Eröffnungsveranstaltung am 23. Mai 2017

120. Deutscher Ärztetag

Die Präsidentinnen des DVTA, Christiane Maschek und Rebecca Lauterbach, hatten als Gäste an der Eröffnungsveranstaltung des 120. Deutschen Ärztetages teilgenommen. Die für die MTA-Berufe wesentlichen Punkte sind für Sie nachstehend zusammengefasst.

120. Deutscher Ärztetag

Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, bei der Eröffnungsveranstaltung des 120. Deutschen Ärztetages im Konzerthaus in Freiburg im Breisgau | © Deutsches Ärzteblatt/Jürgen Gebhardt

Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), stellte in seiner Eröffnungsrede die Positionen der Ärzteschaft dar und adressierte die Forderungen der Ärzteschaft insbesondere auch an Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU).

Prof. Montgomery warnte vor der Einführung einer Bürgerversicherung, da sie zu einer echten Zwei-Klassen-Medizin führen würde. Er plädierte für den Erhalt der freien Arztwahl ebenso wie der ärztlichen Freiberuflichkeit, da diese entscheidende Faktoren seien, um die Qualität und Professionalität des Arztberufes und durch die Einbeziehung der ärztlichen Expertise die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens zu gewährleisten.

Er kritisierte den Investitionsstau in den Krankenhäusern und die zunehmende Ökonomisierung des Gesundheitswesens. Das wirtschaftliche Ergebnis erhalte einen höheren Stellenwert als die medizinische Leistung, mit der Gefahr, dass die medizinische Indikationsstellung aus wirtschaftlichen Gründen optimiert werde. Ärzte dürften nicht zu Erfüllungsgehilfen ökonomischer Optimierungsstrategien gemacht werden. Die Ökonomisierung habe auch zur Folge, dass es zu wenig Personal, zu lange Arbeitszeiten, eine schlechte Organisation, überfüllte Notfallambulanzen und zu viel Bürokratie gebe.

Der BÄK-Präsident begrüßte daher das Gesetzgebungsvorhaben, mit dem die Bundesregierung Personaluntergrenzen für die Pflege vorgeben will. Dies reiche jedoch nicht aus. Notwendig seien Personaluntergrenzen für das gesamte medizinische Krankenhauspersonal.

Der DVTA unterstützt die Forderungen der BÄK. Die Gewährleistung der medizinischen Leistungsfähigkeit durch ausreichendes und qualifiziertes Personal muss Top-priorität des Gesundheitswesens sein. Nur so kann eine optimale Gesundheitsversorgung der Patientinnen und Patienten garantiert und der Patientensicherheit Rechnung getragen werden.

Gesundheitsminister Hermann Gröhe betonte, dass das Ziel seiner Gesundheitspolitik und der Gesetzgebungsverfahren sei, die vielen guten Spitzenleistungen im deutschen Gesundheitswesen zu einer bestmöglichen Mannschaftsleistung zusammenzuführen, um eine patientenorientierte Weiterentwicklung des Gesundheitswesens zu erzielen. Der verantwortungsvolle Umgang mit den Mitteln der solidarischen Krankenversicherung sei notwendig, müsse aber stets den Patienten und nicht die Ökonomisierung in den Mittelpunkt stellen.

Der Deutsche Ärztetag bekräftigte erneut, dass er eine Substitution ärztlicher Leistungen und Aufgaben durch nicht ärztliche Gesundheitsberufe ablehne und dass die ärztliche Diagnose wie Therapie nicht delegierbar seien, insbesondere auch nicht an Physician Assistants.

Bezüglich des in Deutschland seit 2008 an zehn überwiegend privaten Hochschulen und Fachhochschulen angebotenen Bachelorstudiengangs „Arztassistent“ (Physician Assistant) beschloss der Deutsche Ärztetag proaktiv vorzugehen und Einfluss auf die Inhalte der Ausbildung sowie auf das Niveau der Ausbildung zu nehmen. Der Deutsche Ärztetag forderte den BÄK-Vorstand und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) dazu auf, zu verhindern, dass der Studiengang zum Arztassistenten ein grundständiges Studium wird. Besser wäre eine akademische Weiterbildung, die auf einen vorhandenen Ausbildungsberuf (zum Beispiel Altenpfleger, Krankenpfleger) aufbaut. Dies wurde damit begründet, dass ein grundständiges Studium einen zusätzlichen Gesundheitsberuf in das System einführen und damit die Heterogenität, wie auch die zu erwartenden Schnittstellen- und Kommunikationsprobleme weiter erhöhen würde.