Neurochirurgie

4-D-Simulation bringt Durchbruch bei Hirnoperation

Ein Team von Fachleuten aus der Neurochirurgie und der Interventionellen Neuroradiologie des Inselspitals Bern hat zusammen mit dem ARTORG-Center der Universität Bern ein neues 4-D-Simulationssystem zur Schulung von Clipping (Aneurysma abklemmen) und Coiling (Aneurysma ausfüllen) entwickelt.

4-D-Simulation

Fredrick Johnson Joseph (links), ARTORG Center, und Dr. med. David Bervini, Universitätsklinik für Neurochirurgie, Inselspital. | Adrian Moser - ARTORG

Etwa 2 von 100 Erwachsenen tragen Aneurysmen, ballonartige Erweiterungen von Hirnarterien, sehr oft ohne etwas davon zu spüren. Je nach Größe und Stabilität besteht das Risiko, dass ein Aneurysma reißt und es zu einer Hirnblutung kommt. Die neurochirurgische Entfernung von Hirnaneurysmen ist aufgrund ihrer Lage und Ausprägung äußerst anspruchsvoll. Eine sorgfältige Abwägung des Risikos einer Ruptur gegen die Risiken eines Eingriffes ist notwendig. Fehler während der Operation sind zwar selten, können aber weitreichende Folgen haben. Eine Minimierung der Risiken eines Eigriffes hat deshalb höchste Priorität.

Dr. Daniela Branzan

Bereits sieben Menschen konnten die Gefäßmediziner am Uniklinikum Leipzig dank eines Gefäßmodells aus dem 3-D-Drucker helfen und damit deren Leben retten. Ein individuell erstelltes Kunststoffmodell hilft, bei einem Aortenaneurysma eine genau passende Prothese zu erstellen und zu implantieren.

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Ein Team von Fachleuten aus der Neurochirurgie und der Interventionellen Neuroradiologie des Inselspitals hat zusammen mit dem ARTORG-Center der Universität Bern nach eigenen Angaben ein neues, bereits mehrfach ausgezeichnetes 4-D-Simulationssystem zur Schulung von Clipping (Aneurysma abklemmen) und Coiling (Aneurysma ausfüllen) entwickelt. Der Simulator bietet eine realistische optische und haptische Übungsmöglichkeit an einer 3-D-Print-Kopie des Schädels, des Hirns und neu der Blutbahnen des Patienten beziehungsweise der Patientin. Die Fachleute finden im Simulator 1:1 die Situation vor, die sich ihnen später während der realen Operation stellen wird. Weltweit einzigartig sei die Erweiterung auf eine 4-D-Simulation, indem die Blutbahnen mit Puls und Blutfluss auch die zeitlichen Aspekte korrekt simulieren.

Komplikationen können weiter gesenkt werden

Der 4-D-Simulator wird sowohl für die Planung des Eingriffs als auch für Echtzeitübungen am konkreten Fall eingesetzt. Durch die weitgehend perfektionierte Planung und Übung können Risiken durch Komplikationen weiter gesenkt werden. Chirurgische Eingriffe am Hirn haben für Patientinnen und Patienten eine ausgeprägte emotionale Komponente. Der Erfolg eines Eingriffes wird auch durch eine positive Einstellung und das Ausräumen von Ängsten begünstigt. Der neu entwickelte 4-D-Simulator öffnet hierzu neue Möglichkeiten, indem die Ärztin oder der Arzt den Eingriff, das Vorgehen und die konkreten Schritte 1:1 zeigen und erklären und so die Motivation der Patientinnen und Patienten positiv unterstützen kann.

Der 4-D-Simulator bietet neue Dimensionen der Aus- und Weiterbildung von neurochirurgischen und neuroradiologischen Fachleuten. Ärztinnen und Ärzte können sowohl in der fachärztlichen Ausbildung als auch bei späteren vertiefenden Expertenkursen am 4-D-Simulator arbeiten und neuartige Erfahrungen sammeln. Speziell im Umfeld von Schulungen kommt dann noch die Möglichkeit hinzu, die Leistungen der Operateure untereinander zu quantifizieren und zu vergleichen. Ein erster solcher Kurs ist für den Sommer 2021 in Bern geplant.


Quelle: Insel Gruppe Bern, 11.01.2021