MTA Dialog
MTA Dialog
sep
Diesen Artikel bookmarken bei
Wie funktioniert Bookmarken?
Mit so genannten “Social Bookmarks” können Sie Links auf interessante Webseiten mit anderen Nutzern teilen.
sep
MTA-Welt, 02-2012
Fit for Job

Sie machen den Plan! – Dosimetristen sorgen für einen verantwortungsvollen Umgang mit Strahlungsdosen

Annette Marquardt ist seit 21 Jahren am Campus Benjamin Franklin der Charité – Universitätsmedizin Berlin als MTRA in der Strahlentherapie tätig. Im folgenden Interview hat sie uns viel über das Berufsbild erzählt, wie sie zu ihrer Tätigkeit kam und was sie an ihrer Arbeit besonders motiviert.

Frau Marquardt, würden Sie uns kurz erläutern, welche Wege Sie zu Ihrer jetzigen Tätigkeit geführt haben?

1986 habe ich nach damals noch zweijähriger Ausbildung meinen Abschluss als MTRA gemacht. Danach war ich bei verschiedenen Arbeitgebern in unterschiedlichen MTRA-Bereichen tätig und kam schließlich ins damalige Klinikum Steglitz – der heutige Campus Benjamin Franklin der Charité, wo ich bis heute in der Strahlentherapie tätig bin. Bereits in der Ausbildung habe ich festgestellt, dass mein Interesse weniger der Radiologischen Diagnostik, der Nuklearmedizin oder dem Labor galt – der Patientenkontakt kam mir dort viel zu kurz. Außerdem hatte ich auf Grund meines damaligen Kinderwunsches Bedenken wegen der Strahlenbelastung. Daher dachte ich mir, wo kann man am besten Patientenkontakt mit einer technisierten Tätigkeit kombinieren und kam so zur Strahlentherapie, wo ich nun seit 21 Jahren in wechselnden Tätigkeitsfeldern arbeite. Im DIW-MTA hatte ich von 1997 bis 2001 die Weiterbildung zur „Fach-MTA“ gemacht. 2001 habe ich dann im Bereich der Bestrahlungsplanung angefangen. Da die damalige physikalisch-technische Assistentin schwer erkrankt war, wurde ich mit deren Aufgabenbereich betraut. Es war damals eine schwierige Entscheidung für mich, weil es einerseits bedeutete, den Patientenkontakt zu verlieren, andererseits fielen damit etliche körperlich anstrengende Tätigkeiten weg. Ich entschied mich für die neue spannende Aufgabe und wurde dann von unserem leitenden Medizinphysiker sehr gründlich eingewiesen. Täglich ein bis zwei Stunden nach der Arbeit, insgesamt zwei Monate lang – in dieser Zeit erarbeitete ich mir erst mal einen Grundstock an Wissen, um das Planungsprogramm selbstständig anwenden zu können und die physikalischen Hintergründe zu verstehen. Seit 2005 bin ich mehr oder weniger selbstständig und allein für die Planung zuständig, so dass heute die Medizinphysiker nur dann einspringen müssen, wenn ich die Planungsmenge allein nicht kompensieren kann.

Anzeige

Welche Hauptaufgaben umfasst Ihr jetziges Tätigkeitsfeld?

Mein Tätigkeitsschwerpunkt ist die tägliche Organisation der Planungssituation, d. h. wie viele Patienten sind wie zu bearbeiten. Außerdem bin ich für die tägliche Qualitätssicherung des Planungssystems zuständig wie zum Beispiel die Durchrechnung und Prüfung der Testpläne.

Für die „konturierten“ Patienten müssen Standardtechniken und individuelle Techniken als auch IMRT und RapidArc geplant werden. Darüber hinaus fällt auch die Einweisung der übrigen Mitarbeiter nach Programmupgrades in meinen Verantwortungsbereich.

Haben Sie sich auch während Ihrer jetzigen Tätigkeit weiterqualifiziert?

Ich habe während dieser Zeit einige Spezialisierungskurse beispielsweise IMRT, und auch Zusatzqualifikationen für Medizinphysiker absolviert, damit ich auf dem Laufenden bleibe und auch neue Techniken kennenlerne und erlerne.

Welchen Stellenwert hat lebenslanges Lernen für Sie? Haben sich Ihre Weiterqualifikationen bewährt? In welcher Hinsicht?

Lebenslanges Lernen hat natürlich einen sehr hohen Stellenwert für mich. Ich selbst bilde mich regelmäßig weiter, denn nur dann kann man dem technischen Fortschritt gerecht werden und seine Erfahrungen auch nutzbringend anwenden. Die meisten Qualifikationen waren insbesondere für ein besseres Verständnis neuer Techniken sinnvoll. Verglichen mit den anderen MTRA in unserer Abteilung kommt mir mehr Entscheidungsfreiheit während eines kreativen Planungsprozesses zu. Durch den Wissenszuwachs steigt auch die Anerkennung durch die Kollegen. Beispielsweise kommt es vor, dass meine Vorschläge durch Ärzte und Physiker aufgegriffen und umgesetzt werden.

Was motiviert Sie, in der Bestrahlungsplanung zu arbeiten? Es gibt ja sicher auch schwierige Situationen.

Meine größte Motivation ist der Spaß an technischen Weiterentwicklungen und die Herausforderung, mit den sich daraus ergebenen Möglichkeiten für den Patienten die bestmöglichen Bedingungen für eine Bestrahlung schaffen und diese dann z. B. konstruktiv mit Kollegen besprechen zu können.

Darüber hinaus macht es mir Freude, eine Anlaufstelle für die Fragen aller Arbeitsgruppen (MTRA, Ärzte und Physiker) zu sein. Dieses Gefühl, gebraucht zu werden, ist ein großer Anreiz, weiterhin gut und gewissenhaft zu arbeiten und am Ball zu bleiben.

Was mich in diesem Zusammenhang auch sehr reizt und was ich als extrem wichtig empfinde ist, dass die Bestrahlungsplanung ein bereichsübergreifendes Aufgabenfeld ist und man als MTRA für andere Arbeitsgruppen wie zum Beispiel Medizinphysik ein besseres Verständnis entwickelt. Dieser interdisziplinäre Ansatz ist in den anderen Bereichen nicht in dieser Art vorhanden. Zusätzlich steckt in diesem Bereich ein großes kreatives Potential.

Was mir hier allerdings fehlt, ist der Patientenkontakt, aber vielleicht gibt es für einige MTRA ja die Möglichkeit, dass man das Einsatzfeld splitten kann und so einen Teil seiner Arbeitszeit an den Bestrahlungsgeräten mit den Patienten und einen Teil in der Bestrahlungsplanung / Medizinphysik verbringt.

Die Tätigkeit in der Bestrahlungsplanung weist also ein hohes Entwicklungspotential auf?

Auf jeden Fall. Es gibt wirklich viele Bereiche, in die man sich einbringen und die man untersuchen kann – wo man also durchaus für die Zukunft etwas Neues erarbeiten kann. Der Möglichkeiten gibt es also wirklich viele.

Welche Fähigkeiten sollte man mitbringen, wenn man in dem Bereich tätig sein will?

Schwierig ist für einige Menschen zum Beispiel das dreidimensionale Denken und Sehen. Sich in ein 3D-Bild am Computerbildschirm einzudenken und damit zu agieren, kann man aber auch trainieren. Alle anderen theoretischen Grundlagen, etwa auch die Mathematik, sind Dinge, die man mit Fleiß und Ehrgeiz gut erlernen kann.

Man muss sich allerdings auch im Klaren darüber sein, dass die Tätigkeit in der Bestrahlungsplanung sehr viel Theorie beinhaltet: Vorausschauendes Denken, Geduld (manchmal sind viele Versuche bis zum endgültigen Ergebnis nötig) und Genauigkeit sind unabdingbar. Man muss ein sehr gutes Auge haben, da man beispielsweise Isodosenlinien auf dem Monitor gut erkennen muss. Ein gutes Farbsehen ist ebenfalls wichtig.

Wie sieht es mit dem psychologischen Aspekt aus? Es ist leicht vorstellbar, dass die gesundheitliche Situation des Patienten einen mitunter sehr mitnimmt. Wie sieht das in der Praxis aus?

Während dieser elf Jahre, in denen ich direkt am Patienten gearbeitet hatte, hat mich das mal mehr, mal weniger belastet und ich kam eigentlich gut damit klar. Interessanterweise sind besonders schwerkranke Menschen – auch Kinder – so tapfer und geben einem so viel zurück, dass es mir persönlich sogar immer mehr am Herzen lag, mit diesen Patienten umzugehen, als dass es eine Belastung gewesen wäre. Natürlich gibt es aber auch Fälle, die man mit nach Hause nimmt, die einfach nicht so locker weggesteckt werden können, da sie einem zu nahe gehen. Für den Fall dass man mit solchen Situationen nicht mehr alleine umgehen kann, gibt es in den meisten Krankenhäusern psychologische Dienste, die in Anspruch genommen werden können. Oft sind aber bereits Gespräche mit Kollegen eine große Hilfe.

Wie beurteilen Sie den Arbeitsmarkt? Haben Sie den Eindruck, dass ein zunehmendes Interesse an speziell weitergebildeten MTRA als Dosimetristen besteht?

Ja, das Gefühl habe ich auf jeden Fall. Die Gründe hierfür sind unterschiedlich. Sicher spielt auch der Kostenfaktor eine Rolle, denn Medizinphysiker sind schlichtweg teurer und rar. Besonders in dieser Zeit, wo alle sparen müssen, insbesondere die öffentlichen Institutionen, kann sich das Einstellen und Schulen einer kompetenten MTRA, die diesen Bereich abdeckt, durchaus auszahlen. Ein weiterer Aspekt ist natürlich wiederum die abteilungsübergreifende Erfahrung. Ich als MTRA kann natürlich nachvollziehen, was am Bestrahlungsgerät möglich ist oder auch nicht. Ich lese auch die Patientenakten und kann den Patienten einschätzen. Dies ist nicht unbedingt die Regel, wenn Medizinphysiker den Patientenplan erstellen sollen. Als MTRA hat man einen umfassenderen Blick auf den Patienten, seine Situation und die notwendigen Vorgänge für die Behandlung. Ich arbeite einerseits im klinischen Bereich mit den Ärzten zusammen, denn diese nehmen die Pläne schlussendlich ab. Andererseits muss ich weitere Voraussetzungen für die Bestrahlungsplanung beachten: warum werden bestimmte Dinge überprüft, warum und wie werden die Pläne validiert und so weiter. Ich habe also ein ganzheitliches Bild von der Strahlentherapie. Und so etwas danken einem die Arbeitgeber natürlich auch. Denn wenn ein Plan zurückgewiesen wird, weil bestimmte Dinge nicht beachtet wurden, oder wenn man erst bei der Einstellung feststellt, der Winkel ist gar nicht einstellbar, dann wächst der Aufwand unverhältnismäßig und kostet wiederum Zeit und somit Geld.

Halten Sie eine spezielle Weiterbildung in diesem Bereich für sinnvoll?

Ja, denn auch wenn die Systeme heute relativ benutzerfreundlich sind, weiß man aufgrund der Komplexität der Geräte einfach nicht mehr genau, was man eigentlich tut. An der Einstelltechnik hat sich nicht viel geändert, aber der Bedienteil ist sehr vereinfacht worden. Früher als Berufsanfängerin habe ich noch Pläne anhand von Tabellen berechnet. Heute macht das aufgrund der neuen Gesetzgebung alles die Medizinphysik und für MTRA wird das Thema zunehmend abstrakt. Damit in der täglichen Routine das eigentliche „Handwerk“ nicht zu kurz kommt, sollten diese Fertigkeiten regelmäßig geschult werden. Ein anderer wichtiger Aspekt an einer Weiterbildung ist die Kombination von theoretischem und praktischem Wissen. Ich hatte zwar durch die Schulung durch unseren Medizinphysiker den Vorteil, immer den 1:1-Bezug zur praktischen Tätigkeit zu haben. Aber dies ist nicht immer der Fall und in meiner damaligen Weiterbildung zur Fach-MTA kam der praktische Aspekt viel zu kurz. Dies wurde aber geändert und nun ist ein Praktikum fester Bestandteil im Lehrplan der Fachqualifikation „Radiologietechnologie mit Schwerpunkt Radioonkologie / Dosimetrie“, so dass man auch in der Praxis Versuche / Messungen durchführen oder an praktischen Anwendungen mitwirken kann.

Natürlich ist es auch ein großer Vorteil, gemeinsam mit anderen Teilnehmern der Weiterbildung klinikübergreifend Erfahrungen auszutauschen und somit einen Wissenszuwachs zu verzeichnen. Außerdem wird in einer Weiterbildung natürlich Wissen bei gleichzeitigem Praxisbezug auch kompakt und durchgängig präsentiert. Man wird durch die Arbeitsroutine nicht aus dem Lernprozess gerissen.

Schlussendlich ist auch das Zertifikat selbst ein wichtiger Baustein, um beruflich weiter zu kommen.

Wie beurteilen Sie persönlich das Curriculum der überarbeiteten Fachweiterbildung Radioonkologie / Dosimetrie des DIW-MTA e.V.?

Meiner Meinung nach ist die Zusammenstellung der neuen Module den aktuellen Entwicklungen in diesem Bereich sehr gut angepasst. Der Weiterbildungsplan ist praxisbezogener als früher – das finde ich gut, denn wie ich bereits zuvor betont habe, kommt dem Praktikum für die Umsetzung der theoretischen Grundlagen eine ausgesprochen wichtige Rolle zu. Auch der interdisziplinäre Ansatz wurde im Weiterbildungsplan der neuen Fachqualifikation schon vielfach aufgegriffen. Betriebswirtschaftliche Aspekte gehören genauso in die aktuelle Praxis wie auch die Fähigkeit, Nachwuchs anzulernen oder ein umfassenderes Verständnis für die IT zu entwickeln. n

Vielen Dank für das Interview und alles Gute für Ihre berufliche und private Zukunft.


Das Interview führte Anne Thon, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit DIW-MTA e.V.

Welserstr. 5–7

10777 Berlin

Telefon: 030-8137425

Telefax: 030-8132427
E-Mail: info@diw-mta.de

www.diw-mta.de

Diesen Artikel bookmarken bei
Wie funktioniert Bookmarken?
Mit so genannten “Social Bookmarks” können Sie Links auf interessante Webseiten mit anderen Nutzern teilen.
sepsepsep
Externe Nutzung / Nutzungsrechte
Wenn Sie auf diesen Beitrag von MTA online verlinken möchten, können Sie einfach und kostenlos folgenden HTML-Code in Ihre Internetseite einbinden:

Firmeninformation

Weitere Beiträge aus dem Bereich MTA-Welt

Stellenmarkt

Anzeige

Video des Monats - MTA im Webcast

Ein Filmteam begleitet die MTRA-Aktionstage in München

Anzeige

Video: Bayer HealthCare

Tipps für richtiges Atemanhalten bei MRT-Untersuchungen

Tipps für richtiges Atemanhalten bei MRT-Untersuchungen

Fortbildung Credits sammeln

Der dvta und MTA Dialog bieten die Möglichkeit, online an Qualifizierungstests teilzunehmen und Credits mit einem persönlichen Fortbildungszertifikat zu erwerben.

Newsletter

MTA Dialog Online Newsletter bestellen

Unser Newsletter informiert Sie kostenlos über die wichtigsten Neuigkeiten für Technische Assistenten in der Medizin.

Multimedia

Ein Leben für die Wissenschaft

HELIOS Kliniken: Brustkrebs - So funktioniert die Strahlentherapie

HELIOS Kliniken

Brustkrebs - So funktioniert die Strahlentherapie

Abonnement

Aus dem aktuellen Heftinhalt

Labordiagnostik: Histologische Standardfärbungen

Radiologie: Neues aus der Kontrastmittelindustrie

Wissen: The Science of Hematology (2)

MTA DIALOG IN SOCIAL NETWORKS

Weitere Services

RSS Feeds
Erhalten Sie aktuelle Nachrichten in Ihrem RSS-Reader
>>...mehr
iGoogle
Die MTA Dialog News direkt auf Ihrer iGoogle Startseite
>>...mehr