlicht. In amerikanischen Colleges gab es zudem ebenfalls erste Ausbrüche. Und das Virus wurde in den USA in mehreren Städten bereits im Abwasser nachgewiesen, was angesichts der Rattenpopulation in den Abwasserrohen keine gute Nachricht ist.

Ausbruch noch zu stoppen?

Auch wenn die WHO noch der Meinung ist, dass der Ausbruch noch gestoppt werden kann, wenn Länder, Gemeinschaften und Einzelpersonen sich informieren, die Risiken ernst nehmen und die erforderlichen Schritte unternehmen, um die Übertragung zu stoppen und gefährdete Gruppen zu schützen, dürfte das Zeitfenster bald geschlossen sein. Ob wir schon in einer endemischen Situation sind, bleibt abzuwarten.

Infektion auch über Kleidung oder Bettwäsche möglich

Ghebreyesus betonte, dass bisher 98 % der Fälle bei Männern auftreten, die Sex mit Männern haben. Doch letztlich könne sich jeder infizieren, der exponiert ist. Die WHO rät deshalb den Ländern dazu, Maßnahmen zu ergreifen, um das Risiko einer Übertragung auf andere gefährdete Gruppen wie Kinder oder schwangere Frauen zu verringern. Affenpocken verbreiten sich auf unterschiedliche Weise. Das Virus kann laut CDC von Mensch zu Mensch übertragen werden durch den direkten Kontakt mit dem infektiösen Hautausschlag, Schorf oder Körperflüssigkeiten. Daneben verweist die CDC auch auf die Atemwegssekrete bei längerem, persönlichem Kontakt oder bei intimem Körperkontakt wie Küssen, Kuscheln oder Sex sowie das Berühren von Gegenständen (wie Kleidung oder Bettwäsche), die zuvor dem infektiösen Hautausschlag oder Körperflüssigkeiten ausgesetzt waren. Schwangere können zudem das Virus über die Plazenta auf ihren Fötus übertragen.

Es ist laut CDC aber auch möglich, dass Menschen Affenpocken von infizierten Tieren bekommen, entweder indem sie von dem Tier gekratzt oder gebissen werden oder indem sie Fleisch zubereiten oder essen oder Produkte von einem infizierten Tier verwenden. Affenpocken können sich von dem Zeitpunkt an ausbreiten, an dem die Symptome beginnen, bis der Ausschlag vollständig abgeheilt ist und sich eine frische Hautschicht gebildet hat. In der Regel dauere die Krankheit 2-4 Wochen. Menschen, die keine Affenpocken-Symptome haben, könnten das Virus nicht auf andere übertragen. Derzeit sei nicht bekannt, ob sich Affenpocken durch Sperma oder Vaginalflüssigkeit ausbreiten können (Stand: 24. Juni 2022).

Noch keine Erfahrung mit der Impfung

Die WHO empfiehlt eine gezielte Impfung für Personen, die jemandem mit Affenpocken ausgesetzt waren, und für Personen mit hohem Expositionsrisiko, einschließlich Gesundheitspersonal, einigen Labormitarbeitern und Personen mit mehreren Sexualpartnern. Derzeit wird keine Massenimpfung gegen Affenpocken empfohlen. Ein Pockenimpfstoff namens MVA-BN wurde in Kanada, der Europäischen Union und den USA zur Verwendung gegen Affenpocken zugelassen. Zwei weitere Impfstoffe, LC16 und ACAM2000, werden laut WHO ebenfalls zur Verwendung gegen Affenpocken in Betracht gezogen. Allerdings gab Ghebreyesus zu, dass noch Daten zur Wirksamkeit von Impfstoffen gegen Affenpocken oder dazu, wie viele Dosen erforderlich sein könnten, fehlen.

Quellen: WHO, CDC, https://www.monkeypoxtally.info/, Georgetown University,  E&E News

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